Peter Beckhoff: Der Sieben-Milliarden-Euro-Mann tritt ab - DER SPIEGEL
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Legendärer Steuerfahnder Der Sieben-Milliarden-Euro-Mann tritt ab

Deutschlands erfolgreichster Steuerfahnder geht in den Ruhestand, seine Arbeit hat dem Staat sieben Milliarden Mehreinahmen beschert. Mit Peter Beckhoffs Abschied steht nun seine legendäre Einheit vor der Zerschlagung.
Behörde in Wuppertal: Heikle Geschäfte mit dem Kauf illegal abgeschöpfter Daten
Behörde in Wuppertal: Heikle Geschäfte mit dem Kauf illegal abgeschöpfter Daten

Behörde in Wuppertal: Heikle Geschäfte mit dem Kauf illegal abgeschöpfter Daten

Foto: Oliver Berg/ dpa
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Im Foyer des Finanzamts Wuppertal-Barmen brennen die Lichter eines Weihnachtsbaums, viele Beamte haben Urlaub genommen, es gibt kaum Publikumsverkehr zum Jahresende. Ein hagerer Mann im schwarzen Ledermantel hastet die Stufen hoch, er verschwendet keinen Blick auf den Baum.

Peter Beckhoff ist der legendäre Kopf der Wuppertaler Steuerfahnder, jener Mann, der mit Millionen im Koffer durch die Welt reist, um Bankdaten anzukaufen, und der seit Jahren Steuersünder und kriminelle Geldinstitute aufspürt.

Beckhoff ist der beste Mann von Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Steuerparadiese. Die Bundesländer und der Bund haben fast sieben Milliarden Euro zusätzlich eingenommen, seitdem der Beamte auf der Jagd nach Steuerhinterziehern mit Hackern oder Bankinsidern dealt.

Doch jetzt geht Beckhoffs Ära zu Ende, er ist 67 Jahre alt und hat seine Dienstzeit bereits zwei Jahre über die Pensionsgrenze hinaus verlängert. Im Mai nächsten Jahres ist Schluss für den Chef der "geheimen Eichkater", wie sich seine drei Dutzend Leute nennen, weil das Sammeln und Knacken harter Nüsse ihre Leidenschaft ist.

Um seine Nachfolge wird seit Monaten im Ministerium und in der Oberfinanzdirektion gerungen. Dahinter steht eine Richtungsentscheidung: Bleibt es beim harten Kurs gegen Steuersünder?

Oder setzen sich in Nordrhein-Westfalen diejenigen durch, die den Ankauf von geheimen Steuerdaten für degoutant halten, denen Beckhoffs Härte seit Langem gegen den Strich geht?

Es geht um Beckhoffs Favoritin für die Nachfolge, seine bisherige Stellvertreterin Sandra Höfer-Grosjean. Sie ist Anfang vierzig, Regierungsdirektorin. Anwälte beschreiben die blonde Juristin als "Frau mit Haaren auf den Zähnen", was als Kompliment gemeint ist. Zusammen mit dem Abteilungsleiter Steuerfahndung, Volker Radermacher, bilden die drei die Kernzelle der Wuppertaler Behörde. Beckhoff hat vorgeschlagen, dass der Steuerstrafrechtsexperte Radermacher auf Höfer-Grosjeans Posten aufrückt. Er war schon 2008 beim Ankauf der Daten der liechtensteinischen LGT-Treuhand dabei, prominentester Kunde war der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel (SPIEGEL 8/2008).

Zu den Aufgaben des Wuppertaler Triumvirats gehört die Prüfung der angebotenen Datenpakete. Zuletzt zahlte das Land NRW fünf Millionen Euro für Daten über sogenannte Cum-Ex-Geschäfte, bei denen trickreich Aktien verkauft wurden, um Steuervorteile mehrmals geltend machen zu können. Auch die Anbieter von Datenpaketen tricksen: In der Vergangenheit schnürten sie schon einmal vom Land gekaufte Datenpakete neu und boten sie erneut teuer an. Von den Banken Credit Suisse oder Julius Bär sind so viele Daten auf dem Markt, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Da braucht man Erfahrung, Verbindungen zu Bankern, Anwälten und Whistleblowern.

Das Fachwissen wäre verloren, wenn es nach den Gepflogenheiten der Oberfinanzdirektion ginge. Danach kann Chef eines Finanzamts nur werden, wer vorher ein paar Jahre in einem anderen gedient hat. Höfer-Grosjean müsste also erst mal irgendwo anders Dienst tun. Dort würde sich die Expertin für internationale Steuervergehen jahrelang mit den Steuererklärungen normaler Bürger beschäftigen.

Viele Namen sind für die Beckhoff-Nachfolge im Gespräch, ein ausgewiesener Experte für die oft über das Ausland führenden dunklen Wege großer Steuerhinterzieher ist jedoch nicht darunter. Außer Beckhoff wagt sich allenfalls noch der Aachener Chef-Steuerfahnder, Norbert Lodorf, von Zeit zu Zeit an das heikle Geschäft mit dem Kauf oft illegal abgeschöpfter Daten.

"Die halten sich alle vornehm zurück", urteilt ein Insider. Das könne daran liegen, dass das einstige Schwarzgeldparadies Schweiz sogar schon mal Haftbefehle gegen Beckhoff und zwei seiner Beamten erlassen hat. Seither wolle sich kein Kollege mehr die Finger verbrennen.

Dazu kommt eine gewaltige Diskrepanz zwischen dem Ansehen der Steuerfahnder in der Öffentlichkeit und dem in der eigenen Verwaltung. Sie gehen mit ihrer Berufswahl auch ein Karriererisiko ein. So sollten zum 1. Januar 2017 von 170 Steuerfahndern in NRW 50 befördert werden, von der Gehaltsstufe A 11 auf A 12. Wegen Konkurrenzklagen gehen alle leer aus, bis die Verfahren entschieden sind. Anders sieht es bei den Leuten von der Groß- und Konzernbetriebsprüfung aus, da werden alle 223 befördert. Letztere sitzen oft über Jahre in einem netten Büro bei einem Konzern und prüfen dessen Bilanzen. Ein Job mit geringem Stresspotenzial. Ganz im Gegenteil zu den Steuerfahndern, deren Klientel mitunter handgreiflich wird.

Für Minister Walter-Borjans, der vom Ruhm und den Einnahmen seiner Leute in Wuppertal jahrelang profitiert hat, ist die Beckhoff-Nachfolge heikel. Er und Beckhoff haben viele Geschäfte bislang unter vier Augen geregelt, über bürokratische Hürden hinweg.

Würde Walter-Borjans einen Kompromiss anordnen, könnte Höfer-Grosjean kommissarisch die Leitung übernehmen, die Steuerfahnder könnten erst mal weiterarbeiten wie bisher, etwa mit frischen Daten, die noch kurz vor Weihnachten gekauft wurden. Nach zwei Jahren würde Höfer-Großjeans Arbeit beurteilt und dann endgültig entschieden. Um das durchzudrücken, müsste sich der Minister gegen die Traditionen der Verwaltung stellen. Er setzt auf Gesprächsdiplomatie.