Wenn der Drache schläft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 1 / 31

EXPEDITION / MOUNT EVEREST Wenn der Drache schläft

• aus DER SPIEGEL 20/1953
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

(s. Titel)

Daß der Krönungszug verregnet, daß die Tribünen einstürzen, daß die Ladies in der Westminster-Abtei ohnmächtig werden - auf all das nehmen die schmierigen Buchmacher in den Keller-Kneipen der Londoner Docks Wetten an. Nur auf das Gelingen oder Nichtgelingen eines Unternehmens zu Ehren Elizabeths II. will kein Engländer Wettgeld kassieren. »Wenn es um die Hoffnungen Englands geht, wettet man nicht.« Englands Hoffnung: Dreizehn Männer - unrasierte, seit Wochen ungewaschene Männer in abgetretenen Fellstiefeln; die Gesichter dick mit Fett beschmiert.

»Zum Ruhme Ihrer Majestät sind sie auf dem Weg zum Schloßturm des gigantischsten Festungssystems im Himalaya, in dem Wachturm für Wachturm, jeder mit furchtbaren Zinnen versehen, erfolgreich ''bezwungen werden muß.«

Mit dieser Widmung brachte in der vergangenen Woche das altersgraue Londoner Hofblatt, die »Times«, dem Unternehmen jener dreizehn unrasierten und ungewaschenen Männer eine achtseitige Sonder-Beilage*) heraus.

Das Ziel der dreizehn: Zum Tag der Krönung Elizabeths den Union-Jack auf einem der letzten Flecken jungfräulichen Bodens zu hissen, dem bisher unbezwungenen Gipfel des 8888 Meter hohen Mount Everest.

Seit 30 Jahren hat dieser Berg alle Versuche, ihn zu besteigen, abgewehrt. Achtmal gingen englische Expeditionen die

höchste Spitze der Erde an. Achtmal wurden sie zurückgeschlagen.

Im Krönungsjahr 1953 ist jetzt die neunte britische Mount Everest-Expedition auf lange Zeit hinaus Englands letzte Gipfel-Chance. Denn seit der Sport eine Angelegenheit des nationalen Prestiges geworden ist, hat ein Run auf den »Dritten Pol der Erde« eingesetzt. Es ist ständig Saison am Mount Everest.

Die nepalesische Regierung mußte eine eigene Dienststelle schaffen, um die Fragen und Gesuche europäischer Bergsteiger zu bearbeiten. Künftige Rechte für einen Angriff auf den Mount Everest haben sich rechtzeitig reservieren lassen:

* Frankreich für das Frühjahr 1954,

* die Schweiz für den Herbst 1954.

Italien, Amerika und selbst die Sowjet-Union bewerben sich um die nächsten Jahre.

Bei einer derartigen Konkurrenz ist es den Engländern nicht nur wegen der Krönung wichtig, den Gipfel des Mount Everest noch in diesem Jahr zu bezwingen. Ihre Erfolgsaussichten dazu sind gut. Die dreizehn Männer der neunten britischen Mount Everest-Expedition haben den Schlüssel zum verwunschenen Berg.

»Wenn der Drache schläft, vielleicht im Frühjahr, dann kann der Gipfel fallen«, hatte der englische Bergsteiger Eric E. Shipton in sein Tagebuch geschrieben, als er am 30. September 1951 zusammen mit seinem Weggefährten Hillary zum erstenmal das Riesenkar des Westkessels an der Südseite des Mount Everest von ferne zu sehen bekam. »Ein Sanktuarium zwischen himmelhohen Graden, die niemals unter 7620 Meter sinken.«

Vor diesem Heiligtum aber liegt der »Drache« - so nennt Shipton einen rund fünf Kilometer langen Firnbruch, eine urweltliche Wüste, von gigantischen Schneeblöcken und Eistürmen wie nach einem Erdbeben übersät.

Das Unheimlichste aber war: Manche der Eistürme versackten plötzlich in unterirdischen Höhlen. Überall klafften Spalten. Es dröhnte und zitterte unter den Schritten der Engländer. Bis auf einmal eine in ihrer Tiefe nicht abzumessende Spalte den ganzen Gletscher quer durchriß.

