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LUFTFAHRT Letzte Hoffnung

Ein Ex-Chefentwickler von Airbus will die gestrauchelte Cargolifter AG sanieren - mit einem Luftschiff für Touristen und Militärs.
• aus DER SPIEGEL 32/2002
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Sechs Jahre währte der Traum vom schwebenden Lastenkran; über 70 000 Aktionäre investierten ihr Geld; über 300 Millionen Euro von Privatanlagern wurden verbraten - dazu 40 Millionen aus öffentlichen Kassen.

Am vergangenen Donnerstag wurde das Insolvenzverfahren für die Cargolifter AG eröffnet: Das Projekt, noch vor zwei Jahren von Kanzler Schröder als »ein Stück großer deutscher Ingenieurskunst« gepriesen, erwies sich als nicht realisierbar.

Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning setzt nun auf einen Hochkaräter der Luftfahrtindustrie als möglichen Retter. Die letzte Hoffnung der rund 250 verbleibenden Cargolifter-Mitarbeiter in Brand, 60 Kilometer südöstlich von Berlin, hängt an dem neuen Vorstandschef: dem ehemaligen Airbus-Chefentwickler Wolfgang Schneider.

Der Luftfahrtveteran legte inzwischen ein neues Konzept vor, dessen Förderwürdigkeit derzeit auf Landes- und Bundesebene diskutiert wird: eine stark geschrumpfte Fassung der einstigen Vision.

An Stelle des bislang geplanten Heliumgiganten, der mehr als doppelt so groß wie einst die »Hindenburg« werden und 160 Tonnen tragen sollte, schwebt Schneider ein viel kleineres Luftschiff vor: Nur noch an die 20 Tonnen Nutzlast hält der Ex-Airbus-Mann für technisch möglich und bezahlbar.

Zum Luftfrachter würde sich dieser Mini-Cargolifter allerdings nicht eignen. Schneider sieht ganz neue Einsatzfelder:

* So träumt er von einer neuen Epoche des Luftschiff-Tourismus. Das etwa 120 Meter lange Schiff könnte gut 80 Passagiere über mittlere Reisedistanzen schweben lassen, etwa von Frankfurt nach Rom.

* Auch militärische Einsätze zur Luftraumüberwachung hält Schneider für möglich. Ein Luftschiff würde diese Aufgabe weitaus energiesparender und kostengünstiger erledigen als die derzeit eingesetzten Awacs-Flugzeuge oder Satelliten.

Schon in zweieinhalb Jahren, schätzt der Cargolifter-Chef, könnten die verbliebenen Ingenieure einen »vorzeigbaren Demonstrator« dieses Luftschifftyps konstruieren - allerdings nur wenn weitere Fördergelder nach Brand fließen. Insolvenzverwalter Mönning errechnete einen Bedarf von 70 Millionen Euro; 40 Millionen müssten aus Steuergeldern einfließen.

Woher jedoch soll plötzlich das Vertrauen kommen? Personell hat sich - abgesehen vom neuen Vorstandschef - bei Cargolifter nicht viel geändert. Schneiders Vorgänger Carl von Gablenz, der die derzeitige Misere zu verantworten hat, wechselte in den Aufsichtsrat.

Der hocheloquente Jurist und Unternehmensgründer wird von seinem Nachfolger mit eher bitteren Komplimenten bedacht. »Eine imposante Leistung des Geldeinsammelns«, so Schneider, habe von Gablenz erbracht - allerdings zeigte er sich mindestens ebenso tüchtig im Vernichten des Kapitals.

»Das wenigste Geld ist hier in die Entwicklung geflossen«, analysiert Mönning. Stattdessen konstruierte Gablenz Firmengeflechte, die dem Insolvenzverwalter »schwer erklärungsbedürftig« erscheinen. So kaufte sich Gablenz noch im März zu 20 Prozent bei dem potenziellen Kunden »Heavy Lift Canada« ein, einem erst in diesem Jahr gegründeten Unternehmen von unklarer Substanz. 1,5 Millionen US-Dollar verschwanden flugs aus der Kasse der finanziell ausblutenden Cargolifter AG.

Der Prototyp eines Kran-Ballons verschied indes im Unwetter des 10. Juli. Ein Orkan fegte über das Firmengelände und zerfetzte den im Freien vertäuten Ballon. In einer Presseerklärung von olympischer Ironie bezeichnete Cargolifter die Havarie als »entwicklungstechnischen Glücksfall«, weil dadurch wichtige Messdaten gewonnen worden seien.

Mönning bedauert den Fehltritt: »Das großkotzige Gehabe der Vergangenheit muss ein Ende haben.« CHRISTIAN WÜST

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