My Line is Skyline - DER SPIEGEL
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ARCHITEKTUR My Line is Skyline

Die Terrorattacken vom 11. September haben nicht zuletzt ein Symbol der Moderne beschädigt: den Wolkenkratzer. Die Architekten geben das ungern zu. Trotz ihrer fatalen Attraktivität für Attentäter werden überall neue Riesenhäuser geplant - auch trotz der aktuellen Wirtschaftsflaute.
Von Ulrike Knöfel und Mathias Schreiber
• aus DER SPIEGEL 30/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Renzo Piano schwärmte: »Dies ist meine Vision: Ich sehe den Turm als eine vertikale kleine Stadt, in der etwa zehntausend Menschen leben und arbeiten und in die Hunderttausende pendeln.« Der italienische Star-Architekt warb so für eine riesige, hyperschlanke Glaspyramide, die er in London bauen will und die dereinst das höchste Gebäude Europas sein soll.

Das war im November 2000. Damals konnte Piano nicht ahnen, dass zehn Monate später die Türme des World Trade Center attackiert und spektakulär, live vom Fernsehen in alle Welt übertragen, zum Einsturz gebracht werden würden - und dass Hochhäuser, die noch dazu mit Zehntausenden Menschen voll gestopft sind, seither nicht mehr bloß technischen Fortschritt und wirtschaftliche Macht symbolisieren, sondern auch die kollektive Angst vor Massenmorden durch entführte Großflugzeuge wach halten.

Unmittelbar nach der Katastrophe von Manhattan äußerten sich denn auch einige Architekten skeptisch zum Thema Hochhaus. »Büro-Hochhäuser als Stein gewordene Allmachtsphantasien«, das könne nicht die Zukunft sein, appellierte Frei Otto, der Erfinder des Münchner Olympiastadiondachs, nach dem 11. September an seine Kollegen. Und der Niederländer Rem Koolhaas nannte zwar das Hochhaus »eine der besten Erfindungen der Menschheit«, räumte aber ein: Ob diese Erfindung nach dem New Yorker Zerstörungswerk noch als »zeitgemäß« gelten könne, sei für ihn nun »völlig unklar« und müsse sich noch zeigen - »zumindest in den USA und Europa«.

Hans Kollhoff, der - in einem städtebaulichen Rahmenplan - dem schäbigen Berliner Alexanderplatz mit einer Hochhaus-Silhouette aus zwölf Türmen zu neuem Glanz verhelfen möchte, bekennt zwar: »In Wolkenkratzern, die höher hinauswollen als 500 Meter und so ja auch in Asien geplant sind, hätte ich nicht nur Angst vor Flugzeugen, sondern auch vor starken Winden.« Aber dennoch traut er dem Turm viel zu, bis hinauf zu 200 Metern habe er sich »durchaus bewährt«. Ihm sei »eine Zukunft sicher« - schon aus »wirtschaftlichen Gründen«. Keine andere Hausform nutze teuren städtischen Boden »effektiver«.

Die meisten Baumeister geben mehr oder weniger ungeniert zu, wie gern sie nach wie vor Metropolis spielen wollen. Man habe, so der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler (SPIEGEL 21/2002), nach dem Untergang der »Titanic« doch auch weiterhin große Schiffe gebaut - sogar solche, »in die eine 'Titanic' mehrfach hineinpassen würde«.

Mäckler baut am Frankfurter Opernplatz ein 168 Meter hohes Bürogebäude im sandbraunen Natursteingewand, das den ortsüblichen Main-Sandstein zitiert und damit um die Zustimmung selbst jener Bürger wirbt, die Goethes Heimatstadt davor bewahren möchten, endgültig eine Art Klein-Chicago zu werden.

Einer der ehrgeizigsten Hoch-hinaus-Optimisten, die wieder unbekümmert Turmbauten babylonischer Dimension stemmen, ist zweifellos Renzo Piano. Londons Bürgermeister Ken Livingstone hat kürzlich den baldigen Bau der Piano-Pyramide befürwortet. Und prompt jubilierte der Architekt, aus der Ferne werde niemand die Grenze zwischen dem Gebäude und dem Himmel erkennen können.

