Amerikas Schattenkrieger - DER SPIEGEL
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Amerikas Schattenkrieger

Sie sind bereits im Irak, bevor Bush seinen Feldzug gegen Saddam Hussein überhaupt begonnen hat: die »Special Operations Group«, Paramilitärs der CIA. Die Elitetruppe aus Langley, für ihren erfolgreichen Einsatz in Afghanistan gefeiert, muss allerdings gegen die Schatten der Vergangenheit ankämpfen - Kriegseinsätze des Spionagedienstes mündeten häufig in außenpolitischen Desastern.
Von Rüdiger Falksohn, Hans Hoyng, Siegesmund von Ilsemann und Gerhard Spörl
• aus DER SPIEGEL 10/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie schleichen bei Nacht über die Grenze. Sie tragen leichte Sturmgewehre. Sie haben Ausrüstung und Proviant dabei, um mühelos ein paar Tage unter unwirtlichen Umständen durchzustehen. Mit Hilfe ihrer Laptops geben sie weiter, was sie sehen und hören. Über Satellitentelefone fordern sie Nachschub an, den mittelgroße Frachtflugzeuge ziemlich punktgenau abwerfen.

Im autonomen Kurdengebiet im Norden des Irak, über das Saddam Hussein längst die Kontrolle verloren hat, suchen sie Einheimische, die der amerikanischen Invasionsarmee im bevorstehenden Krieg als Führer und Pfadfinder dienen können. Dabei ist ihr bestes Argument ein Koffer voller Geld, der die Clans am ehesten vom Sinn überzeugt, den Abgesandten der Supermacht zu helfen.

Noch hat der Sturm auf Bagdad nicht begonnen, aber die Vorhut Amerikas ist schon unterwegs. Eine kleine Streitmacht sickerte im Dunkel der Nacht auch in den Süden des Irak ein, erkundet nun die Aufstellung der miserabel ausgerüsteten Truppen, mit denen Saddam die bei Kriegsbeginn aus Kuweit ins Land drängenden Angreifer aufhalten will. Im Westen suchen die US-Späher nach versteckten Raketenabschussrampen, von denen der Diktator seine Rest-»Scuds« - ausgerüstet womöglich mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen - Richtung Israel schießen könnte.

Mehrere rätselhafte Mini-Explosionen in der Hauptstadt legen die Vermutung nahe, dass der Feind bereits nach Bagdad vorgedrungen ist. Attentate der amerikanischen Vorauskommandos sollen die Reaktionsfähigkeit von Saddams Sicherheitskräften testen, meldete die in London erscheinende Zeitung »al-Schark al-ausat«.

Bisher verhafteten Saddams Greiftrupps nur unbeteiligte Iraker, die eingeschleusten Schattenkrieger blieben unerkannt - hoch trainierte, mit Hightech schwer beladene Einzelgänger, amerikanische Archetypen, die ebenso gut einem Hollywood-Epos entstammen könnten, in dem der Gute und Gerechte im Alleingang, getrieben von nichts als glühender Vaterlandsliebe, die Mächte der Finsternis bezwingt.

Als hätten Scharen von Rambos ihre angestammte Zelluloidwelt verlassen, bewegen sich die hochgerüsteten Vorkämpfer im Feindesland: Mitglieder einer Sondereinheit, deren Existenz nur deswegen ans Tageslicht kam, weil intrigenerprobte Washingtoner Bürokraten die Heldentaten der geheimnisvollen Truppe als Munition im Kampf um größere Etats und gegen die Nachstellungen rivalisierender Behörden nutzen wollten.

So, als Rambos Wiedergänger, präsentiert sich die geheime Armee der CIA, das erst vor fünf Jahren ins Leben gerufene Lieblingskind ihres Direktors George Tenet, 50. Ihr offizieller Name ist »Special Operations Group«; sie wird, weil in Amerika fast alles zu einem Akronym zusammenschmilzt, SOG genannt.

Hollywoods Filme über den muskelbepackten Einzelkämpfer (Sylvester Stallone spielte in den achtziger Jahren den »Special Ops«-Kämpfer Rambo, ein ehemaliges Mitglied der Green Berets) spiegelten den überbordenden Patriotismus der Ära Ronald Reagan wider und verklärten Amerikas traumatische Niederlage im Dschungel von Vietnam zum moralischen Triumph. Ähnlich sollen Tenets Heldenkinder das miserable Image des Dienstes aufpolieren. »Die CIA war doch nicht einmal in der Lage, eine Kolonne von drei, vier Wagen aufzuhalten, wenn die von Bodyguards geschützt würde«, hieß es noch im Kabinett des CIA-Verächters Bill Clinton.

