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MÜNCHNER STUDENTEN WOHNEN IM CONTAINER - UND GENIESSEN DAS SOGAR.
Von Moritz Küpper
• aus UNI SPIEGEL 2/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ren Suns neues Zuhause misst drei mal sechs Meter. Schreibtisch, Bett und ein Kleiderschrank, für mehr ist in seiner Studentenbude kein Platz. Seit dem vergangenen Wintersemester wohnt der Nachrichtentechnikstudent Suns, 22, aus Schanghai zusammen mit 23 Kommilitonen in einem Container in München.

Die Wohnsituation der 76 500 Münchner Studenten ist so dramatisch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nicht selten leben die Zugezogenen am Semesteranfang im Wohnwagen. Die Unterbringung im Container ist allerdings bisher einmalig in Deutschland. »Ich bin froh, in München was gefunden zu haben«, sagt Ren. »Vorher habe ich mit sechs Leuten in einer Notunterkunft gewohnt. »

Der wirtschaftliche Aufschwung hat Wohnungen in »Boomtown« München knapp und teuer gemacht. Noch 1994 gab es für Studenten rund 5000 Zimmer auf dem Mietmarkt, mittlerweile ist die Zahl auf 1590 geschrumpft, Tendenz sinkend. Das Studentenwerk steht vor fast unlösbaren Problemen. Der Ausweg mit den Wohnkisten brachte immerhin bundesweit Publicity. Ren kommt kaum noch zum lernen. An seinem Zimmer mit der Nummer 01 klingeln die Journalisten zuerst.

Die provisorischen Behausungen liegen idyllisch am Rand des Englischen Gartens, in der Studentenstadt zwischen richtigen Wohnheimen und einem Fußballfeld. Zwei blau-grüne Container sind übereinander gestapelt: Oben wohnen die Mädchen, unten die Jungs. Sie haben je einen Dusch- und einen WC-Container sowie zwei Küchen. Die Gestaltung des »neuen Wohnraums« stammt von Studenten der »Akademie der Bildenden Künste« . Die 22 Einzel- und das eine Doppelzimmer kosten 145 beziehungsweise 175 Euro monatlich, Nebenkosten inklusive.

Rens Nachbar Moritz hatte sofort zugesagt, als das Studentenwerk ihm einen Containerplatz anbot, »denn das ist allemal besser als pendeln«. Auch wenn die Behausung des Maschinenbaustudenten aus Landshut den Charme eines Campingwagens ausstrahlt: »Die Wände sind sehr dünn, dadurch ist es hier ziemlich hellhörig, die Duschen sind winzige Plastikzellen.«

Jedes Zimmer hat einen Gasofen. »Energiewirtschaftlich gesehen ist das absoluter Wahnsinn. Im Winter lasse ich meine Heizung den ganzen Tag laufen«, gesteht Moritz, »sonst ist es einfach zu kalt.« Der Bayer ist die Kälte immerhin gewöhnt. Anders geht es da seinen beiden Mitbewohnern aus Afrika. »Die frieren immer richtig.«

Verantwortlich für die Containeraktion ist Dieter Maßberg, Geschäftsführer des Studentenwerks München. »Jedes Jahr das gleiche Bild: Rund 3000 Studenten suchen allein in diesem Semester eine Bleibe«, beschreibt er die Wohnungsnot. »24 Plätze helfen nicht viel, aber wir erhoffen uns durch das große Medienecho, dass der eine oder andere Münchner Bürger uns vielleicht hilft.« Für die nächsten Jahre plant das Studentenwerk den Bau weiterer Wohnheime. Diese könnten aber frühestens im Wintersemester 2003/2004 zu einer Entspannung der Situation führen, rechnet Maßberg.

Die Container hatte die Technische Universität München zuvor als Baustellen-Unterkünfte benutzt. »Die stellen sie uns für einen symbolischen Preis von 5 Euro pro Container und Monat zur Verfügung«, erklärt Helmut Gierke, Leiter für studentisches Wohnen beim Studentenwerk.

In zwei Jahren soll das Containerdorf umziehen, dann läuft die Genehmigung für den jetzigen Standort ab. Immerhin: Telefon haben die 24 Studenten schon, am Internet-Anschluss wird gearbeitet, Briefkästen und Fahrradständer sind installiert. Renate Sterzel, Verwaltungsleiterin der Studentenstadt, ärgert sich, dass die Container manchmal als »Wohnklos« abgetan werden. Die Studenten seien zufrieden, und »wenn man im Sommer dann direkt am Englischen Garten wohnt, kann ich mir vorstellen, dass sie sich das mit dem umziehen ohnehin noch mal überlegen«.

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