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»Die Methoden sind perfide«

Der Schauspieler Heiner Lauterbach über sein Leben in den Schlagzeilen der Boulevardpresse, den Fluch eines Macho-Images und seine Ambitionen im deutschen Film
Von Oliver Gehrs und Gabor Steingart
• aus DER SPIEGEL 41/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Im Gegensatz zu anderen bekannten Schauspielern wie Götz George oder Manfred Krug leben und leiden Sie bevorzugt öffentlich: Lauterbach verliebt, Lauterbach betrunken, Lauterbach einsam. Warum tun Sie sich das an?

Lauterbach: Ich bin nun mal ein sehr kommunikativer Mensch, was möglicherweise ein Fehler ist. Nach dem Film »Männer« von Doris Dörrie war ich sehr offen, vielleicht aber auch zu unbedacht, zu flapsig im Umgang mit den Massenmedien. Da habe ich solche Sachen gesagt wie »Fußball ist Männersache«. Wenn das danach hundertmal zitiert wird, weil ein Journalist vom anderen abschreibt, sieht das natürlich so aus, als würde ich wie geisteskrank durch die Gegend laufen und immer denselben Spruch absondern.

SPIEGEL: Soll das heißen, Sie sind gar nicht der Macho, den Sie die letzten Jahre gegeben haben?

Lauterbach: Bestimmt habe ich an meinem Image mit herumgefeilt - aber eher unterbewusst. Nur kam bei all den kernigen Sprüchen das Augenzwinkern zwischen den Zeilen zu kurz. In einem »Stern«-Gespräch habe ich zum Beispiel mal scherzhaft gesagt, dass Frauen an den Herd

gehören und der Herd möglichst ins Schlafzimmer. Das war ein Witz, und die Interviewerin hat auch herzlich gelacht. Später wurde dann wieder eine todernste Schlagzeile daraus.

SPIEGEL: Schuld sind also die Medien, die sich ihren Lauterbach selbst erfinden - mal ruppig, mal soft. Hauptsache immer öffentlich präsent?

Lauterbach: Ich will mich ja gar nicht beschweren, aber teilweise sind die Methoden mancher Journalisten schon perfide. Da werden zum Beispiel im gedruckten Interview einfach die Fragen weggelassen, wodurch mein öffentliches Auftreten so etwas Geschwätziges bekommt - als müsste ich permanent reden.

SPIEGEL: Ist es nicht manchmal klüger, gar nichts zu sagen?

Lauterbach: Die Cooleren sind ja immer die, die sich ganz raushalten. Aber es gibt so viele Klatschspalten und Boulevardmagazine, die müssen ja alle gefüllt werden. Und manchmal habe ich halt die Drecksarbeit besorgt.

SPIEGEL: Wie im Fall Ihrer Ex-Freundin Jenny Elvers. Da weiß mittlerweile das ganze Land, wer wen wann geliebt hat. Selbst die Frage, ob Sie sie geschlagen haben, wurde öffentlich diskutiert.

Lauterbach: Es tut mir aufrichtig Leid für die vielen Menschen, denen meine Beziehungskisten vermutlich schon zu den Ohren rauskommen. Aber ich bin nun mal so naiv, dass ich aufrichtig sein will, wenn ich mich unterhalte. Da schrecke ich selbst vor Journalisten nicht zurück. Eins möchte ich aber festhalten: Ich habe Jenny nie geschlagen.

SPIEGEL: Verbal haben Sie auf jeden Fall kräftig ausgeteilt und Ihren Nachfolger, den ehemaligen »Big Brother«-Kandidaten Alex, als »Container-Fuzzi« bezeichnet.

Lauterbach: Das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen, möglicherweise ist das ja sogar ein ganz netter Junge, ich kenne den ja gar nicht. Andererseits - einen Super-Schauspieler kann ich ihn ja auch schlecht nennen.

SPIEGEL: Laut »Bunte« sind Sie »Tief verletzt durch Jennys Baby«, das sie nun wohl mit dem Container-Boy haben wird. Dazu wurden Fotos veröffentlicht, die Sie in einem recht verkaterten Zustand zeigen.

