Martin Doerry: Was man diese Woche lesen muss - DER SPIEGEL
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Im neuen SPIEGEL Warum unser Strom immer teurer wird und wie es besser laufen könnte; die braune Vergangenheit der Suhrkamp-Retter; Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright über Scientology; zwischen Tankern und Feuerquallen - ein Schweizer durchquert den Ärmelkanal

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Foto: Maurice Weiss/ Ostkreuz
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Liebe Leserin,
lieber Leser,

am Donnerstag dieser Woche wird der deutschen Regierung ein Gutachten übergeben werden, auf das sie gern verzichten würde. Es beschäftigt sich mit der Energiewende, und es stellt der Regierung ein denkbar schlechtes Zeugnis aus: Die deutsche Energiepolitik belohne ausgerechnet die ineffizientesten Anlagen, sie trage nichts zum Klimaschutz bei, sie gefährde die Stromversorgung und benachteilige die Armen. Warum die Energiewende nicht vorankommt und welche Auswirkungen sie auf den Alltag der Deutschen hat, beschreiben meine Kollegen Frank Dohmen, Michael Fröhlingsdorf, Alexander Neubacher und Gerald Traufetter in der Titelgeschichte dieser Ausgabe. Während ihrer Recherche suchten sie auch nach einem Modell, das besser funktioniert. Sie fanden es in Schweden, dort geht der Ausbau des Ökostroms schneller voran und ist deutlich billiger.

Sylvia Ströher, Mitglied einer einflussreichen Mäzenatenfamilie und einst größte Einzelaktionärin des Wella-Konzerns, will den angeschlagenen Suhrkamp Verlag unterstützen, den Verlag, in dem Paul Celan, Nelly Sachs, Theodor W. Adorno und andere Verfolgte der NS-Diktatur ihre Bücher veröffentlichten. Erst kürzlich hat jedoch der Autor Hans Peter Riegel aufgedeckt, dass die einstigen Wella-Fabrikanten die Nähe zum NS-Regime suchte. Riegel und meine Kollegin Ulrike Knöfel haben weitergeforscht und herausgefunden, dass die Unternehmer früher von der Diktatur in hohem Maße profitierten, dass sie eine "Entjudung" des Unternehmens betrieben und an sogenannten Arisierungen im besetzten Ausland teilnahmen. Knöfel sichtete alte Dokumente, sprach mit den Nachkommen betroffener jüdischer Unternehmer: "Wella wurde auf unmoralischem Weg zur Weltmarke, die Geschichten der Opfer aber kamen nie ans Licht."

Vor zehn Jahren bat der amerikanische Schriftsteller Lawrence Wright den SPIEGEL um Hilfe bei der Recherche für ein Buch. Es sollte seinen Landsleuten erklären, wie es zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 kommen konnte, und Wright hoffte, dass ihm der SPIEGEL helfen würde bei der Rekonstruktion der Anschlagsvorbereitungen in Hamburg. Eine Woche lang zeigte ihm meine Kollegin Cordula Meyer jene Orte, an denen die Todespiloten gewohnt hatten, an denen sie studiert und gebetet hatten. Vier Jahre später konnte sie Wright zu dem Pulitzer-Preis gratulieren, den er gewonnen hatte. Nun trafen sich Wright und Meyer wieder, um über Wrights neues Buch zu sprechen. Es trägt den Titel "Im Gefängnis des Glaubens" und beschäftigt sich mit der amerikanischen Scientology-Organisation. Wrights Buch ist erstaunlich moderat, im Gespräch mit Meyer sagt der Autor, gehe es ihm nicht darum, Scientology einfach nur zu verdammen, er wolle stattdessen verstehen, aus welchen Gründen sich kluge Menschen der Organisation anschließen und warum gute Leute immer wieder Böses tun.

Für Langstreckenschwimmer gilt der Ärmelkanal als größte Herausforderung: 33 Kilometer misst die Meerenge zwischen England und Frankreich an ihrer schmalsten Stelle, Containerschiffe, Fähren und Feuerquallen kreuzen den Weg, die Strömung ist stark und das Wasser kalt. Acht Menschen starben bislang bei dem Versuch, den Kanal ohne Hilfsmittel, nur in Badehose, zu durchqueren - sie waren unterkühlt, dehydriert, erschöpft. Mein Kollege Maik Großekathöfer beobachtete den Schweizer Gino Deflorian 15 Stunden lang von einem Begleitboot aus, als er sich durch den Kanal mühte. Vor dem Start war Deflorian zuversichtlich, um sich an die extremen Bedingungen zu gewöhnen, hatte er unter anderem in fünf Grad kaltem Wasser trainiert. Ob Deflorian sein Ziel erreicht hat oder gescheitert ist, lesen Sie im Sportteil des aktuellen SPIEGEL.

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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Ihr

Martin Doerry