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Herrn Noltes Umwälzung der Wissenschaft

Rudolf Augstein über »Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945« von Ernst Nolte *
Von Rudolf Augstein
• aus DER SPIEGEL 1/1988
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es widerfährt einem Rezensenten schon mal, daß er mutlos den Kugelschreiber sinken läßt, weil ein anderer ihm um eine kleine Länge zuvorgekommen ist. Und außerdem fällt einem zu dem Historiker Ernst Nolte nun wirklich nichts mehr ein.

Heinrich August Winkler bespricht dessen 616 Seiten dickes Buch »Der europäische Bürgerkrieg 1917 - 1945« in der »Zeit« derart, daß man redlicherweise auf die Konkurrenz verweisen könnte, wenn der SPIEGEL nicht mehr Auflage hätte als die »Zeit«.

Immerhin, Winkler nimmt ein Stichwort von mir auf. Hatte ich Nolte vor Monaten einen »geordneten Rückzug« empfohlen, so lautet Winklers Unterzeile: »Ernst Noltes Entlastungsoffensive geht weiter«.

Wen entlastet Nolte? Erst einmal sich selbst; dann das deutsch-nationale Bürgertum; dann die Generalität; und dann, zwangsläufig, den Massenmörder Adolf Hitler. Der konnte schließlich nicht anders, der mußte die Juden umbringen, weil er Angst vor einem sowjetischen Massenmord an den Nationalsozialisten hatte (man denkt an die Entlastungsoffensive »Donnerschlag« des Panzer-Generalobersten Hermann Hoth, der Stalingrad 1942 auch nicht entsetzen konnte).

In Noltes früher durchaus renommierter Statur ist das philosophische Denken unterdes mit unwissend-wissenschaftlicher Historie zu einem abscheulichen Wechselbalg verkommen. Hat er früher anders geschrieben als heute, so nicht, weil er, nein, weil die Zeit dazugelernt hat. Tatsachen werden absichtsvoll nicht gewußt, nicht erfahren, im Vorwege verdrängt, wie man kürzlich im Falle des Nolte-Lehrers Martin Heidegger sehen konnte. Der eigentlich noch zu erbringende Erweis steht ganz vorn, die Beweiskette folgt wie die Marketenderin der Armee.

Demnach hielt Hitler das verjudete Sowjet-Reich 1927 nicht für schwach genug, es bald zu erobern, wie man in »Mein Kampf« nachlesen kann? Demnach fürchtete er sich vor einem Georgier und Nichtjuden, dessen persönliche Verbrechen er noch gar nicht kennen, geschweige denn beurteilen konnte? Es war ja der Generalsekretär Stalin, der seine linken Kritiker 1926 warnte, wenn man mit dem Blutzapfen erst einmal anfange, habe man es nicht mehr in der Hand, damit wieder aufzuhören.

Als Hitler »Mein Kampf« schrieb, hatte Stalin seine persönlichen Verbrechen noch gar nicht begangen. Nicht etwa die Vernichtung der Kulaken zwischen 1930 und 1932, nicht die »Säuberungen«.

Demnach wäre unwahr, daß Hitler am 4. August 1942 in Gegenwart des Panzer-Generals Guderian gesagt hat: _____« Wäre ich vor Beginn des Feldzuges über die » _____« überraschenden Mengen an Panzern und Flugzeugen » _____« unterrichtet gewesen, so wäre mir der Entschluß zum » _____« Angriff wesentlich erschwert worden. »

Unwahr auch, daß er damals den inneren Zusammenbruch dieses morschen Systems erwartete und nicht dessen Stärkung? Alles dies unwahr?

Es muß dies alles unwahr sein, denn sonst würde Noltes Grundthese gar nicht stimmen, es seien in diesem »europäischen« Bürgerkrieg zwischen 1917 und 1945 gewissermaßen zwei ideologisch und militärisch gepanzerte Offensiven gegeneinander geprallt wie in einer klassischen Präventiv- und Defensiv-Katastrophe.

Unwahr muß sein, daß Hitler die Ost-Eroberungspläne des keineswegs ideologisch bestimmten Kaiserreichs übernommen und ausgeweitet hat.

Unwahr, daß 1941 »unsere Stimmung gut und zuversichtlich« gewesen sei, wie Curt Hohoff, kein Nazi, 1951 geschrieben hat. Auch Hohoff meint, es sei um einen tausendjährigen Drang der deutschen Politik nach Osten gegangen, »welcher weniger im Verstand als im Blut« gelegen habe.