Lauterbach: Solche Schlagzeilen sind schon absurd. Ich habe dem Reporter von der »Bunten« gesagt, dass es mich null interessiert, ob Jenny schwanger ist oder nicht. Daraus geht ja nicht hervor, dass ich tief verletzt bin. Aber aus »interessiert mich null« wurde später in der Druckfassung des Gesprächs »interessiert mich einen Dreck«, was ja wieder eine gewisse Emotion erahnen lässt. Auf so eine Art Presse habe ich wirklich keinen Bock mehr. Das werde ich jetzt korrigieren, selbst wenn das gerichtlich sein muss. Das gilt auch für andere Medien: Ich werde mir in Zukunft nicht mehr alles gefallen lassen.

SPIEGEL: »Du gibst in aller Öffentlichkeit den Deppen ab, den Du ums Verrecken nie abgeben wolltest«, schreibt eine Ex-Freundin in einem offenen Brief an Sie.

Lauterbach: Jetzt kommen alle hervor und glauben, sich abfällig über mich äußern zu müssen. Wäre das ernst gemeint, hätte mich diese Frau ja anrufen können. Das Ärgerliche ist ja, dass im Grunde nichts Unnormales passiert ist, außer, dass sich zwei Menschen getrennt haben. Ich wäre ja ein charakterlicher Miesling, wenn mich das Ende einer vierjährigen Beziehung nicht traurig machen würde. Aber das hat mich bei zehn anderen Frauen vorher auch beschäftigt, nicht mehr und nicht weniger. Ich bin deswegen weder suizidgefährdet, noch trinke ich mehr als vorher.

SPIEGEL: Die Bilder, die Sie angetrunken zeigen, sprechen aber eine andere Sprache. Außerdem ließen Sie neulich eine Illustrierte wissen, dass Sie das Trinken zu guten Darstellungen befähigt.

Lauterbach: Die Fotos zeigen doch nur, dass ich ab und zu einen Schluck trinke. Aber das tu ich schon seit 30 Jahren, da war die Jenny noch gar nicht geboren. Dass ich ohne Alkohol nicht schauspielen kann, ist absoluter Schwachsinn. Da wird man halt mit irgendwelchen tiefenpsychologischen Fragen überrumpelt. Man glaubt, da kommt ein Journalist, und plötzlich hat man einen Termin beim Psychotherapeuten.

SPIEGEL: Klingt, als fühlten Sie sich von der Presse verfolgt?

Lauterbach: Eher verarscht. Mich ärgert zum Beispiel, wenn seit Wochen die Paparazzi bei mir zu Hause in den Bäumen hän-

gen. Das ist unangenehm. Ich glaube, selbst

wenn ich im Garten Schmetterlinge fangen würde, würde man mir einen Strick draus drehen. So in der Art: Jetzt wird der Lauterbach romantisch, weil er die Trennung nicht verkraftet.

SPIEGEL: Warum mischt sich in die Berichterstattung über Sie so viel Häme?

Lauterbach: Erst wird man hochgehoben und dann in den Arsch getreten. Der Wirbel nach »Männer« war übertrieben positiv, nun ist das Bild übertrieben negativ. Wenn ich all die Artikel über mich lese, frage ich mich ernsthaft, wann es das letzte Mal um einen meiner Filme gegangen ist.

SPIEGEL: Sie sind mit dem Unterhaltungschef der »Bild«-Zeitung gut befreundet und gleichzeitig Dauergast in dessen Klatschspalten. Rufen Sie da manchmal an, um sich zu beschweren?

Lauterbach: Die »Bild am Sonntag« ist doch viel schlimmer. Die Nina Ruge hat mal in einer Sendung zu mir gesagt, laut »Bild am Sonntag« ("BamS") wäre mein und Jennys Ruf nicht der beste. Darauf habe ich geantwortet, nicht bedeutend schlechter als der der »BamS«. Das hat wohl der Chefredakteur gesehen, denn seitdem gibt es von denen nur Feuer.