Eric Shipton konnte zwar die Gletscher-Spalte nicht überbrücken. Doch ein neuer Weg zur Gipfelpyramide des Mount Everest war gefunden, die Shipton-Route: die Südbesteigung des Mount Everest von Nepal her.

Keiner der Himalaya-Experten hatte beim Start dieser Shipton-Expedition an die Möglichkeit der Entdeckung einer Süd-Route geglaubt. Der Mount Everest läßt sich eher von der nördlichen, der tibetanischen

*) Es war die erste Sonderbeilage der »Times« in diesem Jahr. Selbst der Tod von »Mr. Stalin« war nur durch eine kurze Notiz und einen größeren Kommentar gewürdigt worden. Seite her erreichen. Auf der südlichen, der Nepal-Seite, wird der Berg von einer Festungsmauer nicht zu übersehender Gletscherfelsen bewacht.

Auch politisch war der Weg durch Tibet früher der bessere. Der Dalai Lama, an einem guten Verhältnis mit den in Indien regierenden Engländern interessiert, ließ sich nach dem ersten Weltkrieg schon eher dazu überreden, englische Bergsteiger ins Land zu lassen. Nepal dagegen schloß sich von der Außenwelt hermetisch ab.

»Lasset es euch gesagt sein, daß eine Gesellschaft von Sahibs kommt, die den Tscho-mo-lung-ma-Berg*) sehen wollen. Diese Herren werden zu allen Tibetanern freundlich sein. Helft ihnen. Erlassen im Jahr des Eisernen Vogels (1920).«

Das war das Triptyk des Dalai Lama, das für die nächsten zwei Jahrzehnte die höchste Spitze der Erde ausschließlich für englische Alpinisten reservieren sollte. Der Mount Everest war der »Hausberg« der Engländer geworden.

Unter der Leitung des Obersten Howard-Bury ging 1921 die erste englische Expedition den Berg an. Man wußte wenig vom Himalaya, dem gewaltigsten Erdrücken der Erde, der, nach Europa versetzt, von Calais bis zum Kaspischen Meer reichen würde. Noch weniger aber wußte man vom Mount Everest.

Darjeeling, das indische Mekka aller Himalaya-Bergsteiger, war auch für diese erste Mount-Everest-Expedition der Startort. Ein beschwerlicher Anmarsch von vielen Wochen - erst durch dampfende, tropische Dschungel und dann hinauf in die öde, sturmdurchpeitschte Steinwüste des tibetanischen Hochlandes - war zu bewältigen, ehe sie überhaupt ihr Ziel zu Gesicht bekamen.

Mit ihren Trägerkolonnen kämpften sich die Engländer Tag für Tag näher an den Everest heran: Durch eine wildzerklüftete Landschaft, wie sie selten zu finden ist;

*) Tscho-mo-lung-ma ("Göttinmutter des Landes"): tibetanischer Name für das gesamte Mount-Everest-Massiv. durch Sandstürme und tosende Gletscherbäche, über endlose felstrümmerübersäte und durch mächtige Gebirgspässe.

Spät im Juni erreichten sie das Rongbuk-Kloster, 5500 Meter hoch, weit höher als der Montblanc (4807 Meter). Nur noch 32 Kilometer waren sie von ihrem Ziel entfernt.

Als die Expedition den Mount Everest zum erstenmal aus der Nähe sah, schrieb hingerissen einer der Expeditionsteilnehmer, der Schullehrer George Mallory, in das Expeditions-Tagebuch: »Der Mount Everest im Talschluß gibt sich weniger als Gipfelbau denn als ungeheure Bergmasse. Das Auge stößt nur auf einfache Linien, und es ist, als begnüge der gewaltigste Berg der Erde sich mit einer stillen, königlichen Gebärde. Rundum stehen andere Riesen zwischen 7000 und 8000 Meter Höhe, aber keiner ihrer kühnen, schlanken Häupter reicht dem Großen auch nur bis an die Schulter. Sie liegen unbeachtet im Schatten des Herrschers.«