Nicht die große Säuberung in Rußland zwischen 1934 und 1938 ist entscheidend, nicht die Tötung von bis zu 20 Millionen Sowjet-Bürgern (nur noch roh und grob zu schätzen), vielmehr: Die Sowjet-Macht aufzubauen und zu stärken, den Zentralstaat der Zaren zusammenzuhalten und aus dem Analphabetentum herauszuführen, dazu war Stalin entschlossen.

Wie wir Heinrich August Winkler und die »Zeit« längst hinter uns gelassen haben, so müssen wir jetzt, um Nolte zu widerlegen, von Nolte Abschied nehmen. Er, ohnehin kein Globalhistoriker, sondern einseitig belichtet, mag wohl ein Faschismus-Forscher sein.

Aber leider kennt er den Kommunismus zu wenig. Seiner Zangenbewegung zwecks Einkreisung ideologischer Wechselwirkung fehlt die zweite, die »linke« Hälfte der Zange. Die Kommunisten bis hin zu Stalin, das ist sogar Nolte gelegentlich aufgefallen, hatten nämlich primär keine Angst vor Hitler, sondern vor der Einkreisung durch die nichtkommunistische, die kapitalistische Welt und zusätzlich durch ein ihnen unverständliches und darum »faschistisches« Japan.

Wie der Regenschirm-Chamberlain, der Hitler noch 1938 als potentiellen Bundesgenossen gegen Stalin behandelte, so sah Stalin in den kapitalistischen Staaten potentielle Verbündete Hitlers, in Hitler deren Lakai.

Den Sozialismus in einem Land zu verwirklichen, das war die Revolution aller Revolutionen, das war die Stalinsche Revolution, ganz überwiegend aus genuin russischen Bedingungen zu erklären, als Aktion ohne Rücksicht auf eine speziell deutsche oder später nationalsozialistische Reaktion. Den Kapitalismus galt es zu bekämpfen, selbstverständlich auch in seiner aggressivsten Spielart, dem Hitler-Faschismus.

Stalin war es, der den internationalen Schwindel Lenins und Trotzkis an den Rand drängte, um Rußland allein zu revolutionieren, nicht von außen ("permanente Revolution"), sondern von oben. So wenig wie Stalin bei Hitler eingeplant war, so wenig war Hitler bei Stalin eingeplant. Beide schätzten einander

nur als Beelzebuben, als Oberganoven.

Wenn Stalin die Kulaken beseitigte, so aus innerrussischen Gründen, als nämlich die Revolution stagnierte. Er schuf seine berufliche Aufstiegsgesellschaft mittels einer barbarischen (Nolte würde sagen »asiatischen") Erziehungsdiktatur. Er schaffte sich eine neue herrschende Klasse, indem er ganze Eliten nahezu wahllos vernichtete.

Während in Berlin die »Weltbühne«-Leute um Carl von Ossietzky ebenso wie die Komintern-Funktionäre in Moskau den Hitler, der in ihren Augen doch nur ein Lakai des Kapitals war, nicht zur Kenntnis nehmen wollten, schuf Stalin sich sein sozialistisches Vaterland.

Während Hitler seinem Eroberer- und Rassenwahn nachhing - ja nicht Kiew erobern, dort gibt es zu viele Brücken und zu viele Juden! -, blieb Stalin bodenständig bei seinem Sowjet-Patriotismus. Nicht ohne Grund thronte er, und nicht Hitler, zum Schluß auf dem Podium der Sieger, eine problematische Beute in der Tasche.

Lew Kopelew, der Emigrant und Dissident, schildert seine Mitwirkung bei der Getreide-Requirierung im Hungerjahr 1932 so: _____« Ich hörte, wie die Kinder schrien, sich dabei » _____« verschluckten, kreischten. Ich sah die Blicke der Männer: » _____« Eingeschüchterte, flehende, haßerfüllte, stumpfergebene, » _____« verzweifelte oder in halbirrer böser Wut blitzende ... Es » _____« war quälend und bedrückend, all dies zu sehen und zu » _____« hören, und noch bedrückender war es, selbst dabei » _____« mitzumachen. Nein, falsch: Untätig zuzusehen, wäre noch » _____« schwerer gewesen als mitzumachen, zu versuchen, andere zu » _____« überzeugen, ihnen zu erklären, und dabei sich selbst zu » _____« überreden. Denn ich wagte nicht, schwach zu werden und » _____« Mitleid zu empfinden. Wir vollbrachten doch eine » _____« historisch notwendige Tat. Wir erfüllten eine » _____« revolutionäre Pflicht. Wir versorgten das sozialistische » _____« Vaterland mit Brot. »