Heute kann die CIA auf Ikonen wie ihren Agenten Micheal Spann verweisen, dessen Bild - auf einem Schimmel durch die Wüste Afghanistans reitend, ein strahlender Ritter mit entschlossenem Blick - um die Welt ging wie wenig später die Nachricht von seinem Tod, der ihn zum Nationalhelden machte (siehe Seite 112).

Nun also Irak. Immer neue SOG-Teams infiltrieren Saddams Reich. Sobald sie Schutz gefunden haben, suchen sie Angriffsziele für US-Bomber. Sie machen sich daran, ein Netzwerk unter der Bevölkerung zu knüpfen, mit dessen Hilfe abgeschossene amerikanische Piloten geborgen und versteckt werden könnten. Und noch weitere sollen sich nach Bagdad durchschlagen, um dort die finale Mission zu erfüllen, die ihnen ihr Präsident aufgegeben hat: Saddam Hussein zu beseitigen.

Die Sondertruppe ist nicht groß. Nur wenige hundert Mann sind für solche verdeckten Aktionen ausgebildet: eine kleine, effiziente Eliteeinheit für Sabotage-Akte wie das Sprengen von Brücken, für das Ausforschen von Kriegsgebieten und die Ausbildung von Verbündeten.

Doch ohne Hilfe kommt auch die Operation Rambo nicht zurecht: Aus dem großen Reservoir der amerikanischen Elitestreitkräfte (siehe Seite 106) werden Spezialisten in den Dienst von Langley abkommandiert - was die Vorgesetzten dieser schlagkräftigen Pentagon-Verbände maßlos ärgert. Sie müssen ihre Leute hergeben, die CIA schmückt sich mit den Lorbeeren.

Organisiert ist die Untergrund-Truppe wie eine Mini-Armee, deren Kriegskasse immer voll ist: Die SOG hat sich zum Beispiel eine eigene Marine zugelegt - Schnellboote, die ihre Kommandos an fremden Stränden abliefern. Zugriff hat die SOG auch auf Frachtschiffe, mit denen größere Ausrüstung bewegt werden kann.

Die Mini-Luftwaffe der CIA - von den Rivalen im Pentagon mit dem makabren deutschen Lehnwort »Waffen-CIA« verspottet - besteht aus kleinen Passagierflugzeugen, mit denen die Kämpfer an jeden Punkt der Welt gebracht werden können. Transportflugzeuge versorgen die Einheiten aus der Luft.

Für Einsätze in Afghanistan und Zentralasien, wo US-Fluggerät allzu sehr auffallen würde, greift die CIA-Truppe lieber auf Hubschrauber und Flugzeuge aus Sowjetzeiten zurück, die vom Pentagon erobert oder von ehemaligen Warschauer-Pakt-Armeen erworben wurden.

Neben dem Irak sind SOG-Mitglieder derzeit auch in Pakistan, in Zentral- und Ostasien sowie Nordafrika stationiert. In Afghanistan, wo die CIA-Truppe noch immer Jagd auf al-Qaida macht, kam vergangenen Monat der in Hamburg geborene CIA-Agent Helge Philipp Boes ums Leben (siehe Seite 108). »Das sind Leute, die jeden Tag rund um den Erdball arbeiten«, sagt ihr Chef Jim Pavitt. »Ich kann überall ein Team schnell und unbeobachtet einsetzen.«

Eigentlich ist der paramilitärische Zweig der CIA die allergeheimste Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes, so dass die »Firma« deren Existenz gewohnheitsmäßig in Abrede stellt. Doch seit dem 11. September hat sich vieles verändert in Amerika. Die Verwundbarkeit der Nation, die sich in den Anschlägen von New York und Washington gezeigt hatte, überzeugte die Amerikaner, dass sie im Kampf gegen den Terrorismus künftig auf keine Waffe verzichten wollen - wie unorthodox sie auch immer sein mag.

Deshalb sind die Geheimagenten, die in Jahrzehnten von Skandalen und Misserfolgen geradezu zur Lachnummer verkommen waren und sich - frustriert und von strengen politischen Auflagen gebunden - fast vollständig aus dem Operationsgeschäft hinter feindlichen Linien zurückgezogen hatten, plötzlich wieder Idole der Nation. Starautoren wie Bob Woodward singen das Lob der wieder auferstandenen

Truppe und rechnen ihr einen wesentlichen Anteil am raschen Sieg in Afghanistan an; eine Titelgeschichte von »Time« plauderte aus, was die angeblich so hochgeheimen Kommandos alles tun, um auch den nächsten Krieg zu gewinnen.

