Ortstermin: Die Firma - DER SPIEGEL
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Ortstermin Die Firma

In Dreieich eröffnet ein Küchenunternehmer eine Schule, die die beste Deutschlands werden soll.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hans Strothoff hat eine Schule gebaut. Die beste Schule in ganz Deutschland, so hat er das beschlossen. 15 Millionen Euro seines Privatvermögens stecken drin, Exzellenz und Laptops auf allen Etagen. Kein Vergleich zu staatlichen Bildungsruinen. Es ist Schloss Salem auf Hessisch, nur ohne Übernachten. Kurz gesagt: Es ist die Schule, auf die Hans Strothoff als Kind nie hätte gehen können.

Montag, Ferienende in Hessen. Vor dem neuen Schulgebäude in Dreieich bei Frankfurt am Main ist eine Bühne aufgebaut. Davor steht Hans Strothoff, 58, Vorstandsvorsitzender der MHK Group, Erfinder der Musterhaus-Küchen und heute Schulgründer im Land der Ideen. Neben ihm der stellvertretende Ministerpräsident von Hessen und der Landrat des Kreises Offenbach. Die Männer lächeln und schwitzen.

Hans Strothoff will seine Schule wie ein Unternehmen führen. Privat, also ohne Geld vom Land Hessen. Er will kein Staatsgeld, er findet es unerfreulich, wie der Staat in diesen Tagen überall mitspricht. Er glaubt an den Markt. Die Bildung ist seine Ware, die anwesenden Eltern zahlen dafür bis zu 17.000 Euro im Jahr, Unterrichtsmaterialien, Mittagessen oder der Tür-zu-Tür-Bus-Shuttle nicht mitgerechnet. Das ist die Idee.

"Die Eltern von Herrn Strothoff waren Bremer Fischhändler", sagt Daniel Schmid. Schmid, 44, kurze, dunkle Haare, seriöse Brille, ist verantwortlich für das Projekt Strothoff International School und auch dafür, dass sein Chef nicht zu sehr als elitärer Privatschulunternehmer wahrgenommen wird. Er steht ein paar Meter weiter hinten, in einem der zwei großen Festzelte, wo es Apfelschorle und Schnittkuchen gibt.

Das Ziel sind die Plätze ganz oben

Schmid erzählt, was die neue Schule alles können wird. Es ist im Grunde alles das, was Herr Strothoff nicht so gut kann, Kunst, Musik, Englisch. Sie beginnen jetzt erst mal mit den Jahrgangsstufen eins bis neun. Schmid spult ab, was man auf der Privatschule für sein Geld bekommt: kleinere Klassen, modernste Ausstattung, ganztägige Betreuung, engagierte Lehrer und ein pädagogisches Leitbild, basierend auf den Erfahrungen Schweizer Bildungsprofis. Unterrichtssprache ist Englisch. Ziel ist ein internationales Abitur, Ziel sind die großen Universitäten dieser Welt. Ziel sind die Plätze ganz oben.

Die Strothoff International School soll das Beste bieten, was mit Geld aus einer Schule herauszuholen ist. Die Eltern der 107 Schülerinnen und Schüler sind Banker, Professoren und Immobilienmakler, denen laut Schmid "ganze Straßenzüge in Frankfurt gehören". Es soll auch Stipendien geben, später, aber es gibt sie noch nicht.

Die meisten der Eltern stehen im Schatten, Business-Männer in schwarzen Anzügen, die Frauen tragen Kostüm. Es sind mehr Louis-Vuitton-Handtaschen zu sehen als Schultüten. Da stehen Menschen, die davon überzeugt sind, dass in diesem Land die Lebenschancen bereits in der Grundschule verteilt werden. Das Misstrauen gegen das staatliche Bildungsangebot ist groß. Es geht darum, die Kinder so früh wie möglich zu positionieren, sie nach vorn zu bringen. Die Kinder tragen weiße Polohemden mit rotgrauem Schulemblem und sind ordentlich gekämmt.

"Die müssen erst mal unsere Firmenmentalität kennenlernen"

"Herr Strothoff", sagt Schmid, "hat sich weniger um die pädagogische Ausrichtung auf der Schule gekümmert als vielmehr auf das korrekte Erscheinungsbild geachtet." Also keine Jacken mit Fransen, keine Ohrringe. Die Lehrer sollen angezogen sein wie Mitarbeiter der MHK Group, mit Sakko und Krawatte. Bezahlt wird nach Leistung. "Die müssen auch erst mal unsere Firmenmentalität kennenlernen", Schmid ist sicher, dass es so kommt. Am Morgen musste beispielsweise jeder Lehrer seinen Klassenraum putzen.

Man könne eine Schule nicht wie ein Unternehmen führen, war zuerst von Pädagogenseite zu hören. "Können wir natürlich schon", sagt Schmid. Vor ein paar Monaten wurde der schon in allen Broschüren angekündigte Schulleiter ausgewechselt. Schmid erzählt von diesem Ereignis zweimal an diesem Tag, es ist ihm wichtig. Wichtig auch: "Wir haben relativ kurze Kündigungsfristen. Nächstes Jahr wird das Kollegium sicher anders aussehen." Es ist eine Musterhaus-Schule.

Hans Strothoff steht in der Hitze und sagt: "Wir streben nach Exzellenz in allem, was wir tun." Deshalb eröffnet er diese Schule, deshalb spendierte er der Goethe-Universität Frankfurt einen Lehrstuhl für BWL. Er strebt nach Elite. Man merkt es besonders, wenn er betont, nicht nach Elite zu streben. Das ist vermutlich die Idee hinter der Idee. Hans Strothoff, der Sohn eines Bremer Fischhändlers, hätte keine Chance gehabt, auf solch eine Schule zu kommen. Jetzt baut er sich eine, über die er selbst bestimmt.

Nachdem die Musikschule Dreieich "What a Wonderful World" gespielt hat, geht Strothoff auf die Bühne. "Alles ist neu", sagt er und schaut zufrieden in die Runde. Er trägt Anzug und akkuraten Seitenscheitel. Dann sagt er ein paar Dinge zur Bildung im Allgemeinen, zu seinem Schulbild im Speziellen. Alles sei anders als an gewöhnlichen Schulen. In der Informationsbroschüre steht: "Investing in the young is investing in our future." Strothoff sagt es auf Deutsch. Wer in die Jugend investiert, gewinnt die Zukunft. Und Zukunft ist irgendwie auch gut für uns alle. Unter dem Strich bleibt der Satz: "Es ist eine super Sache." Dann grüßt Strothoff seine Mutter.

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