Und bereiteten uns, selbstverständlich, auf den Krieg vor. Aber nicht unbedingt gegen Hitler. Eher gegen Japan und gegen den Kapitalismus. Stalin 1925 vor seinem ZK: »Unser Banner bleibt nach wie vor das Banner des Friedens. Sollte aber der Krieg beginnen, so werden wir nicht untätig zusehen können ... Wir werden als letzte auftreten. Und wir werden auftreten, um das entscheidende Gewicht in die Waagschale zu werfen, ein Gewicht, das ausschlaggebend sein dürfte.«

Rechnungen haben es nun einmal an sich, daß sie schiefgehen. Auch Stalins Rechnung wäre beinahe schiefgegangen, weil er sich Hitlers Verrücktheit, seinen Eroberungswillen und Rassenwahn nicht vorstellen konnte.

Hitler hingegen und seine gesamte Generalität konnten sich die nationalen vaterländischen Kräfte nicht vorstellen, die Stalin mit seiner sozialistischen Revolution freigesetzt hatte.

Es gab, Herr Professor Ernst Nolte, keinen »europäischen Bürgerkrieg 1917 - 1945«. Im Bürgerkrieg kennt man seine Feinde. Das stalinistische System hingegen wurde von Hitler, dessen Absichten es nicht verstehen konnte und demgemäß mißverstand, überrascht. Hitler seinerseits und seine Nazi-Generale verkannten das revolutionäre Aufbau-Potential des stalinistischen Systems.

Beide Figuren und Systeme, beide hatten sie einen blinden Fleck, eine Terra incognita, Stalin übrigens weniger als Hitler und Nolte.

Die Vereinigten Staaten nämlich entschieden die beiden Weltkriege und stehen seitdem als erste Führungsmacht da. Man darf (mehr nicht, aber man darf) zweifeln, ob 1987 ein Sowjet-Mensch 326 Tage lang den Erdball umkreist hätte,

wenn es nur Lenin, Trotzki und Bucharin, nicht aber den georgischen Realisten Stalin gegeben hätte.

Ziemlich sicher hat Stalin im Inneren mehr Menschen umbringen lassen als Hitler. Aber sicher hat Nolte recht, wenn er verlangt, die aus Interessen gespeisten Verzerrungen der Geschichtsbilder seit 1945, meist zu Lasten Deutschlands, müßten allmählich einem auf objektives Verstehen geirichteten Geschichtsimpetus weichen. Nur, er selbst ist nicht aufs Verstehen, sondern aufs Verteidigen und indirekt aufs Anklagen aus, immer noch nach dem Motto: »Ihr ja auch, die anderen ja auch«.

Der Maniak Hitler bleibt in der Psychologie Noltes das geringste Problem. Wie Chamberlain den Hitler 1938 (noch) nicht verstehen konnte, so wußte Stalin 1941 mit einem Gegner nichts anzufangen, der die feindliche Hauptstadt nicht erobern und sich dienstbar machen, sondern der sie überschwemmen wollte.

Stalin wollte herrschen und erobern, aber sein Vernichtungswille - mit Blick auf die eigene Partei bis heute nicht voll erklärbar - war wahllos und nicht total, blieb also, um ihn positiv gegen Hitler abzusetzen, ein machiavellistisches Herrschaftsinstrument. Im »asiatischen« (Nolte) Herrschaftsbereich der Sowjets kamen relativ weniger Kriegsgefangene um als im »europäischen« (Nolte) Hitlers, warum wohl? Warum ist die DDR heute mehr ein deutscher als ein stalinistischer Staat?