Drei Monate später war es mit der Lyrik vorbei. »Die Grathöhe bot einen geradezu

schreckenerregenden Anblick. In ununterbrochener, riesiger Spritzwelle hob sich der pulvrige Neuschnee von der ungeheuren Everest-Flanke. Und mit seiner ganzen Wucht warf sich der weiße Sturm auf den First, über den unser Weg hätte führen sollen. An der Luvkante schoß die Schneemähne senkrecht in die Luft und dann umbiegend mit verdoppelter Wucht den Leehang hinunter. Das genügte. Der Sturm sagte zu deutlich, daß jedes weitere Vordringen Narrheit sei.«

So stand es im Tagebuch, als die Expedition am 24. September 1921 am Nordsattel des »Berges der Berge« umkehren mußte. Der erste Angriff war auf 7007 Meter Höhe abgeschlagen. Als die zweite Expedition unter Brigade-General Bruce ein Jahr später ebenfalls vor dem Gipfel kehrtmachen mußte, waren 8225 Meter Höhe erreicht.

Das war der dritte Versuch: In der Nacht vom 3. und 4. Juni 1924 schläft die Spitzengruppe, Oberstleutnant Norton und Dr. Sommervell, in 8145 Meter Höhe in einem winzigen Zelt. Mit Sonnenaufgang sind sie unterwegs. Die Kälte ist erbarmungslos, und die beiden Männer husten und keuchen in der dünnen, eisigen Luft.

Nur ein Dutzend Schritte hintereinander können sie machen, dann müssen sie eine Ruhepause einlegen. Aber sie bleiben fünf Stunden lang im Aufstieg: 8230 Meter - 8280 - 8530.

Gegen Mittag gibt Sommervell auf. In einem heftigen Anfall von Höhenhusten winkt er seinem Kameraden, allein weiterzugehen. Eine Stunde lang klettert Norton weiter. Dann kommt er in eine mit weichem, lockerem Neuschnee gefüllte Rinne: ein Fehltritt - und er stürzt 3000 Meter tief auf den Rongbuk-Gletscher.

Norton überwindet die gefährliche Stelle, aber dann, kraftlos an das Gesims des Gegenhanges geklammert, gibt er auf. Die Höhe: 8573 Meter.

Keine halbe Seillänge über ihm begann die Pyramidenspitze des Everest, dazwischen lagen nur noch 300 Meter fast schneefreien Felshanges.

Vier Tage später tritt die zweite Spitzengruppe, George Mallory und der Student Irvine, zum Angriff an. Wenige Stunden nach ihrem Start werden sie zum letztenmal gesehen. 300 Meter unter dem Gipfel. Seitdem sind sie verschollen.

Neun Jahre später entdeckt die vierte britische Expedition in 8500 Meter Höhe einen vom Schneesturm blankgefegten Eispickel, der einem der beiden Verschollenen gehört haben muß.

Ob sie den Gipfel erreicht hatten? Das weiß bis heute niemand zu sagen, nachdem auch die letzte britische Vorkriegsexpedition 1938 im Neuschnee versackte und alle Nachkriegsexpeditionen bis heute den Gipfel noch nicht erzwingen konnten.

»We expect no mercy from Everest (Wir erwarten keine Gnade vom Everest)!« so lauteten die letzten Tagebucheintragungen Mallorys, als er zu seinem letzten Gipfelsturm ansetzte.

Diese Erfahrung mußten auch die sieben eingeborenen Träger machen, die 1922 von einer Lawine verschüttet wurden. Keine Gnade vom Everest erwartete auch der Engländer Maurice Wilson, der 1934 im Alleingang den Mount Everest erobern wollte.

1935 findet Eric Shipton dessen Leiche in 6400 Meter Höhe am Nordsattel neben dem Union-Jack. In seinem Notizbuch die letzten, in der Euphorie des Höhentodes hingekritzelten Worte: »Ich steige weiter ... ich esse Schnee ...«

Es sind eigenartige Menschen, die trotz aller erfolglosen Versuche, trotz Eisbrüchen, Lawinenstürzen und Unwetter immer wieder den Himalayariesen angehen. Auf die Frage nach dem »Warum« fand George Mallory die kürzeste Antwort: »Ich muß auf den Berg, weil er da ist.«

Eric Shipton, wohl der größte Alpinist der Gegenwart, der zwölfmal in den Himalaya stieg und fünfmal versuchte, den Mount Everest zu besteigen, gibt sich mit dieser lapidaren Erklärung nicht zufrieden. »Wer will, mag die Besteigung des höchsten Berges der Erde als eine Kraftprobe, als ein Unternehmen der Rekordlust betrachten. Für mich ist es eine philosophische Frage.«

