Tischler und der fiese Bulle - DER SPIEGEL
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UNTERHALTUNG Tischler und der fiese Bulle

Eine Internet-Soap veralbert Joschka Fischer. Die mit simplen Gerätschaften produzierte Serie »Badcop« bietet technische Leckerbissen zum Dumpingpreis.
• aus DER SPIEGEL 15/2000
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Pepe O'Riley ist ein fieser Bulle, der fieseste, den das New York Police Department zu bieten hat. Sie hassen und sie fürchten ihn, vor allem in der South Bronx. Dort kassiert O'Riley Schutzgeld, bei der netten Großmutter so gnadenlos wie beim Crack-Dealer.

Eines Tages erreicht die New Yorker Polizei ein Hilferuf. Der Berliner Bürgermeister Mumpitz wird der kriminellen Melange aus bulgarischen Waffenhändlern, tobenden Neonazis und gierigen bayerischen Geschäftsleuten in seiner Stadt nicht mehr Herr. Der Notstand droht.

Die Polizisten aus New York wittern ihre Chance. Sie schicken O'Riley, den wollten sie immer schon loswerden. Kaum in Tempelhof gelandet, nimmt der Cop erst einmal ein paar Touristen aus. Im Hintergrund ist ein Wahlplakat zu sehen. »Sascha Tischler« steht da, »Dein Mann!« - darüber ein Bild von Joschka Fischer.

Was mag O'Riley in der deutschen Hauptstadt anstellen? Bekommt er den Sündenpfuhl unter Kontrolle? Und was hat es wohl mit der dunklen Vergangenheit von Innenminister Tischler von der SDP auf sich?

In dieser Woche hat im Internet eine ungewöhnliche Art der Soap-Opera Premiere. Unter »www.badcop.de« präsentieren die Amerikaner Tim Freccia und Mike Tucker eine wöchentliche Fortsetzungsserie mit Kultpotenzial.

Mit einfachsten Mitteln, aber technisch brillant, zaubern die beiden Erfinder vom bösen Bullen eine bizarre Welt, die zwischen künstlerisch wertvollen Bildern und abgedrehten Einfällen hin und her taumelt. »So was kann nur in dieser verrückten deutschen Hauptstadt spielen«, sagt Freccia, der drei Jahre in Deutschland lebte: »Berlin ist immerhin glamouröser als Schimanskis Duisburg.«

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind durchaus beabsichtigt. Die Biografie Fischers, »der die Birkenstock-Latschen gegen Armani getauscht hat«, erschien Autor Freccia geeignet, die widersprüchliche Berliner Republik zu illustrieren.

»Er wird noch eine tragende Rolle spielen«, verraten die Macher, die seit 15 Jahren gemeinsam tüfteln. Freccia lebt auf seinem Segelboot, das meist vor Spanien liegt; Tucker bewohnt seinen Landrover, mit dem er durch Südeuropa kurvt.

Die komplette Story halten die beiden Hightech-Nomaden geheim. Doch ein paar mysteriöse Morde gleich zu Beginn lassen den World Wide Krimi viel versprechend starten. In Folge eins ("Something bad") steckt sich O'Riley gerade eine Crack-Pfeife an, als sein bester Kumpel Jeromi erschossen wird.

Die nächsten Schüsse folgen in Teil zwei, »Willkommen in Berlin«. O'Riley erinnert sich an seine Kindheit, als sein Vater 1972 aus Vietnam zurückkehrte. Während einer Wiedersehensfeier auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein dringen Terroristen in das Fast-Food-Lokal ein und ermorden Mutter und Vater. Einen Moment sieht der fünfjährige Pepe das Gesicht eines Attentäters. Er wird es sein Leben lang nicht vergessen.

Mit badcop.de stoßen Freccia/Tucker auf ein Terrain vor, dass bislang den Fernsehmachern vorbehalten war. Führen die digitalen Heimwerker eine Innovationswelle auf dem umkämpften Fernsehmarkt an, die eine Implosion der Kosten bewirkt?

Immerhin haben die beiden Amerikaner statt Millionen Mark teurer Serienschlachten, die Monate an Vorbereitung und Produktion erfordern, mit einer digitalen Kamera, viel Internet-Erfahrung und weniger als 100 000 Mark ein Werk zusammengeschustert, das sich ohne große Mühe auf TV-Format aufblasen ließe. »Ein bisschen Sony, ein bisschen Nikon und ein Macintosh - fertig«, sagt Freccia. Die schummrigen Lichteffekte kamen mit einer Rauchmaschine und großen Spiegeln zu Stande.

Trotz der Low-Budget-Produktion bewegen sich die technischen Standards auf Spitzenniveau. Die Menge an Daten, die Güte der durch Farbtupfer dramatisierten Schwarzweißbilder, das Tempo »hat noch keiner im Web geschafft«, glaubt Freccia.

Nun muss das Werk nur noch inhaltlich zünden. Dafür wird sich O'Riley durch eine Mai-Demonstration in Kreuzberg kämpfen und Tischler eine mysteriöse Blondine namens Natascha abwimmeln. So viel steht immerhin fest: Der Innenminister hat eine dunkle Vergangenheit, will aber unbedingt Kanzler werden.

Wird badcop.de in Deutschland zum Erfolg, wollen Freccia/Tucker das Konzept nach und nach auf alle Metropolen der Welt übertragen. Weil »miese amerikanische Cops auf der ganzen Welt geschätzt werden«, verspricht Freccia grinsend, »läuft diese Serie garantiert 20 Jahre lang«. HAJO SCHUMACHER

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