Nolte mag ein philosophischer Kopf sein, aber als Historiker ist er schwach auf der Brust. Was mag in diesem philosophischen Kopf vorgehen, wenn ihm anno 1987 folgende Auskunft entspringt: _____« Wer Hitler ernst nimmt, kann die Vernichtungsaktionen » _____« von Auschwitz und Treblinka und auch die Gaskammern nicht » _____« leugnen. »

Was in einem Kopf, der die historischen Gegebenheiten spielerisch leugnet? Deutschland und Japan, schreibt jetzt Nolte, seien der Sowjet-Union und England an industriellem Potential keineswegs unterlegen gewesen, »und wenn sie ihre Pläne mit der Absicht koordiniert hätten, die USA aus dem Krieg herauszuhalten, hätten sie sehr wohl bis Ende 1941 den Sieg erringen können«.

So spricht ein Stammtisch-Stratege, aber kein Historiker. Man muß den künftigen Nolte wohl in der historischen Besenkammer abstellen.

Wie hätte Japan über Rußland herfallen sollen, ohne daß die USA sich eingemischt hätten? Wie Hitler über England, ohne daß die USA sich eingemischt hätten?

Hitler hätte die USA aus dem Krieg heraushalten können, wenn er Polen nicht überfallen hätte. Japan hätte die USA aus dem Krieg heraushalten können, wenn es China nicht hätte erobern wollen. Aber Nolte, er koordiniert.

Bei diesem Studienrat und Heidegger-Schüler kann ja von einem »Historikerstreit« kaum noch die Rede sein. Daß alles mit allem irgendwie zu tun hat, wissen wir auch ohne Nolte.

Aber wir wüßten gerne - und wissen es nicht -, wie die Ermordung der SA-Führer 1934 auf Stalins Säuberungen zwischen 1934 und 1938 eingewirkt hat.

Wir wüßten gern - und wissen es nicht -, wie die Ermordung der sowjetischen Spitzenmilitärs 1936 die Kampfkraft der Roten Armee letztlich beeinflußt hat, ob positiv oder negativ. Es war schließlich Hitlers und nicht Stalins Armee, die 1943 in Stalingrad jammervoll zugrunde ging.

Wir wissen, daß Hitler den Krieg als solchen, und nach meiner Meinung sogar

den Untergang als solchen, gewollt hat, und Stalin gewiß nicht. Hitler, so günstig seine Karten auch lagen, konnte nicht Schluß machen, konnte einen Schluß nicht wollen.

Daß er den Krieg wollen mußte, weil seine Wirtschaft im Frieden darauf angelegt war, wissen wir seit langem. Er war nicht frei, den Frieden, den Chamberlain und sogar Churchill ihm zweifellos auf Kosten Polens noch 1940 angeboten hätten, zu wahren. Er wollte eben nicht frei sein.

Er als einziger, außer der von sich selbst besoffenen Kwantung-Armee Japans, wollte ja den Krieg, nicht den klassischen Clausewitz-Krieg, sondern den Krieg als solchen.

Die Armee wollte ihn notabene auch. Daß man gegen alle Vernunft zuschlagen müsse, war ja seit Friedrich und Schlieffen preußisch-deutsche Tradition.

Ja, wo bleibt denn dann unser europäischer Bürgerkrieg? Er bleibt, wo er hingehört, auf der Strecke. Noltes These scheitert an den so verschiedenen Personen Hitler und Stalin.

Je näher am Kriegsende, desto verrückter Nolte.

Er meint, das schreckliche Schicksal der ostdeutschen Bevölkerung (bis hierher korrekt!) sei nicht nur durch die Taten der Rotarmisten (beinahe noch korrekt!) und durch die Vernichtungsangriffe der Westalliierten auf Dresden, »sondern auch infolge der Fehler und Versäumnisse der deutschen Parteidienststellen über sie gekommen«.

Mein Gott, Nolte, ich war vor Ort, Dresden liegt nicht in Ostdeutschland. Das könnte Proff Hillgruber geschrieben haben, und der lehrt ja auch.

Verabschieden wir uns doch vom europäischen Bürgerkrieg, überlassen wir den Faschismus seinen Forschern. Der Erst Weltkrieg ist von den deutschpreußischen Expansionisten begonnen worden, und nicht von den Faschisten. Es hat Abfolgen von Lenin über Mussolini zu Hitler gegeben, kaum Wechselbeziehungen mit Japan. Wer den angeblichen »Bürgerkrieg« zu europäisieren sucht, der hat andere, vielleicht ihm unbewußte Motive.

