Jörg Kramer: Was man diese Woche lesen muss - DER SPIEGEL
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Im neuen SPIEGEL Wunderheiler im Sport; Heiratsschwindler im Internet; Nazi-Täter und Sohn

Von Jörg Kramer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe Leserin,
lieber Leser!

Mein Kollege Maik Großekathöfer, ebenfalls im Sport-Ressort tätig, erwähnte neulich, er habe einen Therapeuten besucht. Der Mann wende eine Methode an, die sich "Quallenatmung" nenne. Kurz dachte ich, ich müsse mir Sorgen machen um meinen Büronachbarn, doch natürlich traf er den Heilkünstler nur für seine Recherche. Gemeinsam mit Lukas Eberle hat er zusammengetragen, zu welch merkwürdigen Problemlösern aus dem Bereich der Alternativmedizin Spitzensportler pilgern: Skifahrer, Golfer, Fußballspieler - alle in der Hoffnung, schneller, stärker, erfolgreicher zu werden.

Foto: Maria Feck/ DER SPIEGEL

An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Jörg Kramer, 54, seit 1999 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Sportressort.

Im Kino läuft gerade der Film "Her", in dem sich ein Mann in die weibliche Computerstimme seines Rechners verliebt. Das ist Science-Fiction. Realität ist, dass sich eine Frau aus Hamburg in einen Mann verliebte, den sie lediglich von Facebook und WhatsApp kannte. Sie nimmt ihm ab, dass er Multimillionär ist, er erpresst sie mit Aktfotos, die sie ihm geschickt hat. Die Geschichte dieses Hochstaplers, die der Kollege Carsten Holm erzählt, lehrt uns: Einsamkeit, digital oder analog, macht taub und blind.

In meiner Studienzeit war gelegentlich von der sogenannten Väterliteratur die Rede, vom paradoxen Umgang vieler deutscher Autoren mit der NS-Vergangenheit ihrer Eltern: Die meist den 68ern zuzurechnenden Literaten verurteilten die Elterngeneration zwar öffentlich, waren aber unfähig zur persönlichen Auseinandersetzung innerhalb der Familie. SPIEGEL-Autor Cordt Schnibben offenbart nun in seiner bewegenden Titelgeschichte über seinen Nazi-Vater und dessen Verbrechen auch einen persönlichen Zwiespalt. Er hat Briefe und Akten gefunden, durch die er gleichsam ins Hirn seiner Eltern schauen kann, und er stellt sich der Frage: Wie viel von meinem Vater hat in mir überlebt? Es ist ein Blick in die Abgründe deutscher Zeitgeschichte, den man nicht vergisst.

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

Viel Vergnügen und viele Erkenntnisse bei der SPIEGEL-Lektüre!

Jörg Kramer