Im neuen SPIEGEL Heimliche Boom-Stadt Essen; die Tipps der Tiger Mom; Schach gegen den Weltmeister
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Die Welt besteht zum Glück nicht nur aus "bad news". Auch in diesem SPIEGEL finden sich deshalb Geschichten, die Hoffnung machen, und Texte über Menschen, deren Beispiel inspirierend wirkt. Drei davon möchte ich in dieser Woche besonders empfehlen.
An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Jan Friedmann, 39. Er ist seit 2007 beim SPIEGEL und schreibt im Ressort "Deutschland" über Bildungsthemen.
Da ist der Report meines Kollegen Christian Reiermann über die heimliche Boom-Stadt Essen. Ich habe mich über den Artikel gefreut, weil er den Erfolg der deutschen Wirtschaft einmal nicht beim Mittelständler in Bayern oder Baden-Württemberg verortet. Nein, es geht um Essen, eine Kommune mit sagenhaften 3,2 Milliarden Euro Schulden und einem Stadtbild, das die Ruhr-Metropole "nicht als architektonische Perle gelten" lässt, wie mein Kollege mit Zurückhaltung schreibt. Dennoch steigen Produktivität und Einwohnerzahl, die Schulden gehen zurück. Reiermann spricht mit dem Oberbürgermeister und dem Kämmerer, mit Strom-Tradern sowie dem Mitinhaber einer Privatbrauerei. Er bemerkt den "bodenständigen Pragmatismus" vor Ort und bekommt Sätze von münteferingscher Kraft zu hören. Zum Beispiel: "Mit Krisen muss man fertig werden, hilft ja nix."
Beeindruckt hat mich auch Amy Chua, die sogenannte Tiger Mom, Juraprofessorin an der Yale-Universität und Autorin eines Bestsellers über leistungsorientierte Kindererziehung. Sie gilt manchen Eltern als unerbittliche Pauk-Mama, die die Kleinen hinter den Schreibtisch prügeln und ihnen das letzte Stück Freizeit rauben will. Mein Kollege Thomas Hüetlin hat hingegen eine Frau getroffen, die ihr Leistungsethos schlüssig aus der eigenen Biografie erklärt. "Mein Vater wollte, dass wir schlauer sind, denn wenn wir nicht 110 Prozent geben, nehmen sie uns nicht", zitiert Chua ein asiatisches Einwandererkind - und meint auch sich selbst. Daher ihre Lebensmaxime, die sich auch durch Chuas zweites Buch zieht: Ausdauer und Fleiß sind Kardinaltugenden. Oder auf die Schule bezogen: Wenn es nicht zur Bestnote reicht, sei nicht der Lehrer schuld oder die entscheidende Prüfungsfrage, sondern das eigene Kind. Bitte auswendig lernen, deutsche Eltern, so viel asiatische Pauk-Schule muss sein.
Noch so einem Hochleister saß mein Kollege Erich Follath gegenüber: Er spielte eine Partie gegen Magnus Carlsen, den norwegischen Schachweltmeister. Als der vor ein paar Wochen seinen indischen Vorgänger bei der WM vom Brett fegte, habe ich mir ein paar Partien angeschaut, samt den schönen Videoanalysen auf SPIEGEL ONLINE. Das Problem: Spätestens im Mittelspiel war ich verloren im Geflecht der Stellungsvarianten und Mattdrohungen. Es beruhigt mich, dass es Follath, immerhin Vereinsspieler, gegen Carlsen ähnlich erging. "Nach 15 Zügen: Nichts ist so gekommen, wie ich es mir erhofft habe", schreibt er.
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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Jan Friedmann