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Die Fernsehkritik "Mach dich raus!" (SPIEGEL 20/2000) war, wie man sie vom SPIEGEL erwarten durfte: meinungsfreudig, frech und polarisierend. Fazit des Stücks: Die DDR lebt zumindest im Programm des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Danach wurde nicht nur dem Autor Thomas Tuma schnell klar, dass man mit solch ketzerischen Thesen weitaus größere Empfindlichkeiten treffen kann als bei jedem Angriff auf "Big Brother" oder die Verflachung der TV-Kultur.
Viele Ostdeutsche waren beleidigt, allen voran MDR-Intendant Udo Reiter. In einem offenen Brief schimpfte er über das "grotesk verzerrte" Bild. Etliche Regionalblätter von der "Magdeburger Volksstimme" bis zur "Leipziger Volkszeitung" griffen das Thema auf. Online-Foren und Telefon-Hotlines wurden installiert. "Super Illu", das Fachorgan ostdeutscher Befindlichkeiten, fragte via Titelgeschichte: "Sind Ostdeutsche die Deppen der TV-Nation?" Wochenlang füllte das Pro und Contra zur SPIEGEL-Geschichte die Leserbriefspalten.
Am Montag vergangener Woche lud der SPIEGEL deshalb zum
Ost-West-Dialog ins Neue Rathaus Leipzig. Moderiert von
Chefredakteur Stefan Aust (5. v. l.), diskutierten vor
knapp tausend Neugierigen: Bernd-Lutz Lange (Mitgründer des
Kabaretts Academixer), Leander Haußmann (Regisseur,
"Sonnenallee"), Wolfgang Tiefensee (SPD, Oberbürgermeister
Leipzigs), Gunda Röstel (Bündnis 90/Die Grünen),
MDR-Intendant Reiter, Luise Endlich (Autorin, "NeuLand")
sowie SPIEGEL-Redakteur Tuma. Thema: "Immer auf die Ossis!
Wie unfair sind die
West-Medien?"