Häftling bastelt Computer zum Porno-Gucken - DER SPIEGEL
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Eine Meldung und ihre Geschichte Wie kommt der Porno in den Knast?

Aus Schrott, Holz und Kabeln baute sich US-Häftling Adam Johnston einen Computer zusammen. Er wollte ins Internet.
Adam Johnstons selbst gebauter Computer
Adam Johnstons selbst gebauter Computer

Adam Johnstons selbst gebauter Computer

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Adam Johnston ist ein Mörder. Er ist 36 Jahre alt, und fast die Hälfte seines Lebens hat er im Knast verbracht. Er war lange Zeit einer von gut 2000 Insassen des Gefängnisses von Marion im Bundesstaat Ohio, und offensichtlich hat er sich dort ganz ordentlich benommen. Jedenfalls sollten die Mitglieder eines Bewährungsausschusses demnächst darüber beraten, ob Johnston ein Teil seiner Haftstrafe erlassen werden könne. Es wäre ein wichtiger Tag im Leben von Adam Johnston geworden. Aber diesen Tag wird es wahrscheinlich nicht mehr geben.

Er hat einen Fehler gemacht, obwohl man sagen muss, dass er perfekt gearbeitet hat.

Johnstons Geschichte beginnt im Frühjahr 2015, er ist zu dieser Zeit in der Recyclingwerkstatt des Gefängnisses eingesetzt, als eine Art Vorarbeiter.

Die Arbeit in der Werkstatt besteht hauptsächlich daraus, Computer zu zerlegen. Sie werden auf Paletten geliefert, die Häftlinge schrauben die Gehäuse auseinander, sortieren Festplatten, Grafikkarten, Platinen. Was als Computer reinkam, geht in Einzelteilen wieder raus.

Johnston bemerkt schnell, dass nicht genau Buch darüber geführt wird, wie viele Computer die Werkstatt erreichen, wie viele Einzelteile sie verlassen. Er sieht Lücken im System, und darin erkennt er eine Chance für sich.

Johnston versteht eine Menge von der Welt der Computer. Er kann die Geräte nicht nur auseinanderschrauben, er kann sie auch wieder so zusammensetzen, dass daraus ein funktionstüchtiger Computer wird. Einer, den man ans Internet anschließen kann; einer, mit dem man sich, mit etwas Glück, in passwortgeschützte Netzwerke hacken kann. Johnstons Gedanke war: Wenn ihm so etwas beim Gefängnisnetzwerk gelingen sollte, dann könnte er seinen Mithäftlingen Dienstleistungen anbieten. Er könnte den Kollegen das Leben angenehmer machen und sich selbst natürlich auch, weil es im Knast für Dienstleistungen Geld oder Gefälligkeiten gibt.

Es war einfach, all jene Teile zur Seite zu schaffen, die nötig waren, um Computer zu bauen. Die Häftlinge arbeiteten in der Recyclingwerkstatt oft allein, kein Wärter sah ihnen dabei zu.

Schwieriger war es schon, die Computer in die Nähe eines Internetanschlusses zu schaffen. Ein Unterrichtsraum, in dem es einen Netzanschluss gab, befand sich auf der anderen Seite des Gefängniskomplexes, gut 300 Meter entfernt. Zwischen diesem Raum und der Werkstatt lag ein Kontrollpunkt, ausgestattet mit einem Wärter sowie einem Metalldetektor, wie er auch an Flughäfen verwendet wird.

Johnston löste das Problem auf elegante Weise. Er sorgte dafür, dass er für den sogenannten Hygienedienst eingeteilt wurde. Kurze Zeit später schob er einen metallenen Wagen voller Zahnpasta, Deo, Shampoo durch die Gänge des Gefängnisses, vorbei an Wärtern und Metalldetektoren. In Kisten, die immer auf dem Wagen standen, lagen versteckt die Computer.

Im Unterrichtsraum konnte Johnston die Geräte auf zwei Holzbretter schrauben, weil sich auch hier selten Wärter aufhalten. Er versteckte sie hinter der Deckenverkleidung des Raums und zog dann ein Kabel von den beiden Computern zum nächstgelegenen digitalen Verteiler, der die Rechner mit dem Internet verband.

Die technische Infrastruktur stand also, jetzt brauchte Johnston noch Pass- und Kennwort eines Wärters. Johnston, so sagte er es selbst während seiner Vernehmung, besorgte sich die Zugangsberechtigung durch "shoulder surfing". Er stellte sich einfach hinter einen Wärter, als der sich ins Netzwerk einloggte.

Nun war alles bereit.

Wann immer Johnston die Möglichkeit hatte, nutzte er die Computer unter der Deckenverkleidung und suchte im Gefängnisnetzwerk und im Internet nach Informationen, die ihm nützlich waren. Ein umfangreicher Report, vor Kurzem von der zuständigen Aufsichtsbehörde veröffentlicht, zählt auf, wofür sich Johnston interessierte: Er lud einen digitalen Werkzeugkasten für kriminelle Hacker aus dem Netz, er manipulierte das Zugangssystem innerhalb des Gefängnisses, stahl die Identität eines Häftlings, beantragte im Namen dieses Häftlings fünf Kreditkarten und sorgte dafür, dass die gesamte Post des Häftlings an einen Bekannten seiner Mutter ausgeliefert wurde. Es war Johnstons Plan, illegale Steuerrückzahlungen auf diese Kreditkarten buchen zu lassen.

Eine Gebrauchsanweisung für diesen Betrug hatte er in einem Artikel des Wirtschaftsdienstes Bloomberg gefunden, den die Ermittler, neben Pornos und Spielfilmen, ebenfalls auf den Festplatten der Computer gefunden hatten.

Aufgeflogen war Johnston, weil er nicht wusste, dass eine Sicherheitsfirma im Auftrag des Gefängnisses den Internetverkehr überwachte. Ein Programm der Firma schlug Alarm, als Johnston ausdauernd versuchte, Seiten im Netz zu erreichen, die von den Administratoren des Gefängnisnetzwerks aus Sicherheitsgründen blockiert worden waren.

Adam Johnston ist inzwischen in ein anderes Gefängnis verlegt worden, nach Lebanon, Ohio. Man sucht dort noch nach einer passenden Arbeit für ihn.