NUR FÜR BESSERVERDIENER
Albert Einstein, wo hat der eigentlich studiert? - In Zürich. Im Oktober 1896 startete das Genie an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule, der heutigen Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Im Sommer 1900 verließ er seine Alma Mater mit dem Diplom als »Fachlehrer in mathematischer Richtung«. Die beste Note, eine 6, verdiente sich der spätere Begründer der Relativitätstheorie nur einmal, im Fach »Elektrotechnisches Laboratorium«.
Heute verweist die Hochschule mit zurückhaltendem Stolz auf ihren berühmtesten Studenten - und auf 19 weitere Nobelpreisträger, die entweder an der ETH lernten oder dozierten. Gerade für Deutsche ist das rund 150 Jahre alte Institut mitten in Zürich ein Magnet geblieben: Im Wintersemester 1999/2000 büffelten 330 Studierende aus der Bundesrepublik unter anderem Physik, Informatik oder Werkstoffwissenschaft. An ihrer ETH-Dissertation tüftelten 601 Deutsche.
Auch sonst ist die Schweiz ein beliebtes Ziel für Hochschüler aus dem nördlichen Nachbarland: 4472 Deutsche waren im WS 1999/2000 an den zehn Universitäten und den beiden Technischen Hochschulen der Eidgenossenschaft eingeschrieben.
Wer sich für das Studienland Schweiz entscheidet, sollte allerdings vorher sein Geld zählen. Leben und Studieren haben dort ihren Preis. Die turbulente Zürcher Gastroszene etwa ist nur etwas für Besserverdiener: Eine Pizza mit einem Glas Wein kostet oft bis zu 40 Mark, auch in Studentenkneipen sind für eine Tasse Kaffee schon mal 5 Mark hinzulegen.
Für ein Zimmer in einem der spartanischen schweizerischen Studentenwohnheime müssen im Durchschnitt 600 Franken (770 Mark) berappt werden. Private Unterkünfte in großen Universitätsstädten wie Zürich, Genf oder Basel finden sich normalerweise erst ab rund 800 Franken. Und obendrein verlangen alle Universitäten Studiengebühren: Mit Abstand teuerstes Pflaster ist die 1995 gegründete Università della Svizzera italiana im Tessin (Lugano). 8000 Franken kostet ein Jahr für Nicht-Schweizer. Im Durchschnitt erheben die anderen Unis und Hochschulen aber nur 1300 Franken. Geradezu billig nehmen sich da die 1000 Franken aus, die von der Universität Genf in Rechnung gestellt werden.
»Die 4000 Franken für mein Studium haben sich absolut ausgezahlt«, berichtet Célia Ferrari, 24. Die Französin ließ sich in Genf zur Übersetzerin für Französisch, Englisch und Deutsch ausbilden. »Hier sind die Klassen sehr klein. So entsteht schnell der wichtige Kontakt mit den Dozenten.« Célia gefielen das internationale Flair und die Geschäftigkeit der Kongress-Stadt. »Auf Messen konnte ich einiges verdienen.« Andere Studenten der Uni Genf versuchen, bei den Vereinten Nationen oder bei den übrigen internationalen Organisationen einen Job zu ergattern.
Eine reguläre Arbeitsbewilligung ist allerdings so gut wie nicht erhältlich. In dem Land, das weder der EU noch der Uno angehört, laufen die Uhren eben anders. Das bekommt jeder Neuankömmling zuerst bei der Fremdenpolizei zu spüren. Studenten müssen dort eine Schweizer Wohnadresse angeben. Und den »Nachweis, dass die finanziellen Mittel für das Studium gesichert sind«, wie es in der »Kurzinformation vor allem für ausländische Studienbewerber« der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten heißt.
Wichtigstes Dokument ist aber die Aufnahmebestätigung der Hochschule. Da es kein ZVS-System wie in Deutschland gibt, bewerben sich Ausländer direkt bei der Uni ihrer Wahl. Nicht jeder wird genommen. »Jede Uni legt ihr eigenes Anforderungsprofil fest«, erklärt Mathias Stauffacher, Generalsekretär der Rektorenkonferenz. »Eine gewisse schulische Vorbildung im gewünschten Studienfach sollte vorhanden sein.«
Grundsätzlich stehen den Ausländern die Türen zu den eidgenössischen Unis weit offen. Besonders im Trend liegt für Deutsche ein Studium der Rechtswissenschaften, vor allem an den beiden französischsprachigen Universitäten in Genf und Lausanne. Doch auch wer es ein wenig exotisch liebt, findet seinen Platz: Islamwissenschaft etwa steht in Bern, Basel, Zürich und Genf als Hauptfach auf dem Programm. Wer aber in Medizin reüssieren will, kann die Schweiz vergessen. Wegen des großen Andrangs sind die Plätze Schweizern vorbehalten.
JAN DIRK HERBERMANN
Links zu allen Schweizer Unis unter: www.crus.ch/ deutsch/Home_d.html