GELD FÜR GEFÜHL - DER SPIEGEL
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arbeiten GELD FÜR GEFÜHL

DER ANGEHENDE DOKUMENTARFILMER TILL ENDEMANN VERDIENT SICH SEIN STUDIUM MIT EINEM JOB HINTER DER LEINWAND: ALS SYNCHRONSPRECHER.
• aus UNI SPIEGEL 2/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebesszenen findet er am tollsten. Er weiß, wovon er redet. Denn Till Endemann, 25, jobbt seit mehr als zehn Jahren als Synchronsprecher.

Schon als Kind hing Till viel in Synchronstudios herum, weil seine Eltern, beide Schauspieler, dort arbeiteten. Kinderstimmen sind besonders schwer zu besetzen, und so wurde er immer mal wieder ans Mikrofon geholt. Es machte ihm Spaß - und er bewies Talent. Auch nach dem Stimmbruch blieb er gefragt. Heute hat er sich, zumindest in seiner Heimatstadt Hamburg, einen Namen gemacht. In der Werbung hört man ihn bei D2, Clearasil oder Arcor. In den Serien »Heartbreak High«, »Beverly Hills« und »Unsere kleine Farm« ertönt seine Stimme.

Mit 20 überlegte Till, Schauspieler zu werden, aber das Medium für anderer Leute Geschichten und Gefühle zu sein genügte ihm nicht. Er hat selbst etwas zu erzählen. So kam er an die Baden-Württembergische Filmakademie in Ludwigsburg, Studiengang Film und Medien, Schwerpunkt Dokumentarfilm. Inzwischen, im 8. Semester, bereitet er seinen Abschlussfilm vor - über menschliche Underdogs mit Hunden: vom Penner mit Promenadenmischung bis zur Pensionärin mit Pudel.

Darum ist er jetzt auch in der Hunde-Hauptstadt Berlin. Später trifft er vielleicht seinen Kamerahund. Bitte? Ja, es wird zwei Kameras geben, die normale und eine auf einen Hund montierte, die dessen Sicht dokumentiert.

Voller Ernst und Elan erklärt er sein Projekt. Drehbücher schreiben, Charaktere erfinden ist wie Gott spielen, für eine Dokumentation die Realität einfangen und damit eine Geschichte erzählen können das Spannendste überhaupt, Film studieren echter Luxus.

Nicht nur im übertragenen Sinn. Ganz billig ist die Ausbildung nämlich nicht. Zwar nimmt die staatliche Filmakademie keine Studiengebühren, und die praktischen Arbeiten werden finanziell unterstützt (für die Diplomarbeit stehen Till und seinem Team 18 000 Mark zur Verfügung), doch natürlich fließt auch eigenes Geld in die Projekte. Till muss sich um seine Finanzen aber keine Sorgen machen. Als Synchron- und Werbesprecher hat er einen gut bezahlten Job, der ihm auch noch Spaß macht. Hier kann er sein Faible für Emotionen ausleben. »Du musst dich in die Figur und die Situation hineinversetzen, sonst wird das nichts.«

Hat auch jemand ohne Schauspieleltern oder -erfahrung eine Chance? »Doch, jugendliche Stimmen werden eigentlich viel gesucht.« Einfach bei den Studios anrufen und fragen, ob Bedarf besteht. Vielleicht hat man Glück, wird zu einem Casting eingeladen und bekommt die Chance, mal »Menge« sprechen zu dürfen - also Hintergrundgemurmel zu produzieren oder den Busfahrer zu synchronisieren, der genau einmal auftritt und »Eins fuffzig, bitte« grummelt. Laien müssen sich aber auf Konkurrenz gefasst machen: Viele Schauspielschüler bemühen sich um diese Aufträge.

Die meisten Hollywood-Stars werden von ausgebildeten Schauspielern synchronisiert. Die Namen bleiben allerdings oft unbekannt - wer kennt schon Tobias Meister, Petra Barthel oder Gerrit Schmidt-Foß? Die leihen Brad Pitt, Uma Thurman und Leonardo DiCaprio ihre Stimmen. In der Werbung können Honorare für Sprecher mit berühmten Stimmen 15 000 oder 25 000 Mark betragen. Till kommt auf 800 Mark - bei 30 Minuten Arbeitszeit pro Spot immerhin ein gediegener Stundenlohn. Sein letzter Auftrag, »100 gute Hundetaten«, eine Kinderserie, brachte ihm für 20 Aufnahmetage um die 8000 Mark.

Der Job passte genau zum Thema seines Abschlussfilms: Er spricht einen Jungen, der in einen Hund verwandelt wurde.

KATHARINA STEGELMANN

TIPPS FÜR BEWERBER

Die großen Synchronstudios sind in Berlin, München und Hamburg. Unter www.filmrolle.de findet sich eine ausführliche Liste der deutschen Synchronstimmen. Bei UniSPIEGEL online gibt's einen Filmausschnitt mit Till Endemanns Stimme.

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