Hausmitteilung 17. Januar 2000 Betr.: Liechtenstein
Der Überbringer schlechter Nachrichten ist selten wohlgelitten. Im November vergangenen Jahres berichtete der SPIEGEL über ein Dossier des Bundesnachrichtendienstes, in dem das Fürstentum Liechtenstein als Hort weltweiter Organisierter Kriminalität bezeichnet wird. Und was tat Liechtenstein? Die Regierung verklagte den SPIEGEL. Eine echte Premiere, dass ein ganzer Staat den SPIEGEL vor den Kadi zerrt. Liechtensteins Staatsoberhaupt Fürst Hans-Adam II. war nicht Initiator der Klage. Er habe den SPIEGEL-Bericht gelesen, sagte er im Gespräch auf Schloss Vaduz den Redakteuren Stefan Aust, Joachim Preuß und Hans-Ulrich Stoldt: "Ich habe mir gedacht, dass das sehr dick aufgetragen ist. So kann das nicht stimmen, in dem Umfang." Allerdings: "So gut kenne ich den SPIEGEL, dass ich weiß, der denkt sich so etwas nicht aus." Da hat Durchlaucht Recht. Mit den SPIEGEL-Leuten sprach er munter über die Aussichten und die Gefahren für seine Steueroase, die er gern als Fluchtburg gegen die Raubritter der Finanzbehörden anderer Länder sieht. Mit Folgen siehe oben (Seite 110).