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AUTOROWDYS »Deine Kiste leder ich jetzt ab«

Sie suchen Risiko und Nervenkitzel: jugendliche Autoverrückte, so genannte Cruiser, die mit eigenhändig zu Rennwagen umgebauten Serienautos um die Wette rasen, die Polizei foppen und sich und andere in Lebensgefahr bringen. Von Bruno Schrep
• aus DER SPIEGEL 39/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Früher wäre bestimmt noch Christian vorbeigekommen, Christian mit dem schwarzen Golf. Christian, von dem die anderen aus der Clique anerkennend versichern, er sei stets »geheizt wie wahnsinnig«.

Doch seit dem 13. Mai kann Christian nicht mehr am Treffen der Hamelner Autocruiser teilnehmen. Abends kurz nach sechs wagte der 22-Jährige auf der Bundesstraße 64 ein riskantes Überholmanöver und krachte mit seinem Dienstwagen frontal gegen einen Lkw. Christian war sofort tot. Am Straßenrand steht jetzt ein Holzkreuz.

Auch ohne Christians schwarzen Golf parken an diesem Freitagabend im September über 30 Wagen an der Shell-Tankstelle im niedersächsischen Hameln, darunter der rote Polo von Christians Bruder. Der Platz liegt an einer der schäbigsten Ecken der ansonsten puppenstubenhaft herausgeputzten Kleinstadt: Gleich nebenan qualmt der Schlot der Müllverbrennungsanlage, alle paar Minuten rattert ein Güterzug vorbei.

Für die jungen Männer, die meisten zwischen 18 und 25, existiert die Umgebung nicht. Ihre Sinne sind einzig auf die Wahrnehmung von Autos fixiert: auf das Röhren

eigenhändig bis zum Äußersten hochfri-

sierter Motoren, auf den Dunst von verbranntem Öl und verschmortem Gummi, auf den Anblick phantasievoll hingebogener Karosserien.

Spannung ist spürbar. Ständig klingeln Handys, werden kurze Botschaften ausgetauscht. Aus geöffneten Autofenstern dröhnen Techno-Rhythmen. Einige Fahrer haben die Kühlerhauben ihrer Wagen hochgeklappt, stecken die Köpfe tief in das Gewirr aus Kabeln, Kolben und Chrom. Andere geben Vollgas, lassen im Stand die Motoren aufheulen. Ein Ungeduldiger fährt mit quietschenden Reifen um die Tankstelle herum, immer wieder. Freitag ist Renntag.

19 Uhr. Florian, 20, den alle Flo nennen, guckt missmutig zum grauen Himmel. Es tropft. »Gefährlich«, sagt Florian, deutet auf die extrem breiten Reifen seines schwarzen BMW 325i. »Zu wenig Haftung.«

Dabei ist Florian heute richtig heiß. »Man sieht sich, man prahlt sich gegenseitig die Ohren voll«, gesteht er. »Dann muss ein Stechen entscheiden, wer der Schnellste ist.«

Florian war einer der ersten Cruiser an der Tankstelle. Das muss so eineinhalb Jahre her sein, genau weiß er es nicht mehr. Er hatte gerade einen Fernsehbericht über Autocruising in Hamburg gesehen, über irre aufgeputzte Karossen, über illegale Rennen vor jubelnden Zuschauern, über nächtliche Verfolgungsjagden mit der Polizei. Ein Traum.

Nie hätte Florian damals für möglich gehalten, dass tief in der Provinz eine ähnliche Szene entstehen könnte. Doch dann kamen an den Wochenenden immer mehr Tüftler und Bastler zur Tankstelle, präsentierten stolz ihre aufgemöbelten Vehikel, protzten mit Heckspoilern und polierten Alu-Felgen.

Vergaßen darüber, dass sie meist alte Modelle chauffierten, Golfs, BMWs, Polos und Kadetts, vorwiegend aus den achtziger Jahren, teilweise schon aus den Listen der Gebrauchtwagenhändler gestrichen.

Die Fahrer kamen nicht nur aus Hameln, auch aus Holzminden und Emmern, aus Dörfern wie Hehlen und Heyen. Sie kamen mit der Sehnsucht, endlich einmal bewundert und anerkannt zu werden, gierig nach Nervenkitzel, nach Abenteuern. Autoverrückt, ohne Ausnahme.

