Dröges Symbol - DER SPIEGEL
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GROSSBRITANNIEN Dröges Symbol

Pompöse Feiern werden für das 50-jährige Jubiläum der Thronbesteigung von Elizabeth II. geplant. Ihre Untertanen lässt das bisher kalt.
• aus DER SPIEGEL 7/2002
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Seit 1987 dient Sir Robin Janvrin Ihrer Majestät Elizabeth II. mittlerweile als »Erster Privatsekretär«, doch bei dieser Frage verschlug es dem feinsinnigen Höfling die Sprache: Auf Grund welcher Verdienste der Queen, wollte eine portugiesische Korrespondentin wissen, wird eigentlich in diesem Sommer das 50. Jubiläum ihrer Thronbesteigung am 6. Februar 1952 mit solchem Pomp zelebriert?

»Die Queen stellt ein Symbol dar, das dieses Land vereinigt«, antwortete der Privatsekretär beinahe stotternd. Sie vermittle ein »Gefühl der Stabilität und Kontinuität«.

Wenn das alle Briten so sähen, dürfte sich der Hof glücklich schätzen. Doch nicht nur unsentimentale Ausländer, auch immer mehr Bürger des Vereinigten Königreichs fragen sich, was das Spektakel mit der Queen, ihren Windsors und ihren Hunden im 21. Jahrhundert eigentlich noch soll.

Die Ehequerelen der Kinder Elizabeths haben den Ruf des Hauses lädiert. Dass die Queen, die nach wie vor in vier verschiedenen Schlössern residiert, mit jährlich rund 13 Millionen Euro aus der Staatskasse alimentiert wird, trägt auch nicht zu ihrer Popularität bei. Die meisten Briten sind dennoch keine Republikaner, die die Monarchie endlich abschaffen wollen. Sie finden Elizabeth nur ziemlich dröge.

Die Regierung, der Palast und die der Queen ergebenen Zeitungen fürchten deshalb, dass das seit Jahren für die Sommermonate aufwendig geplante »Golden Jubilee« ein Flop werden könnte. Vor einem »königlichen Debakel« warnt die »Times«. Ein Warnsignal und Indiz für das Desinteresse der Untertanen: Es sind erst 300 Straßenfeste angemeldet. Als die Queen im Jahr 1977 ihr »Silver Jubilee« zelebrierte, hatten Bürger im ganzen Land 12 000 solcher Partys auf die Beine gestellt.

Sie hätten nur geringes oder gar kein Interesse an den Feierlichkeiten, erklärten

mehr als 70 Prozent im Rahmen einer ak-

tuellen Umfrage. Die Queen, interpretiert der Politologe Anthony King die Befragung, werde wegen ihrer Pflichterfüllung als Staatsoberhaupt hoch geschätzt. »Aber gleichzeitig«, so King, »erlebt die Mehrheit ihrer Untertanen sie als von den Problemen normaler Menschen völlig abgehoben.«

Dabei bekommen die Briten für den vom 1. bis zum 4. Juni angesetzten Höhepunkt des Jubiläums sogar einen Feiertag geschenkt. Im Garten des Buckingham Palace werden Sir Paul McCartney, Mick Jagger und andere Rock-Rentner aufspielen. Es gibt jede Menge Paraden, Kutschen, Pferde, Fackelzüge, Marschmusik und Feuerwerk.

Und es wird auch dafür gesorgt, dass die wahre englische Leidenschaft - die für den Fußball - die Massen nicht davon abhält, der Queen ihre Reverenz zu erweisen. Auf gigantischen Videowänden rund um den Buckingham Palace sollen nicht nur die königlichen Aufmärsche und Konzerte, sondern auch die Spiele von der Weltmeisterschaft übertragen werden.

Lord Sterling, von der Queen ernannter Spendensammler, der schon über sieben Millionen Euro an Sponsorengeldern für die viertägigen zentralen Feiern in London aufgetrieben hat, glaubt fest an den Erfolg des Golden Jubilee. Für einen überzeugten Monarchisten wie ihn ist die Queen schlicht eine »splendid Lady«, die, seit sie im Alter von 25 den Thron bestieg, ihrem Land beispielhaft gedient habe. Immerhin ist sie mittlerweile eines der dienstältesten Staatsoberhäupter im internationalen Politikgeschäft. Selbst Dinosaurier wie Fidel Castro kamen erst ins Amt, als Elizabeth schon eine versierte Repräsentantin Britanniens war.

Für die Jubilarin selbst, die am 21. April ihren 76. Geburtstag begehen wird, bringt das exzessive Programm wohl am wenigsten Spaß. Ende April muss sie in 10 Downing Street mit Tony Blair und vier Ex-Premiers dinieren, einen Tag darauf zu Ober- und Unterhaus sprechen. Danach

startet sie zu einer Tournee durch das Ver-

einigte Königreich, von Cornwall im Südwesten bis hinauf zu den schottischen Inseln im Norden. Erst am 7. August endet die Marathon-Tour mit einer Gartenparty auf Schloss Balmoral. Zwischendurch muss Elizabeth auch noch mehrere Länder des Commonwealth bereisen, deren Staatsoberhaupt sie ebenfalls ist.

Der königliche Polit-Tourismus passt gut zum Anlass, denn in Wahrheit geht es darum, mehr Besucher auf die Insel zu locken. »Das vergangene Jahr mit der Maul- und Klauenseuche und dem 11. September war nicht gut für unseren Tourismus«, räumt Lord Sterling ein, »das wird sich dieses Jahr ändern.« MICHAEL SONTHEIMER

* Beim Besuch der Stadt Kettering am 28. Juni 2001.* Bei einer Reise nach Kenia im Februar 1952 in Nairobi, kurzvor dem Tod ihres Vaters König Georg VI.

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