Wenn Shipton mit schiefsitzendem Schlips, ängstlich zugeknöpftem Jackett und seit Jahren nicht gebügelten grauen Flanellhosen, von seinen Expeditionen aus dem Himalaya kommend, wieder auf dem Londoner Flugplatz eintrifft - in der einen Hand einen Regenschirm, in der anderen Hand einen Rucksack - , vermutet niemand in ihm einen großen Sportsmann. Mit seiner gewaltigen Stirn, seinem spitz zulaufenden Kinn und seiner vorsichtigen Redeweise hat der einstige britische Generalkonsul in Südchina den Habitus eines Philosophie-Professors.

Shipton: »In einem Zeitalter, dessen Gefühle durch die Nivellierung der Verhältnisse und die begrenzte Urteilskraft der Masse abgestumpft sind, findet man eine Überlegenheit, die von allen ohne Neid bewundert werden kann. Es ist eine Überlegenheit, die weniger Erfolgreiche in ihrem Kampf ums Dasein nicht niedertrampelt, sondern es ist eine Ritterlichkeit, die ihre Lanze nicht gegen ihre Gegner richtet.«

Des 45jährigen Shipton Philosophie ist das Fazit seines Bergsteigerlebens. Viele Gipfel im Himalaya hat er als erster erstiegen. Unter ihnen den Kamet, mit 7800 Meter der zweithöchste Berg Britisch-Indiens.

Dreimal - 1933, 1936 und 1938 - stand er nur wenige hundert Meter unter dem

Gipfel des Mount Everest. Und mußte jedes Mal aufgeben.

Im August 1950 hatte die U-Bahn-Presse der Großstädte ihre Sensation. Die seismographischen Stationen meldeten das größte Erdbeben seit Jahrhunderten. Längst ehe der erste Katastrophen-Bericht von verschwundenen Dörfern und sich neu auftürmenden Gebirgen eintraf, hatten die Geologen den Unruheherd ermittelt: das Assamgebiet im Ost-Himalaya.

Als sich der leichte rote Schimmer, der nach dem Beben wochenlang über dem Himalaya-Massiv lagerte, verzogen hatte, und indische Landmesser für neue Höhenmessungen den Mount Everest anpeilten, stimmte keine ihrer Berechnungen mehr. Bald darauf gab das indische Vermessungsamt bekannt, daß der Mount Everest bei dem Assam-Erdbeben um 65 Meter gewachsen sei.

Der politische Erdrutsch in den Himalaya-Staaten war dem Assam-Erdbeben vorangegangen: Tibet, in Abhängigkeit von Rotchina geraten, läßt keine westlichen Expeditionen mehr in das Land. Nepal, der größte Himalaya-Randstaat, der seit vier Jahren ebenso Satellit Indiens wie Tibet eine Dependance Chinas ist, hat seine Isolierung von früher aufgegeben. Damit ist der Mount Everest nicht mehr ausschließliches Bergsteiger-Reservat der Engländer.

Kaum war die bis dahin unbekannte Nepal-Seite des Mount Everest frei, als die Royal Geographical Society, die Königliche Geographische Gesellschaft in London, unter deren Namen alle britischen Mount-Everest-Expeditionen laufen*), von der nepalesischen Regierung das Recht für eine Erkundungs-Expedition 1951 einholte. Leiter der Expedition: Eric Shipton.

Seit die letzte britische Expedition 1938 in den Neuschnee-Massen des Vormonsuns erstickte, hatte Shipton gefordert, für die alte Route einen Ersatz zu suchen. Er begründet seine Ablehnung des klassischen Nordanstiegs:

* Die ganze Wegstrecke oberhalb des Nordsattels ist pausenlos den Nordwestwinden ausgesetzt.

*) Die Royal Geographical Society beschafft auch die Finanzierungen derartiger Expeditionen - rund 400 000 DM - durch Spendensammlungen und Verkauf des Copyright für Berichterstattung und Film. * Bei zeitigem Aufbruch droht Erfrierungsgefahr, denn die Sonne kommt auch im Juni erst gegen 9 Uhr gegen den Nordsattel.