Florian ist der Verrückteste von allen. Ein großer Junge, der ungern erwachsen werden will. Ein Spaßmacher und Sprücheklopfer, dem niemand böse sein kann. »Vorn muss er schleifen, hinten muss der Auspuff Funken schlagen«, charakterisiert er das ideale Auto.

Seine Leidenschaft begann früh. »Schon mein erstes Spielzeugauto habe ich heiß geliebt«, erinnert er sich - Autos sind für ihn bis heute Spielzeuge geblieben. Wenn er mit 200 Stundenkilometern über Landstraßen hetzt, übermütig, voller Spaß am Rausch der Raserei, ignoriert er die tödliche Gefahr für sich und andere. »Du musst nur dein Fahrzeug beherrschen«, verkündet er selbstbewusst.

Zweimal ging''s bisher daneben. Beim ersten Mal rutschte er in den Graben, als er wie ein Rallyefahrer mit quer gestelltem Wagen durch eine Kurve preschen wollte. Beim zweiten Mal übersah er mit seinem tief gelegten Auto einen hoch stehenden Gullydeckel: »Kurbelwelle, Kolben und Ölwanne lagen auf der Straße. Totalschaden.«

In den BMW, Baujahr 87, Anschaffungspreis: 500 Mark, den er seit Dezember fährt, hat Florian zwar einen 210-PS-Motor eingebaut, einen Sechszylinder-Einspritzer. Doch der Rest wird und wird nicht fertig: »Ne Lackierung brauch'' er noch, verstehste, die kostet 3500, dann noch ''ne Fahrertür mit elektrischem Fensterheber, guck dir bloß die alte an, fehlt dann nur noch ''nen Radio für''n Tausender, damit endlich wieder büschen Gewummer in der Kiste ist.«

Zeit zum Wühlen hat Florian genug, nur kein Geld für die Teile: Seit Beendigung seiner Maurerlehre ist er arbeitslos. Wenn er Lust hat, verdient er sich bei einer Speditionsfirma ein paar Mark zum Arbeitslosengeld dazu, wenn er keine Lust hat, werkelt er an seinem BMW, manchmal über 40 Stunden die Woche - ein Ende ist nicht absehbar.

»Ein richtiges Auto wird nie ganz fertig«, tröstet ihn Patty, sein bester Kumpel. Der 21-jährige Kfz-Schlosser streicht die Räder seines Wagens gerade mit »Reifen-Balsam« ein, eine Flüssigkeit, die bei regelmäßiger Benutzung die Pneus glänzen lässt wie eine Speckschwarte. Auch an Pattys Gefährt, ebenfalls 210 PS, dunkelblau, muss noch viel verbessert werden.

Den Vorgänger hat Patty vor ein paar Wochen an eine Mauer gesetzt, mit Karacho. »Rollsplit«, erklärt er bedauernd, »einfach weggerutscht, zack.« Mit dem halbfertigen Neuen rast Patty noch wilder durchs Weserbergland als sein Freund Florian, am Wochenende manchmal stundenlang. Der Weg ist das Ziel.

Wenn ihn einer reizt, vielleicht auf der Autobahn, kommt es schon mal zum Zweikampf PS gegen PS, Mann gegen Mann. Solche Duelle werden oft auch an Ampeln mitten in Hameln ausgetragen, bei Grün geht''s los. Wer bei der ersten Kurve vorn liegt, hat gewonnen.

Faszinierender als Rasen findet Patty nur Schrauben. Liebevoll schildert er, wie sich ein Auto unter seinen Händen in einen Rennwagen Marke Eigenbau verwandelt, »wie er tiefer wird«, »wie er breiter wird«, »wie er lauter wird«, »wie er schneller wird«.

20 Uhr. Es regnet heftig. Viele Autos sind schon weg. »Ich ruinier mir doch nicht meinen Wagen«, verabschiedet sich ein Opel-Fahrer, braust davon. »Der klingt doch sowieso wie eine leere Coladose«, flachst Florian hinterher. Der Renntag scheint zu Ende, bevor er begonnen hat. »Abwarten«, sagt Patty.