Die CIA erleichtert es der gewaltigsten Streitmacht der Welt, jene Wucht zu entfalten und jene Schläge zu führen, mit denen die ihre Feinde im 21. Jahrhundert zu bekämpfen gedenkt. Die Agenten verstehen sich als Auge und Ohr der Militärs am Boden. Theoretisch können das auch Satelliten über dem Golf oder Aufklärungsmaschinen der Air Force übernehmen. Aber noch so akkurate Aufnahmen aus der Luft, wie sie Bagdad inzwischen unter internationalem Druck genehmigte, leisten nicht, was CIA-Kundschafter können.

Präsident George W. Bush lässt sich allmorgendlich im Oval Office von CIA-Direktor Tenet vortragen, wie der die Dinge sieht und beurteilt: Über wie viel Rückhalt verfügt der Irakische Nationalkongress wirklich? Gibt es doch noch eine Möglichkeit, Saddam ohne Krieg ins Exil zu zwingen? Ist es für das Schmieden einer großen Allianz wichtig, ob die Kurden einen eigenen Staat anstreben oder nicht?

Den Rat, dem Geheimdienst Gehör und Vertrauen zu schenken, gab ihm sein Vater, der 41. Präsident, selbst Chef der CIA von 1976 bis 1977. Dabei ist die Wiederauferstehung der CIA aus dem Geiste der Terrorbekämpfung eigentlich ein Treppenwitz der Geschichte. Der Dienst hatte es ja fertig gebracht, dem 11. September 2001 in völliger Ahnungslosigkeit entgegenzudämmern.

Nicht unähnlich deutschen Agenten, die die späteren Attentäter seit längerem, aber folgenlos im Visier hatten, nahm die CIA die Bedrohung durch Osama Bin Laden nicht ernst genug. Dabei hatten dessen Mitstreiter bereits 1993 ein Attentat auf das World Trade Center verübt und fünf Jahre später die US-Botschaften von Nairobi und Daressalam in die Luft gesprengt.

Die CIA hat schon geholfen, Demokratien in Diktaturen zu verwandeln. Sie war in geglückte und missglückte Mordanschläge auf ausländische Staatsführer verwickelt. Doch am 11. September war sie weder skrupellos noch das willige Instrument einer zynischen Weltmacht, sondern schlicht und einfach ahnungslos.

Eine einfache Konsequenz des Desasters wäre Tenets Rücktritt gewesen. Stattdessen ist er weiter ein geachteter Gast im Weißen Haus. Und seine Behörde in Langley ist dank neuer Blankovollmachten für »hochriskante Operationen« (Bush) so mächtig wie selten zuvor in ihrer Geschichte. Mitte des Monats übertrug Bush der CIA auch offiziell die Führung im Kampf gegen den Terror. Agenten der Bundespolizei FBI, die eigentlich für alle Inlands-Ermittlungen zuständig sind, müssen nun ihre Terrorerkenntnisse dem CIA-Boss melden.

Zum ersten Mal seit Vietnam und Watergate dürfen die Sonderkommandos der CIA auch wieder morden - ohne Rücksprache mit dem Weißen Haus. Dafür sorgt ein Präsidenten-Erlass, der sich formell auf Geldmittel für »Operationen im Verborgenen« bezieht - gemeint ist aber das Töten ausgewählter US-Feinde, allen voran Bin Laden.

Im asymmetrischen Krieg gegen das Netzwerk der Qaida und gegen Dritte-Welt-Diktatoren vom Schlage Saddam Husseins erlebt die CIA derzeit ihre umfassende Wiederauferstehung. Ihre Agenten verhören die Gefangenen auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram bei Kabul und in Guantanamo auf Kuba. Sie überlassen solche »ungesetzlichen Kombattanten« - Washingtons Bezeichnung für die Gefangenen im Terrorkrieg, die Bush auf diese Weise sowohl den Auflagen der Genfer Konvention als auch dem Schutz durch amerikanisches Recht entzieht - schon mal Ländern wie Syrien oder Ägypten, in denen das Verbot der Folter nicht allzu genaue Beachtung findet.

Prominenteste Waffe der Special Operations Group aber ist der »Predator« - jene mit »Hellfire«-Raketen ausgestattete Aufklärungsdrohne, die einen sofortigen Angriff auf ein identifiziertes Ziel ermöglicht. Im November 2001 führte die CIA erstmals ihre von der Air Force entlehnte Wunderwaffe vor.

Die Kameras an Bord des hoch über seinem Opfer kreisenden Raubtiers hatten den Militärchef von al-Qaida, Mohammed Atif, in einem Villenviertel von Kabul entdeckt. Der Drohnenführer bewertete die in Echtzeit gelieferten Bilder, löste die Rakete und verbuchte so den bis dahin größten Erfolg der Amerikaner im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida.

