Schutzwall gegen den Terror - DER SPIEGEL
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Schutzwall gegen den Terror

Hightech und Stacheldraht sollen das Leben der Israelis wieder sicher machen.
• aus DER SPIEGEL 26/2002
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Grausamer hätte sich die israelische Regierung kaum bestätigt fühlen können: Gerade hatte sie den Bau eines 115 Kilometer langen Elektrozauns zwischen Israel und den Palästinensergebieten im Westjordanland begonnen, da starteten Ex-tremisten eine neue Terrorwelle. Vergangene Woche starben bis zum Samstagmorgen bei Anschlägen 31 Israelis, darunter eine Mutter mit ihren drei Kindern in der Siedlung Itamar bei Nablus. »Jeder Tag ohne Zaun kostet uns mehr Leben«, rechtfertigte Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser das umstrittene Projekt.

Der Wall, der an Stellen, wo es bereits zu Schießereien gekommen ist, durch Mauern verstärkt wird, soll verhindern, dass palästinensische Selbstmordattentäter in israelische Städte gelangen. Zermürbt vom Terror, billigt eine Mehrzahl der Israelis die räumliche Trennung von ihren Gegnern.

Zunächst nur im Nordabschnitt der »grünen Linie« soll der elektrische Zaun vor allem solche palästinensischen Städte zu Israel hin abriegeln, die als Hochburgen des Terrors gelten: Tulkarm, Kalkilja, Dschenin und Nablus. Damit auch der Weg nach Jerusalem nicht länger offen bleibt, sollen an den Grenzen der Heiligen Stadt ebenfalls Absperrungen errichtet werden. Doch wegen der engen Verschachtelung arabischer und jüdischer Wohnbezirke ist hier eine Trennung der verfeindeten Völker extrem schwierig. Auch die restlichen rund 250 Kilometer der grünen Linie bleiben vorerst unbefestigt.

Hoch sensible Bewegungsmelder, Radaranlagen und Videokameras sollen die Wirksamkeit des stacheldrahtbewehrten Elektrozauns erhöhen, Beobachtungsballons und Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe die Grenzbarrieren aus der Luft überwachen.

Um Angreifer daran zu hindern, mit Autos die Absperrung zu durchbrechen, werden zudem Metallpfeiler, Erdwälle und andere Hindernisse errichtet. Grenzpolizei und Armee sollen entlang des Sperrwerks patrouillieren. Doch die bereits überstrapazierte Armee weiß gar nicht, ob sie für diese Aufgabe genügend Soldaten hat.

Die Regierung glaubt, künftig eine »Mehrzahl« von Anschlägen durch den Schutzwall verhindern zu können. Doch Sicherheitsexperten warnen. »Auch der Zaun wird den Terror nicht beenden, er kann ihn nur bremsen«, sagt Joram Schweizer vom Anti-Terror-Institut in Herzlija. Die Erwartungen an die Absperrung seien »viel zu hoch«.

Die Friedensbewegung verlangt, parallel zum Schutzzaun endlich Verhandlungen über die Räumung von jüdischen Siedlungen zu beginnen. Ohne eine solche Doppelstrategie, so die Kritiker des Regierungskurses, werde die Sperre nur den Hass der Palästinenser auf Israel und damit auch die Motivation der Bomber erhöhen.

Sprecher der Autonomiebehörde verurteilten den Sicherheitsstreifen bereits als »Apartheid wie in Südafrika«. Denn der Wall trennt arabische Familien und Dörfer diesseits und jenseits der Linie. Zudem werden vermutlich Tausende Hektar arabischen Landes enteignet.

Doch auch die jüdischen Siedler sind wütend. Sie sehen den Zaun als Rückzugslinie Israels an und indirekt als Anerkennung der Existenz eines Palästinenser-Staates.

Für den Zaun - voraussichtliche Kosten mindestens 115 Millionen Dollar -, der in einem Jahr fertig gestellt sein soll, hofft Israel auf Hilfe aus den USA. Doch Washington beurteilt den Schutzwall skeptisch. »Ich denke nicht, dass ein Zaun ein bleibendes Zeichen von Frieden ist«, kritisierte selbst Präsidentengattin Laura Bush.

ANNETTE GROßBONGARDT

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