Die Cruiser aus dem engsten Kreis bleiben. Jörg mit der verwegenen Piratenkappe ist dabei, mit 40 Jahren der Älteste und Erfahrenste, der weniger riskiert als die anderen: »Ich bin einer, der nicht rast.« Obwohl Jörg Familie hat, zieht es ihn magnetisch in seine kleine Werkstatt: »Die Zeit, die ich habe, verbring ich am Auto.«

Steven, dessen schicker weißer BMW nach einem Ausritt in den Wald zerdeppert in Jörgs Werkstatt steht, fällt aus zum Ausschlachten. Steven fährt inzwischen einen Mercedes ohne Auspuff. Wenn er aufs Gas tritt, klirren in Hameln die Fensterscheiben. »Bisschen auffallen sollte man schon«, meint er.

Auch Harry wartet noch, Harry, der Rallyefahrer, der so spannend von den Rallyes erzählen kann, die er vor ein paar Jahren gefahren ist. Er gilt als virtuosester Wagenlenker der Clique, risikofreudig und doch besonnen, ein Vorbild. Harry trinkt Unmengen Cola. »Alkohol ist tabu«, sagt er, die anderen nicken. Alle trinken Cola.

Ohne schweren Unfall blieben bisher nur Lutze und Daniel. Lutze, ein stets korrekt gekleideter Möbelverkäufer, wird akzeptiert, obwohl er kein Cruiser ist, sondern ein technikversessener Oldiespezialist. Sein uralter roter BMW, den alle andächtig bewundern, repariert er nur mit Originalteilen. Der Wagen, Baujahr 1974, ist älter als die meisten Cliquen-Mitglieder.

Daniels blauer Ford Fiesta ist eigentlich eine rollende Lautsprecheranlage. Mit seinen drei amerikanischen Boxen, zusammen über 1000 Watt stark und fast 2000 Mark teuer, könnte Daniel leicht eine Halle beschallen. Wenn er die Anlage mit den zwei Endstufen in seinem Kleinwagen aufdreht, beginnt die Frontscheibe zu vibrieren und Daniels Kopf so zu dröhnen, dass ihm die Straße vor den Augen verschwimmt. Dann werden mehr als 147 Dezibel frei, knallt Krach in die Ohren wie bei einem startenden Düsenflugzeug.

Bei einem Wettbewerb um den höchstmöglichen Schalldruck gewann Daniel letztes Jahr den ersten Preis, wurde zum »Mister Boombastic« gekürt - dabei ist der gelernte Kfz-Mechaniker zur Zeit eigentlich ein Verlierer: Ohne Job, mit der vagen Aussicht auf einen Umschulungsplatz als Bürokaufmann und der Hoffnung, mal »irgendwas mit Computern« machen zu können, »das hat Zukunft«.

21 Uhr. Der Regen hat fast aufgehört. »Also los«, ruft Florian.

Am Ziel, einer abgelegenen Privatstraße, geht alles ganz schnell. »Komm, Lutze, mach den Starter«, kommandiert einer.

Es ist stockdunkel, nur die Lichter der Scheinwerfer spiegeln sich im Asphalt. Zwei Autos nehmen nebeneinander Aufstellung, Motoren heulen auf. BMW gegen BMW. »Deine Kiste leder ich jetzt ab«, prophezeit Florian aus dem geöffneten Wagenfenster, spielt mit dem Gaspedal. »Heute nicht«, lacht Patty. »Mein Auto saugt dich durch den Luftfilter und spuckt dich hinten wieder aus.«

Der Starter, zwischen den Autos postiert, klatscht in die Hände: »Los!« 50 Meter: Patty liegt vorn. 100 Meter: Florian schiebt sich heran. 150 Meter: Beide sind gleichauf. 200 Meter: Beide kommen ins Schleudern. 250 Meter: Das Rennen endet unentschieden.

Florian flucht auf die immer noch nasse Fahrbahn: »Ich krieg die Kraft nicht auf die Straße.« Patty flachst: »Du kannst einfach nicht schneller.«

Bei den nächsten Rennen gibt es Sieger. BMW schlägt Audi, Opel hängt Ford ab, Golf fährt Kadett davon.