Audiatur et altera pars! Nolte kommt auf den »Bromberger Blutsonntag« zu sprechen, von dem ich zufällig mehr weiß als er, weil in meiner Batterie der Gefreite Felix Patschkowski gedient hat. Sein Vater war an eben diesem Blutsonntag als angeblicher oder wirklicher Nazi von den Polen erschlagen worden.

Mehr als tausend Deutsche sollen in Bromberg am 3. September 1939, also in den ersten Tagen des Hitler-Krieges, ermordet worden sein. Nolte, und da kann man ihn nur noch bewundern, sieht in diesen durchaus nachweisbaren Morden einen »tendenziellen Genozid auf polnischer Seite«. Haben wir das nötig, sämtliche Verbrechen der Weltgeschichte auf Auschwitz zu beziehen? Müssen wir Auschwitz derart relativieren? Nolte muß wohl.

Dies ist ja nicht einmal mehr ein »Historikerstreit«, den Nolte sich in seinem Vorwort masochistisch zugute hält. Dies ist entweder Nazitum oder Dummheit.

Als Hitler im Berliner Bunker sein Ende vor Augen hatte, resümierte er nach Stammtisch-Manier: Er hätte sich besser »stalinistisch«, hätte sich besser wie Stalin aufführen sollen.

Hier war er im Irrtum. Stalin hatte erst 1937 die absolute Gewalt, die Hitler bereits 1934, nach dem Röhm-Geschlachte und des Reichspräsidenten Hindenburg Tod, errungen hatte.

Hätte Hitler sich gegenüber seiner Generalität aufgeführt wie Stalin 1937 gegen seinen »Bonapartisten« Tuchatschewski, er wäre mit Sicherheit entmachtet worden.

Er konnte »stalinistisch« gar nicht denken. Sonst hätte er seinem deutschen Volk nicht den gemäßigten Zarah-Leander-Krieg bis weit nach Stalingrad verordnet. Immer hatte er die viereinhalb Weltkriegsjahre von 1914 bis 1918, hatte er den »Steckrübenwinter« vor Augen.

Es waren eben die Generale, die ihn bis vor Leningrad, Moskau und Stalingrad geführt hatten, und von denen hätte er stalinistisches Denken schlechterdings nicht verlangen können. Wo wäre denn jener deutsche General zu finden, der wegen Feigheit vor dem Feind erschossen worden wäre?

Seine machtlosen Gegner, siehe den Fraktionsführer der KPD im Reichstag, Ernst Torgler, hatte Hitler geschont. Eine Ermordung dieses Kommunisten lag nicht in seinem Sinn, und vielleicht auch nicht im Sinn seiner Kamarilla.

Ja, es gibt einen Unterschied zwischen dem System Hitlers und dem Stalins. Stalin mordete wahllos, Hitler planvoll. Hitler hatte sich die Juden auserwählt, Stalin war (und bleibt bis heute) unberechenbar. Der eine verlor, der andere siegte.

Nolte selbst scheint seinen nun überfälligen Rückzug als eine nur ihm zustehende Legende zu empfinden. Lernen wird er nichts mehr, aber lehren soll er ja. So kann man mit einem Nolte-Wort seines im übrigen belanglosen Buches schließen: _____« Aber Hitler und Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler » _____« waren nicht ursprünglich Ideologen, sondern Künstler, » _____« liberale Angehörige freier Berufe, Kleinbürger, die durch » _____« ungeheure Ereignisse beunruhigt und verstört waren, die » _____« nach Antworten suchten und über die Schwäche der » _____« Regierungen erzürnt waren. »

Nolte, wiederum selbst, der Ideologie-Theoretiker aller Zeiten, zieht sich zum Schluß seines schwergewichtigen Wälzers den Stuhl unter dem Hintern weg. Er postuliert, Hitlers »völkische« Weltanschauung dürfe »eigentlich keine Ideologie genannt werden«.

Wie? Wo bleibt dann unser »Bürgerkrieg«? Wo der alles bestimmende Gegensatz zwischen der ideologischen Weltanschauung »Nationalsozialismus« und der ideologischen Weltanschauung »Bolschewismus«?

O Nolte, warum hast du uns das angetan! _(Bei der Beerdigung des Tscheka-Gründers ) _(Felix Dserschinski 1926 in Moskau. )

Bei der Beerdigung des Tscheka-Gründers Felix Dserschinski 1926 inMoskau.

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