Da war sie wieder, die alte Hybris, der alte Traum vom gebauten Himmelssturm, von der schaurigen Schönheit gewaltiger Monumente, die das alltägliche Klein-Klein souverän überragen und ihren Bauherrn fast überirdisch strahlen lassen. Ein Traum, der bisher nirgendwo heftiger - und reizvoller - ausgelebt wurde als in Chicago und New York. Ob in Shenzhen oder Frankfurt am Main, Tokio, Berlin oder jetzt auch London - überall hoffen Investoren und Stadtväter, mit einer Skyline à la New York oder Chicago auch am ökonomischen Nimbus dieser Städte zu partizipieren.

Helmut Jahn, der Deutsch-Amerikaner aus Chicago und Entwerfer des Frankfurter Messehochhauses, hat einmal gesagt: »Monumentale Obelisken signalisieren Ruhm, Erfolg und Dauer.« Das galt, unabhängig von ihren kultischen Funktionen, schon für die Pyra miden der alten Ägypter und für die Kirchtürme des Mittelalters. Die mythische Vergangenheit dieser Tradition wurde von großen Firmen zielstrebig ausgebeutet, seit die Erfindung des Fahrstuhls durch Elisha Graves Otis - vor 150 Jahren in Chicago - und die Perfektionierung des Bauens mit Stahl und Beton es ermöglicht haben, die archaische Suggestion von Ruhm und Überlegenheit mit der Rationalität ökonomischer Grundstücksnutzung immer effektvoller zu verbinden.

Nur zu dumm, dass seit dem 11. September viele Menschen sich davor fürchten, in Bürotitanen arbeiten zu müssen, die zu teuflischen Menschenfallen mit völlig überforderter Sicherheitstechnik werden können. Heute verbreiten Hochhäuser nicht nur den Glanz der Dominanz, sie erinnern auch an qualvollen Massentod durch Feuer und Rauch, fliegende Kunststoff- und Metallteile, giftigen Staub, Einsturz, versperrte Fluchtwege, versagende Fahrstühle und Sprinkleranlagen.

Zu dem psychologischen Dilemma, dass viele Menschen das Vertrauen in die Katastrophenresistenz der gebauten Riesen verloren haben, kommen technische Schwierigkeiten: Experten sehen sie vor allem in der nötigen »Lastreserve« jedes einzelnen Stockwerks und in der »Brandlast«, die ein Gebäude möglichst lange aushalten muss. Die Türme von New York krachten wie Kartenhäuser zusammen, weil Gewicht und Wucht der herabfallenden Trümmer höher liegender Geschosse für die darunter liegenden Decken zu gewaltig waren. Überschritten wurden auch die Temperaturen des »Normbrandes«, dem solche Bauten sonst einige Stunden widerstehen.

Wer die Belastbarkeitsreserve der Decken merklich verbessert, riskiert, dass derartige Gebäude einfach zu teuer werden. Die Alternative wäre der Verzicht auf deutlich höhere Sicherheitsstandards.

Diesen Verzicht wird der ökonomische Druck wohl erzwingen, aber offen zugeben mag das niemand - es würde den Image-Schaden nur verschlimmern. Kann unter diesen Umständen das Vertrauen auf die Stabilität von Hochhäusern jemals zurückgewonnen werden? Die Aussichten stehen schlecht: Die letzten Warnungen des FBI vor neuen Attentaten auf »große Mietshäuser« und auffällige Anlagen wie die Brooklyn Bridge oder gar den römischen Petersdom haben den verheerenden Eindruck vom 11. September noch einmal aktualisiert. Die Vertrauenskrise dauert an.

Kein Zweifel: Der Lack ist ab vom Hochhaus-Mythos - wenn nicht für die Architekten und einige Investoren, so doch für den gemeinen Benutzer und Betrachter. Retten lässt sich die altmoderne Höhenseligkeit selbst dann nicht, wenn die Ingenieure am Ende die technischen Probleme meistern und Wege finden, wie bei Stoßbelastungen der totale Einsturz verhindert werden kann oder absolut »trümmersichere Fluchtwege« zu konstruieren sind.