Plötzlich ist Nadine da, eine der wenigen Frauen der Szene. Natürlich blond, natürlich Friseuse. Was nicht dem Klischee entspricht: Ihren Polo, Baujahr 1989, 55 PS, hat die 21-Jährige weitgehend selbst zum Flitzer umgerüstet, eine Friseuse, die schrauben kann. Dass sie mit den Männern aus der Clique konkurriert, manchen Angebern etwas vormacht, erklärt sie mit elterlichem Einfluss: »Meine Mutter wollte schon immer einen Jungen haben.«

Beim Start gegen Daniels Fiesta bedient Nadine alle Vorurteile: Der Polo hüpft auf der Stelle hoch, bleibt mit abgewürgtem Motor liegen: Nadine hat den Rückwärtsgang eingelegt, Gejohle. Doch beim zweiten Versuch fährt sie dem Ford davon, wird erst kurz vor dem Ziel abgefangen. Beifall.

»Jetzt noch ein Burn-out«, fordert ein Zuschauer - Fachbegriff für mutwilliges Aufheizen der Reifen.

Micha ist der Erste. Er zieht bei seinem Opel-Astra mit Vorderradantrieb die Handbremse, gibt dann Vollgas. Der Wagen bäumt sich auf wie ein gereizter Stier, quietschend drehen die Räder durch. Beißender weißer Qualm hüllt das Auto ein.

Harry, der Rallyefahrer, zieht nach, auch Florian muss unbedingt mitmachen. Beide lassen ihre Autos mit Vollgas auf der Stelle rotieren wie Brummkreisel, immer schneller, immer lauter. Die anderen Cruiser springen zur Seite. Teile des glühenden, flüssig werdenden Gummis fliegen in den Radkasten, der Rest bleibt auf der Fahrbahn kleben. Es stinkt.

Florian steigt aus, fasst kurz die Hinterreifen an. »Die sind ja Matsch«, jubelt er, »nur noch Matsch.« Dann die Ernüchterung: »Die sind hin.«

Plötzlich tauchen Scheinwerfer auf. Blaulicht flackert. »Scheiße, die Bullen.«

Die Polizei kommt mit vier Einsatzwagen. Alle Cruiser müssen Ausweis, Führerschein und Kfz-Schein vorlegen. Die Beamten inspizieren jedes Auto, schreiben Anzeigen, stellen unangenehme Fragen. Ist der Auspuff da zugelassen? Hat der TÜV dieses Rennlenkrad genehmigt? Was ist mit diesem Fahrwerk?

»Ihr seid gefahren wie die Henker«, schimpft ein Uniformierter, betrachtet kopfschüttelnd die dampfenden Gummispuren. »Dass sich heute Abend keiner mehr hier blicken lässt« - jähes Ende einer Cruisernacht.

Samstagabend, 19 Uhr. Katzenjammer. Die Nachricht vom gestrigen Polizeieinsatz hat sich herumgesprochen, der Parkplatz an der Shell-Tankstelle ist fast leer. Nur Florian, Patty und Lutze sind da, rätseln, wer sie verpfiffen hat. Pattys Ex-Freundin? Ein Anwohner? Neider, die nicht mitfahren durften?

Die Stimmung wird erst besser, als Harry, der Rallyefahrer, laut hupend vorfährt, triumphierend einen Pokal schwenkt. Harry hat seinem Ruf Ehre gemacht und die stinkbiedere Familienrallye eines Autohauses gewonnen, nebst Lorbeerkranz und einem Freiflug im Fesselballon für zwei Personen. Allein, sein Sechszylinder läuft jetzt nur noch auf fünf Töpfen.

In der Kneipe, in der Harrys Sieg gefeiert wird, fassen die Raser aus dem Weserbergland einen mutigen Beschluss: Im Frühjahr wollen sie sich mit ihren Autos auf die Pisten der berüchtigten Hamburger Cruiser-Szene wagen. »Wenigstens einmal«, schwört Florian.

Sonntagabend, 18.30 Uhr, Hamburg-Allermöhe. Gegen das, was hier abläuft, wirkt die Hamelner Szene wie ein harmloses Kindervergnügen.

Am Rungedamm, mitten im Gewerbegebiet, drängen sich Hunderte von Schaulustigen. Sie stehen direkt am Straßenrand, dicht an dicht. Die Autos, die im Zwei-Minuten-Rhythmus vorbeijagen, manchmal haarscharf, sind oft ein Vermögen wert. Für Zehntausende Mark gestylte Renner sind dabei, auch dicke Nobellimousinen. Unter den Chauffeuren sind Bankangestellte, Unternehmer, Zocker.

