arbeiten SCHNELLSPUR ZUM SPITZENJOB
Studenten mit Dienstwagen sind ziemlich selten. Jens Kramer, 25, hat es darum gut getroffen: Mal fährt er mit einem BMW der 7er Reihe durch München, mal mit der Kompaktklasse, bei schönem Wetter setzt er sich ins Cabrio.
Möglich macht das ein Praktikum bei BMW: Seit Februar arbeitet Kramer, der an der Münchner Fachhochschule Betriebswirtschaft studiert, in der Werbeabteilung der Bayerischen Motoren Werke. Sein Job: Briefings für die Werbeagenturen vorbereiten, Foto-Shootings organisieren, Radiopromotions und Internet-Auftritte für neue Modelle entwickeln. Oder zumindest: den Kommunikationsstrategen des Autokonzerns dabei helfen.
Also genau das, was man an der Uni oder der FH höchstens theoretisch lernt. »Eine spannende Aufgabe«, findet Kramer, der vor seinem Studium schon eine Ausbildung zum Werbekaufmann absolviert hat und nach dem Diplom in die Marketingabteilung eines großen Unternehmens möchte.
Leute wie Kramer haben es nach dem Studium viel leichter, den richtigen Job zu finden. Denn Praxiserfahrung zählt inzwischen für die meisten Unternehmen zu den wichtigsten Einstellungsvoraussetzungen. Aber wie findet man das richtige Praktikum, und wie bekommt man am Ende auch den Zuschlag dafür?
Simon Korosa aus Berlin hat es zunächst auf eigene Faust probiert - ohne Erfolg. Entweder die Plastikmappe mit seiner Bewerbung kam, begleitet von einem bedauernden Standardbrief, zurück, oder das Vorstellungsgespräch lief schlecht.
Das Career Center der Berliner Humboldt-Universität half schließlich dem 23-jährigen BWL-Studenten, seine Unterlagen auf professionelles Niveau zu bringen und sich im Bewerbungsgespräch besser zu schlagen. Jetzt arbeitet Korosa für ein halbes Jahr in der Großkundenbetreuung von DaimlerChrysler.
Eine Job- und Praktikabörse wie das Berliner Career Center betreiben inzwischen viele Hochschulen. Vorbild ist das Projekt »Student und Arbeitsmarkt« der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Im Herbst wollen sich die Praktika- und Jobbörsen der deutschen Unis im Internet zu einem Verbund zusammenschließen.
Trotz vieler Angebote ist es nicht immer leicht, das gewünschte Praktikum auch zu bekommen. Durch drei Gesprächsrunden quälten sich zum Beispiel die Berliner Jurastudentinnen Annika von der Aue, 25, und Doreen Lindner, 31, bevor sie ihren Wunschplatz bei der Deutschen Telekom bekamen. »Zuerst mussten wir uns in Zweier-Gruppen gegenseitig präsentieren«, erinnert sich von der Aue, »dann durfte jeder mal den Personalchef spielen und ein simuliertes Bewerbungsgespräch mit einem anderen Studenten führen.«
Am Ende galt es dann, im Gruppengespräch Teamfähigkeit zu beweisen - und Durchsetzungskraft. Die beiden angehenden Juristinnen lernen jetzt für sechs Monate den Alltag in der Rechtsabteilung der Berliner Telekom-Niederlassung kennen.
Manche Unternehmen sind in der Auswahl noch strenger: Bewerber bei der Münchner Allianz-Versicherung müssen schon mal aus dem Stand erklären, wie sie den weltweiten Wassermarkt und seine Entwicklungschancen analysieren würden. Die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger verlangte eine Stegreif-Schätzung, wie sich die Rasierklingenbranche entwickeln könnte und mit welcher Strategie Marktanteile zu erobern wären.
Auf detaillierte Fakten kommt es dabei weniger an. Wichtiger sind logisches Denken, ein strukturiertes Vorgehen und eine klare Sprache.
Der Aufwand lohnt sich für die Unternehmen. Roland Berger zum Beispiel wirbt 60 Prozent seiner Junior-Berater aus der Schar ehemaliger Praktikanten an. »Das ist eine hervorragende Recruitingquelle«, sagt Personalchef Nikolaus Held. Für gute Nachwuchskräfte erscheint den Consultants kein Aufwand zu hoch. Jede Woche veranstaltet Roland Berger mehrstündige Auswahlgespräche mit Studenten. Nur fünf Prozent der Bewerber ergattern am Ende einen der jährlich 180 Praktikumsplätze.
Einer von ihnen ist Cornelius Weitzmann, ein angehender Wirtschaftsingenieur aus Karlsruhe. »Ich wollte vor meinem Diplom noch rausfinden, ob mir ein Consultingjob Spaß machen würde«, sagt er. Jetzt arbeitet Weitzmann, 24, schon an seinem dritten Projekt und legt mit Profi-Beratern eine neue Strategie für ein Startup-Unternehmen aus der Hightech-Branche fest.
Wenn Weitzmann sich dabei bewährt, kann er in den »Students Club« aufrücken, mit dem Roland Berger versucht, die besten Praktikanten an sich zu binden. Demnächst steht eine gemeinsame Reise nach Genua auf dem Programm; letztes Jahr traf sich der Club der hellen Köpfe in einem schottischen Schloss.
Es muss nicht immer eine Reise sein - aber fast alle Unternehmen bemühen sich, die besten Studenten so lange zu ködern, bis sie, nach erfolgreichem Uni-Abschluss, in die Firma eintreten. »Fast Lane« heißt zum Beispiel im passenden Motorsport-Jargon ein Programm bei BMW, bei dem Mentoren ehemalige Praktikanten betreuen. Und bei der Allianz-Versicherung halten die jeweiligen Abteilungen zu vielen ihrer zeitweiligen studentischen Mitarbeiter bis zum Examen engen Kontakt.
Das ist auch nötig, Studenten wie Andreas Strobl, 25, werden sich nach ihrem Diplom den Job aussuchen können. Strobl studiert im achten Semester an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktforschung. »Ich mache in allen Semesterferien ein Praktikum«, sagt der Bayer, der unter anderem schon bei einer deutschen Bank in London gearbeitet hat. Derzeit jobbt er bei der Allianz im Bereich Beteiligungen, der dem Vorstand unterstellt ist.
»Ich unterstütze die Spezialisten bei Branchen- und Unternehmensanalysen, speziell für kleine und mittelgroße Unternehmen«, erklärt er seine Aufgabe - spätere Übernahme einer Firma nicht ausgeschlossen.
Wenn er mit der Uni fertig ist, will Strobl Unternehmensanalyst bei einer Bank werden oder ins aktive Beteiligungsmanagement eines großen Finanzkonzerns einsteigen. Vielleicht bei der Allianz. FRANK HORNIG
NETZADRESSEN
Job- und Praktikumsbörsen im Internet: www.jobpilot.de www.stepstone.de www.worldwidejobs.de www2.rz.hu-berlin.de/kooperation/ career_center www.s-a.uni-muenchen.de Außerdem halten viele große Konzerne im Internet Informationen für Studenten bereit.