Neben psychologischen und technischen Bedenken gibt es - und gab es immer - vor allem auch ästhetische Einwände gegen die Überdehnung baulicher Erhabenheit, die der französische Architekt Etienne Louis Boullée (1728 bis 1799) als »Schauspiel der Unendlichkeit« mit einem Vulkan verglichen hat, der »Feuer und Tod« speit.

Schon Boullée entwickelte seine Ästhetik architektonischer »Größe«, die dem Betrachter einen angenehmen »Schrecken« zumute, im Blick auf den »nicht fassbaren Raum« des Himmels, der sich dem Benutzer eines Heißluftballons zeige. Die Türme des World Trade Center wurden 1973, vier Jahre nach dem Start der ersten Concorde, eingeweiht - architektonischer Höhenrausch und rasante Flugtechnik haben sich von Anfang an wechselseitig hochgeschaukelt. Dass dies auf destruktive Weise auch für den höllischen 11. September gilt, sollte selbst notorische Hochhaus-Lobbyisten nachdenklich machen.

Dem Großbaumeister, der lieber mit den Wolken spricht als mit den Leuten, die seine Türme benutzen sollen, droht ständig das Ikarus-Syndrom: hoch geflogen, tief gefallen. Das absturzgefährdete Pathos der Erhabenheit wirkt auch ohne das Katastrophenszenario vom Ground Zero leichter lächerlich als jede Bungalow-Idylle. Wer jenen »Lachreiz vor Säulen«, den der Dichter Günter Eich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg empfand, auch vor den steilen Bürotürmen der Moderne erleidet, braucht dazu keineswegs die abgedroschene Assoziation »phallischen« Riesenwuchses. Ihm genügt sein kritisches Auge: Jede Figur ohne Hintergrund wirkt seltsam haltlos, schutzbedürftig, ja: peinlich nackt. Hochhaus-Recken, die höher hinauswollen als 200 Meter, sind Figuren ohne Hintergrund. Aufdringliche Ungestalten.

Auch die erhabene Wolkennähe der gläsernen Piano-Pyramide für London täuscht nicht darüber hinweg, dass der Bau aussieht, als hätte der Entwerfer einfach die berühmte Mini-Glas-Pyramide von I. M. Pei vor dem Pariser Louvre wie einen Kaugummi in die Länge gezogen - auf eine Höhe von 310 Metern. Ein Einfall von lachhafter Simplizität vor allem deshalb, weil er so großspurig daherkommt.

Selbst die exzentrischen Briten haben derlei Mega-Manierismus nicht verdient, der dann doch bloß wieder Büros, Luxus-Appartements, Hotels und Geschäfte beherbergen soll - trivialer Zweck und triumphaler Gestus stehen wieder einmal in einem krassen Missverhältnis.

Doch all das, scheint es, kann die Wolkenkratzer-Brunst nicht bremsen. Die »Deutsche Bauzeitung« befand kürzlich nüchtern: »Die Planung von Hochhäusern boomt«, selbst der Bau von »Superhochhäusern« mit bis zu 800 Meter Höhe und 200 Geschossen rücke »in greifbare Nähe«. Immer höher, immer spektakulärer - nach dem Motto: My Line is Skyline - planen, diese Ursünde architektonischer Großmannssucht beging 1956 selbst der sonst so sensible Frank Lloyd Wright: Er entwarf einen 1,5 Kilometer hohen Wolkenkratzer mit 528 Geschossen für 130 000 Bewohner und mit 56 atomar angetriebenen Fahrstühlen. Das Monster wurde nie realisiert.

Nicht einmal die gegenwärtige Wirtschaftsflaute lässt die neue, alte Lust auf den Hochhaus-Kick erkalten. Der einfache Grund: Schicke, moderne Büros mit Glamour-Adressen lassen sich - auch in Krisenzeiten - allemal besser vermieten als Büros in eher unauffälligen Gebäuden.

