AVANTI DILETANTTI - DER SPIEGEL
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denk mal! AVANTI DILETANTTI

• aus UNI SPIEGEL 3/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die deutsche Wirtschaft sucht Informatiker. So hoffnungslos ist die Lage, dass vereinzelt schon pakistanische Rosenverkäufer am Kneipentresen sofort einen festen Vertrag unterschreiben mussten, weil angetrunkene Personalchefs sie für Computer-Inder hielten.

Spätestens jetzt wird auch dem arglosesten Abiturienten am Nebentisch klar, was er studieren muss: Informatik natürlich.

Doch halt: Genau das denken jetzt alle. 1999 haben 28 079 Studenten mit Informatik begonnen, 117 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Wenn die alle fertig sind, ist der Arbeitsmarkt dicht oder einer von ihnen hat ein Programm entworfen, das Informatiker überflüssig macht. Da steht man dann auf der Straße und kann allenfalls Rosenverkäufer werden.

Schon warnen die ersten Experten vor dem Schweinezyklus, wonach eine Knappheit ansatzlos in eine Überproduktion mündet - und umgekehrt.

Bei den Lehrern war es ja ähnlich: Jahrelang herrschte Überfluss an Lehrpersonal, selbst an Schwarzen Brettern in der Grundschule hingen Zettel: »Examinierte Lehrerin erteilt Nachhilfe Klasse 1 bis 13.«

Übersetzt hieß das: »Bin fertig mit dem Studium und arbeitslos.« Also warnten die Experten: Studiert irgendwas, nur auf keinen Fall Lehramt.

Die Abiturienten hörten auf den Rat - nun werden mancherorts die Lehrer so knapp, dass demnächst wohl auch Nicht-Examinierte vor die Klassen gelassen werden. Hauptsache, da vorn an der Tafel steht einer.

Mittlerweile wird das Lehramt wieder heiß empfohlen - ein immer währender Zyklus dilettierender Experten.

Offenbar ist auf Arbeitsämtern und in Berufsberatungen niemand in der Lage, eine simple Rechenaufgabe mit zwei Variablen (Zahl der Schüler, Zahl der pensionsreifen Lehrer) durchzuführen. Das sind übrigens oft genau die gleichen Leute, die sich über das angeblich unablässig sinkende Bildungsniveau beklagen.

Am Ende gibt es nur einen Rat, nämlich den, auf keinen Fall auf die Ratschläge der Experten zu hören.

Und vielleicht noch den: Macht etwas Krisenfestes, Bildungsexperte zum Beispiel. Da werden gute Leute immer gebraucht.

Ansbert Kneip

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