Mini-Spion für die Uno - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 21 / 113

Mini-Spion für die Uno

Mit einem unbemannten Kleinflugzeug sollen Bundeswehrsoldaten Waffenlager im Irak ausspähen.
• aus DER SPIEGEL 4/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der kleine Flieger könnte aus einem Modellbauladen stammen. Er sieht aus wie ein Spielzeug, ist nur zwei Meter lang, seine Flügelspannweite beträgt kaum mehr als vier Meter - und im nervigen Ton eines Rasenmähers dreht ein Zweitaktmotor mit gerade mal acht PS den Propeller.

Trotzdem möchte die Uno den unbemannten Flugapparat aus Deutschland haben. Denn er trägt Kameras, kann live gestochen scharfe Farbbilder zur Bodenstation übertragen und wird so zum idealen Spähgerät für Inspektoren, die im Irak unangemeldet über Saddam Husseins Palastmauern lugen wollen.

Der fliegende Mini-Spion - Normalgeschwindigkeit 70 km/h, Flughöhe 150 bis 800 Meter - gehört der Bundeswehr. Er ist 33,5 Kilo leicht, wird mit Seilfedern von einem Katapult gestartet und trägt den sperrigen Namen »luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung«, kurz: Luna.

Gelenkt wird, anders als bei einer Spielzeug-Fernsteuerung, nicht mit dem Joystick, sondern per Computer-Maus. In einer Landkarte klickt der »Pilot« auf dem Bildschirm die Koordinaten an, und der Motorsegler fliegt hin. Neben dem Steuermann sitzt ein Auswerter, der die Videoaufnahmen aufzeichnet und bei Bedarf einzelne »Schnappschüsse« ordern kann. Nach dem Einsatz - maximale Dauer zwei Stunden - schwebt der Flieger am Fallschirm zu Boden.

Angeschafft wurde das Hightech-Gerät für die Artillerie. Im Umkreis von bis zu 40 Kilometern kann die Maschine mit Zoom- und Infrarotkameras den Kanonieren helfen, Freund und Feind zu unterscheiden und Ziele leichter zu finden. Die Windstärke darf indes nicht mehr als 15 Meter pro Sekunde betragen, sonst bläst es Luna weg.

Bislang verfügt das deutsche Militär erst über zwei der Aufklärungssysteme, die bereits bei den Friedenstruppen auf dem Balkan und während eines Nato-Manövers in Norwegen getestet wurden. Eines sollte jetzt eigentlich die Isaf-Soldaten in Afghanistan beschützen helfen, doch die Irak-Mission hat Vorrang. Schließlich will die Bundesregierung alles tun, um die Uno-Kontrolleure bei ihrer Suche nach Massenvernichtungswaffen zu unterstützen - in der Hoffnung, dass sich der Krieg so noch abwenden lässt.

Ein Luna-»Gesamtsystem« besteht aus 12 Mini-Fliegern, 2 Katapulten, 18 Fahrzeugen sowie 2 Bodenkontrollstationen, die in Containern auf Lastwagen untergebracht sind. Mit Mechanikern, Fahrern und dem Bergetrupp für gelandete Flugkörper besteht das dazugehörende Team aus 43 Soldaten, von denen 20 - allesamt Freiwillige - nun für die Uno ausrücken sollen.

Für die Dauer ihrer Irak-Mission verlassen die Männer vorübergehend das Militär und werden von den Vereinten Nationen als zivile Experten angestellt. Das Berliner Auswärtige Amt verhandelt derweil noch über die Konditionen: Wer, zum Beispiel, sorgt finanziell für die Hinterbliebenen, falls einer der Deutschen durch Kriegseinwirkung ums Leben kommt? Die Uno oder die Bundesrepublik?

Zur Ausgabe
Artikel 21 / 113

Mehr lesen über