Der knapp eine Milliarde Euro teure Wolkenstecher von Piano in London wird selbst die Commerzbank in Frankfurt am Main überragen, die noch Europas Hochhaus Nummer eins ist und vom geadelten Briten Sir Norman Foster stammt. Lange wird Piano den Vorsprung nicht halten können: Eine Immobilientochter der Deutschen Bahn will einen 369 Meter hohen »Millennium Tower« an den Main klotzen. Dessen Architekt, Albert Speer, meint: »Die Nachfrage nach Büro- und Geschäftsräumen in solchen Glitzer-Türmen war stets, ist und bleibt auch morgen enorm, zumal die neueste Hochhaus-Generation mit einer technischen Infrastruktur antritt, die der weltweiten Vernetzung erstmals gerecht wird und sehr komfortabel ist.«

Prinz Charles, der die traditionelle englische Kleinstadt jeder Hochhaus-Symbolik vorzieht, kann das ebenso wenig ändern wie der »Guardian«, der angesichts von Pianos Rekordspargel fragte: »Brauchen wir einen weiteren klimatisierten Totempfahl, hochgezogen als Hommage an Londons Gott, Mammon?«

Noch viele sogar: Norman Foster errichtet in London gerade einen 180 Meter hohen, bauchigen Büropalast, der eigentlich so dynamisch wie eine Rakete wirken soll, dem aber bereits der Spitzname »Erotische Gurke« verpasst wurde.

Selbst schuld. Jeder Hochhaus-Architekt will die Menschheit unbedingt davon überzeugen, dass seine Höhen-Phantasie das Zeug zu einem Wahrzeichen hat, das so einzigartig heißt, wie es aussieht. Weshalb er wie ein stolzer Vater nach klingenden Namen für seine Projekte sucht wie »Andromeda-Tower« oder »EuroOrthopolis«.

Im Süden Manhattans verbieten sich solche Sprachspiele, und so werden die neuen Türme, die an diesem heiklen Ort jetzt geplant werden, wohl schlicht (und pietätlos) so heißen wie die zerstörten: World Trade Center (WTC). Vorigen Dienstag präsentierte die städtische Entwicklungsgesellschaft für Süd-Manhattan sechs verschiedene Grobmodelle für eine Neubebauung von Ground Zero, die nun mehrere Monate - als »starting point« einer schon jetzt hitzigen Bürgerdebatte - in der Federal Hall zu sehen sind. Gemeinsam ist den städtebaulichen Masterplänen, deren architektonische Präzisierung offen bleibt, dass sie überwiegend maßvoll hohe Häuser (bis zu 85 Geschosse, das WTC hatte 110) um einen Gedenkpark gruppieren, der - zum Beispiel - die Grundriss-Quadrate der zerstörten Türme als geometrische Land- Art in Erinnerung halten kann. Nur einer Gebäudezone wird ein »skyline element« im WTC-Format zugebilligt. Bis Ende Dezember wollen sich Grundstückseigner und Stadt auf eines der »herzzerreißend schlechten« ("Frankfurter Allgemeine") Modelle festlegen.

Die vorsichtige Annäherung an die letzten Endes wieder profane profitorientierte Nutzung (Hotels, Büros) der Schädelstätte zeichnet sich ab. Ungeniert haben sich schon vor Wochen Architekten mit Entwürfen für diesen Ort ins Gespräch gebracht. Und unmittelbar neben dem Areal, auf dem früher die über 400 Meter hohen Turmzwillinge standen, hat der US-Architekt David Childs bereits mit den Vorarbeiten zu einem neuen Wolkenkratzer begonnen. Das alte Gebäude mit der Adresse World Trade Center 7 war durch die einstürzenden Massen der Twin Towers ruiniert worden. Der Neubau gerät mit 230 Metern sogar 40 Meter höher als sein Vorgänger.