SPIEGEL: Andere Menschen machen erkennbar auf Ihre Kosten Medienkarriere. Stört Sie das?

Lauterbach: Auch im Show-Geschäft ist aus der Leistungs- eine Spaßgesellschaft geworden, in der es genügend Frauen gibt, die an der Seite ihrer Männer Karriere machen. Das einzige Talent besteht darin, permanent abgelichtet zu werden. Bei meiner neuen Freundin Viktoria Skaf möchte ich aber den Jenny-Effekt vermeiden, auch wenn ich gern zum Ruhm anderer Leute beitrage.

SPIEGEL: Befürchten Sie, dass das öffentliche Getöse um die Privatperson Lauterbach Ihre Schauspieler-Karriere überlagert und die Zuschauer nur noch gucken, ob Sie in Ihrer Mimik Spuren von Liebeskummer oder dem letzten Besäufnis entdecken?

Lauterbach: Ich hoffe nicht. Die meisten Zuschauer wissen ja wohl, dass man nicht alles glauben darf, was in der Zeitung steht. Außerdem wird der Bekanntheitsgrad durch diese Geschichten nicht gerade geschmälert, und die Produzenten besetzen ja gern möglichst prominente Schauspieler. Ein bisschen halte ich es da mit Curd Jürgens, der gesagt hat: Hauptsache, sie schreiben den Namen richtig. Woran denken Sie denn, wenn Sie den Schauspieler Hugh Grant sehen?

SPIEGEL: An sein Treffen mit einer Prostituierten auf dem Sunset Boulevard in Hollywood.

Lauterbach: Sehen Sie, das unterscheidet uns. Ich denke an seine hübsche Freundin Liz Hurley.

SPIEGEL: Ohne die jahrelange Berichterstattung über Ihr Privatleben wären Sie kaum der Medienstar, der Sie heute sind.

Lauterbach: Das will ich gar nicht bestreiten. Und trotzdem: Wenn morgen die Premiere von »Männer« wäre, würde ich es anders machen, nicht so viel preisgeben. Meinem Sohn Oskar sage ich zwar immer, dass Aufrichtigkeit eine der wichtigsten Tugenden im Leben ist - im Umgang mit Journalisten aber ist Aufrichtigkeit womöglich die falsche Strategie.

SPIEGEL: Was gefällt Ihnen denn nicht an Ihrem Image als harter, sanfter Kerl?

Lauterbach: Ich kann damit leben, aber ich finde es nicht unbedingt treffend. Ehrlich gesagt, will ich das Wort Macho nicht mehr hören.

SPIEGEL: Demnächst spielen Sie in der Verfilmung von Axel Springers Leben den 1985 verstorbenen, umstrittenen Verleger, der »Bild« und »Hörzu« gegründet hat.

Lauterbach: Worauf ich mich sehr freue, weil Springer eine der interessantesten Personen der deutschen Nachkriegsgeschichte ist. Ende Oktober gehen bereits die Dreharbeiten los - auf Sylt. Ich hoffe, dass dann wieder der Schauspieler Lauterbach im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen wird. Ich werde auf jeden Fall alles dafür tun.

SPIEGEL: Klingt nach einem Rückzug ins Privatleben.

Lauterbach: Ich bin schon bemüht, meine öffentlichen Auftritte etwas einzuschränken. Ich will mir aber auch keine Plastiktüte über den Kopf ziehen und darauf verzichten, auf einer Party nette Leute kennen zu lernen. Das Problem ist, wenn man sich einmal auf das Spiel mit den Medien eingelassen hat, ist es schwer, wieder rauszukommen. Ich muss diesen Weg wohl oder übel zu Ende gehen. Das muss ich jetzt durchziehen.

INTERVIEW: OLIVER GEHRS, GABOR STEINGART

* Oben: mit Jenny Elvers (l.) und Helmut Dietl (M.) beimFilmball 1999 in München; unten: mit Gudrun Landgrebe und Jan JosefLiefers; mit Uwe Ochsenknecht.* Mit Lauterbach-Sohn Oskar.

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