* Oberhalb 8520 Meter beginnen erst die größten technischen Schwierigkeiten.

Für eine neue Route auf der nepalesischen Seite hatte Shipton allerdings bislang nur ein Plus anführen können:

* Sie ist wärmer und den Stürmen nicht so ausgesetzt.

Die weiteren Vorzüge waren auch ihm noch unbekannt, als er im Herbst 1951 von Katmandu, der Hauptstadt Nepals, auf den Everest zu marschierte. Zwar hatte sich Shipton schon 1935 bemüht, ein bis dahin unbekanntes Becken an der Westseite des Everest zu erkunden.

Er war damals bis auf den Lho La (5900 Meter) - die Wasserscheide gegenüber dem Mount Everest zwischen Lingtren (6623 Meter) und Pumori (7068 Meter) - vorgedrungen (s. Zeichnung). Von dort aber hatte er nur die Eingangsschlucht zu den wilden, 600 Meter hohen Eisbarrieren sehen können, mit denen der Gletscher des Westbeckens zum Khumbu-Gletscher herabflutet. 1951 fand Shipton einen besseren Ausgangspunkt, von dem er das Westbecken aufklären konnte.

Das alle überraschende Ergebnis seiner Erkundungsexpedition: Es führt aus dem Westbecken eine Route direkt auf den Südsattel des Mount Everest. Von dort aus bietet der Südwestgrad bis zum Gipfel keine großen bergsteigerischen Schwierigkeiten.

Es war jedoch nicht eine englische Expedition, die Eric Shipton die Brauchbarkeit dieser neuen Süd-Route über Nepal bestätigte. Als Gegenleistung für einige Gruppen Schweizer Ingenieure, die eine nepalesische Industrie aufbauen sollten, waren sämtliche Expeditionsrechte für das Jahr 1952 den Schweizern zugestanden worden.

Während die Schweizer sich dem Gipfel näherten, erkundete Eric Shipton, nur 25 km von ihnen entfernt, den 8151 Meter hohen Cho Oyu, den sechsthöchsten Berg der Erde. Er wollte wenigstens in der Nähe sein, wenn »sein« Gipfel fiel.

Shiptons Sorge war umsonst gewesen. Wohl erreichte der Schweizer Bergsteiger Raymond Lambert mit seinem Träger Tensing die höchste bisher von Menschen erreichte Höhe von 8754 Meter (SPIEGEL Nr. 50/52). Der Gipfel aber fiel auch diesmal nicht.

Nach alter Himalaya-Tradition hatte Eric Shipton seine Erfahrungen bei der Erkundung der Süd-Route den beiden Schweizer Expeditionen 1952 zugängig gemacht. Jetzt übermittelten auch die Schweizer Eric Shipton ihre Berichte, denn es war abgemachte Sache, daß im Frühjahr 1953 Eric Shipton die neunte britische Expedition leiten sollte.

»Voller Freude, im Krönungsjahr 1953 eine der entscheidendsten britischen Mount-Everest-Expeditionen anführen zu dürfen ...«, sprach Eric Shipton am 9. Oktober 1952 im Saal der Osloer Seemannsschule über die Erfolgsaussichten seiner künftigen Expedition. Noch während seines Vortrages wurde ihm ein Zettel aufs Pult geschoben, daß er dringend von der »Times« aus London verlangt würde.

Am Telefon wurde er um einen Kommentar zu einem gerade veröffentlichten Kommuniqué der Königlichen Geographischen Gesellschaft gebeten: »Mr. Eric Shipton, Leiter der britischen Erkundungs-Expedition auf den Mount Everest vom Jahre 1951, wird die britische Expedition im kommenden Jahr nicht leiten. Seine Stelle hat Oberst John Hunt aus Knighton eingenommen, ein aktiver Oberst der britischen Besatzungsarmee in Deutschland, der bereits an drei früheren Expeditionen zum Himalaya teilgenommen hat.«

Dazu der Kommentar von Eric Shipton, der zwölfmal in den Himalaya zog, fünfmal versuchte, den Mount Everest zu bezwingen und dreimal kurz unter dem Gipfel stand: »Ich gehe nie wieder auf den Mount Everest!«

Zur Ausgabe
Artikel 1 / 31