Der Medienkonzern AOL Time Warner legte - kurz nach dem 11. September - nahe dem Central Park mit dem Bau eigener Zwillingstürme los. Auch die Medienunternehmen New York Times Company und Hearst kündigten neue Wolkenkratzer an. Ihre Architekten sind, welche Überraschung, die üblichen Hochhaus-Verdächtigen Renzo Piano und Norman Foster.

Die Gipfelstürmer unter den Architekten planen und bauen zurzeit aber am liebsten in Asien. Wo sonst kann man noch ganze Großstädte am Reißbrett designen?

Das Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner etwa darf quer durch China Stadtteile und Städte aus Glas, Stahl und Beton in die Landschaft beamen - in die Breite und in die Höhe schießende Monumental-Projekte, die von den Architekten schon mal mit den sieben Weltwundern verglichen werden. Nur Lumpen sind bescheiden.

Megalomanie auch anderswo in Asien: In Taipeh entsteht ein Finanzzentrum, das mit 508 Meter Höhe heftiger auftrumpfen wird als jedes andere Gebäude der Welt.

Auch in Deutschland gilt: Hauptsache, die Pläne klingen schön spektakulär. In Hamburg etwa möchte das meistbeschäftigte Architekturbüro der Stadt, das Trio Bothe, Richter, Teherani (BRT), ein »Lighthouse« an der Elbe verankern: In dem 288 Meter hohen Leuchtturm sollen unten Büros und oben, in Wolkenhöhe, ein Luxushotel untergebracht werden. Das Modell wirkt wie ein gläsernes Schwert - und das soll einmal an einem exklusiven Standort die Luft durchschneiden: in der künftigen Hafencity, einem neuen Stadtviertel auf dem Areal ehemaliger Hafenanlagen. Nur: Im Masterplan des Großprojekts war der BRT-Turm bislang nicht vorgesehen.

Macht nichts. Die Urheber der Idee schwärmen trotzdem. »Unser Bau soll quasi aus dem Wasser herauswachsen. So etwas hat es noch nie gegeben«, frohlockt Hadi Teherani, einer der drei BRT-Chefs: »Jede europäische Metropole plant gerade außergewöhnliche Blickfänge. Hamburg sollte nicht nachstehen.« Sein französischer Kollege Jean Nouvel, so Teherani, dürfe Barcelona ja auch mit einem Wolkenkratzer bereichern - Kritiker beschimpften den schon mal als »Mörsergranate«.

Auffallen würde Teheranis raffiniert verdrehter Riese in Hamburg schon deshalb, weil das Zentrum bislang von übertriebenen Hochbauten verschont blieb - was gut zum legeren Reiz der Stadt passt.

Doch selbst das sonst so bodenständige Süddeutschland phantasiert sich in die Höhe: Etwa mit Plänen des Süddeutschen Verlags für ein 151 Meter hohes neues Domizil in München. Oder mit dem umstrittenen Bau eines 180 Meter hohen Trump-Towers in Stuttgart. Die Stuttgarter Stele des amerikanischen Trump-Konzerns soll neben Büros, einem Luxushotel und einer Shoppingmall auch, ähnlich wie ihr New Yorker Vorbild, einen 14 Meter hohen Wasserfall im Foyer bieten. Ein Natur-Event, das mit der extremen Künstlichkeit solcher Dinos, zumal in einer mittelgroßen deutschen Residenzstadt, versöhnen will.

Als Ende Mai der renommierte Pritzker-Preis für Architektur vergeben wurde, wirkte die Entscheidung der Jury wie ein Plädoyer wider den Gigantismus: Die 100 000-Dollar-Trophäe ging an den australischen Architekten Glenn Murcutt. Murcutt gebietet nicht über eine riesige Architekturfabrik, er ist ein Einzelkämpfer. Am liebsten baut er kleine, aber klug durchdachte Wohnhäuser aus einfachen Materialien und im Einklang mit der Umgebung.

Es muss nicht immer Stahl, Glas und Beton im Großformat sein. Small is beautiful, klein ist schön. Das meint: Vom Verzicht auf Quantität kann die Qualität der gebauten Umwelt nur profitieren.

ULRIKE KNÖFEL, MATHIAS SCHREIBER

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