Die Angst des Despoten - DER SPIEGEL
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JUGOSLAWIEN Die Angst des Despoten

Belgrad bereitet sich auf die baldige Auslieferung von Milosevic nach Den Haag vor - ungeachtet aller interner Querelen.
Von Renate Flottau
• aus DER SPIEGEL 26/2001
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Nachts schreckt er schweißgebadet aus dem Schlaf hoch und ruft nach »Macka«. Denn der Aufseher mit dem Namen »Katze« ist der Einzige, dem der Häftling noch Vertrauen schenkt. Die Katze beruhigt ihn und verspricht, am Bett bis zum Morgen zu wachen.

Slobodan Milosevic, einst Jugoslawiens Präsident und unerschrockener Balkan-Kriegsherr, bewohnt allein eine Zelle im Prominentenstockwerk des Belgrader Zentralgefängnisses. Der Ex-Despot hat Angst: vor einem Attentat, einem als Herzinfarkt getarnten Mord, einer nächtlichen Entführung.

Dem entmachteten Diktator, der für seine Ziele kaltblütig das Leben Zehntausender opferte, fehlt der Mut, sich selbst dem Haager Kriegsverbrechertribunal zu stellen. Damit aber würde er Restjugoslawien von einer schweren Hypothek befreien.

Vergangene Woche drohte das von der Regierung monatelang angekündigte Gesetz über die Auslieferung von Kriegsverbrechern sogar den Bundesstaat zu sprengen. Der Partner des demokratischen Bündnisses DOS im Bundesparlament, die Sozialistische Volkspartei SNP aus der Mini-Teilrepublik Montenegro, verweigerte die Zustimmung.

Daraufhin musste die Bundesregierung die für Freitag geplante Abstimmung im Parlament zurückziehen. Die Emotionen in der DOS-Führung schäumten hoch. Man werde sich nicht zur Geisel einer Provinzpartei degradieren lassen, wütete Serbenpremier Zoran Djindjic, die »keinerlei politisches Format zeigt und der die Wählerstimmen von 100 Bauern mehr bedeuten als das Schicksal des Landes«.

Djindjic forderte Jugoslawiens Präsident Vojislav Kostunica auf, sich ebenfalls eindeutig für die Auslieferung Milosevics auszusprechen. Denn der Rechtsprofessor hatte bisher jede Zusammenarbeit mit dem Kriegsgericht verweigert, weil dies die jugoslawische Verfassung verbiete.

Doch der Druck der internationalen Gemeinschaft wächst. Am 29. Juni geht es bei einer Geberkonferenz in Brüssel auch um eine Milliarde Dollar Aufbauhilfe für Jugoslawien. Die USA drohen mit einem Boykott, sollte Belgrad bis dahin nicht seine Bereitschaft zur Kooperation mit Den Haag erklären.

Die jugoslawische Bundesregierung will nun über einen »Sondererlass« die Zusammenarbeit mit dem Tribunal verfügen.

Dementiert wurden Gerüchte, wonach auf dem Belgrader Flughafen bereits eine Maschine stand-by auf den Start nach Holland warte. Doch alle serbischen Tageszeitungen waren sich Ende vergangener Woche einig: Ob legal oder illegal - Milosevics Auslieferung sei »unumgänglich«. RENATE FLOTTAU

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