Aufsichtsratssitzung: Frisiertes Protokoll - DER SPIEGEL
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Aufsichtsratssitzung Frisiertes Protokoll

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Nach der Beinahe-Pleite der angeschlagenen Philipp Holzmann AG rückt der vor neun Wochen gefeuerte Vorstandschef Heinrich Binder in das Blickfeld der Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob der Manager Aussagen von Wirtschaftsprüfern gefälscht hat, um die Geschäftslage besser darzustellen. So sagte der zuständige KPMG-Prüfer Wolfgang Zielke in der Aufsichtsratssitzung vom 5. Mai 1999 zur Lage des Unternehmens, man könne "noch nicht von einem vollzogenen Turnaround sprechen". Das geht aus einem Protokoll-Entwurf hervor, der dem SPIEGEL vorliegt. Binder strich diesen Satz ­ und legte zwei Absätze später dem Wirtschaftsprüfer stattdessen die Aussage "Somit könne man von einem erfolgreichen Turnaround sprechen" in den Mund. Auf der übernächsten Seite fügte Binder ein: "Auch Herr Zielke hob hervor, dass ein erfolgreicher Turnaround vorliege." Beide Aussagen sind laut KPMG frei erfunden. Zudem hat Binder die Aussage des Holzmann-Aufsichtsrats Klaus Esser verfälscht. Der scheidende Mannesmann-Chef sagte laut Protokollentwurf, "dass die Reserven für die Altersversorgung zu mager seien". Binder ersetzte das "zu" durch ein "sehr" ­ und schwächte so die Aussage deutlich ab. In abgeänderter Form unterzeichnete der mittlerweile zurückgetretene Aufsichtsratschef Carl Ludwig von Boehm-Bezing das Protokoll. Danach verkündete Binder ­ zur Verwunderung der KPMG, die das Protokoll nicht kannte ­ den geschafften Turnaround; der Holzmann-Aktienkurs zog kräftig an. Im November stand Holzmann jedoch vor der Pleite. Nach Ansicht von Rechtsexperten hat sich Binder mit seinen Falschaussagen in mehrfacher Hinsicht strafbar gemacht. Möglicherweise liege auch ein Betrug zu Lasten der Anleger vor, der zu Schadensersatzklagen gegen den Baukonzern in Höhe von mehreren hundert Millionen Mark führen könne. Das Protokoll mit den frisierten Aussagen ist mittlerweile im Besitz der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Behörde hat ihre im November aufgenommenen Ermittlungen wegen Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung gegen frühere Vorstände neben Binder auch auf "weitere handelnde Personen der Jahre 1997 und 1998" ausgedehnt.

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