Um Werners knallroten Mercedes 190 mit dem breitgelegten Heck versammeln sich Dutzende Neugieriger und staunen. »120 000 Mark habe ich reingesteckt«, verrät Werner stolz, »wenn das reicht.« Selbst der Motorraum blitzt derart blank, dass man daraus essen könnte. Das Baujahr seines Liebesobjekts will Werner nicht verraten: »Eine schöne Frau fragt man ja auch nicht nach dem Alter.«

Manche fahren hier nicht nur zum Spaß. »Tausend Mark, wenn du schneller bist«, lockt ein Sportwagenpilot, wedelt mit zehn Hundertern. Michael mit dem frisierten Opel Ascona 3000 willigt ein, muss nur noch kurz zum Geldautomaten. Als Michael ganz knapp gewinnt, fordert der verblüffte Herausforderer Revanche um alles: »Los, wir fahren um die Kisten. Hier ist mein Kfz-Schein.«

Die Polizei fährt ständig hinterher. Sperren die Beamten den Rungedamm ab, flitzen die Cruiser nach Bergedorf. Bevor da die Kontrolle beginnt, hat sich die Szene per Funktelefon nach Billbrook verabredet. Wird dort Alarm ausgelöst, rasen die Cruiser schon am Deich in Oortkaten um die Wette - ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich jedes Wochenende wiederholt.

Dabei wird viel versucht, um die Szene einzudämmen: Verdeckte Ermittler melden die Treffpunkte, Einsatzkommandos legen sich mit Radarfallen auf die Lauer. Gerichte verhängen Fahrverbote, Verkehrsschupos konfiszieren Zündschlüssel. Einschüchtern lassen sich davon nur wenige.

Einen wie Vugal, den kleinen Türken, kriegen die Fahnder sowieso nicht: Er ist einfach zu schnell. Dabei fährt Vugal nur einen Fiat Uno, einen Straßenfloh. Doch in diesen Winzling hat der 23-Jährige einen Turbolader gepackt, der den Uno in eine Rakete verwandelt.

In der Berzeliusstraße in Billbrook, wo im April drei Cruiser gegen einen Baum schleuderten und sich schwer verletzten, hängt Vugal am Sonntagabend alle Kontrahenten spielend ab, sogar einen Mercedes. Wenn Vugal beschleunigt, sieht es aus, als würden die anderen stehen bleiben. Er fährt, als wenn er unsterblich wäre.

Was passiert, wenn er mit seinem dünnblechigen Floh gegen ein Hindernis prallt, hat sich Vugal allerdings schon ausgemalt: »Dann bleibt von mir nicht viel übrig.«

In einer Hamburger Klinik liegt die 35jährige Backwaren-Verkäuferin Anke S. Milz und Leber sind gerissen, ihre linke Hand und ihr linkes Bein sind zertrümmert. Nach vier Operationen steht noch nicht fest, ob sie je wieder laufen kann.

Die Radfahrerin wurde nachts um 3.45 Uhr, auf dem Weg zur Arbeit, im Hamburger Vorort Norderstedt von einem entgegenkommenden Auto 15 Meter durch die Luft geschleudert. Ein Zeuge hatte unmittelbar zuvor zwei Wagen in hohem Tempo nebeneinander herrasen sehen. Die Polizei vermutet, dass die Fahrer ein Privatrennen austrugen. Beide flüchteten.

Die Eltern von Anke S. setzten für Hinweise auf den Unfallfahrer eine Belohnung von 5000 Mark aus. Bisher haben jedoch alle, die womöglich etwas wissen, dichtgehalten.

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Autocruising

kommt aus den USA, beschränkte sich zunächst nur auf langsames Kolonnenfahren von polierten Straßenkreuzern. Seit James Deans halsbrecherischer Raserei in dem Filmklassiker »... denn sie wissen nicht, was sie tun« lieferten sich die Cruiser, meist jugendliche Autofans, aber auch lebensgefährliche Privatrennen. Anfang der neunziger Jahre schwappte die Welle nach Deutschland, zunächst vor allem in Großstädte. Inzwischen gibt es auch in der Provinz zahlreiche Cruiserszenen.

* Absichtliches Aufheizen der Reifen.

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