Ein Jahr später wiederholte die CIA den Krieg per Joystick im Jemen. Dort traf die Rakete allerdings nicht nur den Qaida-Führer Ali Kaid Sinjan al-Harithi, sondern auch einen amerikanischen Staatsbürger, der in seiner Begleitung war. Nur die Welle des Patriotismus, die seit den Anschlägen von New York und Washington die USA erfasst hat, verhinderte Empörung über die Tatsache, dass in diametralem Widerspruch zu amerikanischem Rechtsempfinden Geheimdienstler einen US-Bürger ohne jede Anklage exekutierten.

Es war auch nicht der erste peinliche Fehler bei einem »Predator«-Einsatz. Eine weitere Rakete nämlich tötete drei Afghanen beim Sammeln von Altmetall. Die CIA-Operateure waren sich sicher, den lang gesuchten al-Qaida-Chef selbst im Visier gehabt zu haben. Dabei hatten sie allerdings auf ein wenig spezifisches Indiz vertraut: Eines der Opfer war wie Bin Laden ungewöhnlich groß.

Die »Predator«-Panne wirft aber auch ein Schlaglicht auf die bisher größte Pleite der Krieger-Truppe aus Langley. Obwohl sie buchstäblich Himmel und Erde in Bewegung setzten, haben weder Aufklärungskameras noch die Tipps gekaufter Stammesführer verraten können, wo sich der Terrorchef aufhält. Nach allem, was bekannt ist, entwand der sich den Hightech-Nachstellungen der SOG durch die Flucht auf einem Eselsrücken.

»Die entwickeln erst noch ihre Kapazitäten«, entschuldigt ein Bush-Mitarbeiter die bislang erfolglose Suche. »Das heißt nicht, dass sie nicht zu einer Truppe werden, mit der man rechnen muss. Sie sind nur noch nicht so weit.«

Inzwischen ist die CIA zum jederzeit und überall verfügbaren Dienstleistungsunternehmen der Regierung Bush aufgestiegen. Selten zuvor musste die Nachrichtenbeschaffung so oft zur Rechtfertigung der Außenpolitik herhalten.

Eigentlich ist die CIA mit ihren bis zu 30 000 Mitarbeitern schlicht dazu da, Informationen zu beschaffen und auszuwerten. Dieser Aufgabe kommen in den USA noch zwölf weitere Nachrichtendienste nach. Die National Security Agency (NSA) mit 60 000 Spionen wertet weltweit derart viele Telefonate, Fax-Nachrichten und E-Mails aus, dass komplette Niederschriften alle paar Stunden die Library of Congress, die größte Bibliothek der Welt, füllen würden. Auch die Teilstreitkräfte des Pentagon verfügen über ihre eigenen Spionagedienste. Insgesamt 30 Milliarden Dollar geben die Vereinigten Staaten für ihre »Intelligence Services« jährlich aus, ein Zehntel davon entfällt auf die CIA.

Die »Firma« besitzt jedoch einen Sonderstatus unter den vielen konkurrierenden Institutionen. Ihr erster Kunde ist der Präsident. Gemäß Verfassung ist er der eigentliche Boss des Geheimdienstes und der CIA-Direktor sein Berater. Der soll ihm - das ist die schöne Theorie - die Wahrheit erzählen, damit der Amtsinhaber im Weißen Haus eine empirische Grundlage für Entscheidungen von Gewicht besitzt.

Die herausgehobene Stellung der CIA kann ein Segen sein, ist aber auch schon oft genug zum Fluch geworden. Denn die Informationen aus Langley sind politisch nicht immer opportun. Oder aber das Weiße Haus gibt sicherheitshalber vor, auf welche Informationen und Interpretationen die Regierung gerade Wert legt.

Unter Bush ist beides vorgekommen. Schon im November vergangenen Jahres drang die Neuigkeit aus dem Dienst, dass Nordkorea im Begriff stehe, Atomwaffen aus angereichertem Uran zu bauen. Beim Schwenk von Afghanistan zum Irak zog das Weiße Haus es vor, diese Neuigkeit nicht an die große Glocke zu hängen. Die Veröffentlichung ließ über ein halbes Jahr auf sich warten.

Umgekehrt fiel Tenet durch Bemerkungen unliebsam auf, wonach seiner Truppe keine beweiskräftigen Erkenntnisse über enge Drähte Bin Ladens nach Bagdad vorlägen und es auch keinen Grund für die Annahme gäbe, Saddam sei heute einer Atombombe besonders nahe. Zur Blamage des Weißen Hauses musste der CIA-Chef dem Kongress bestätigen, dass den USA derzeit von Saddam Hussein keine akute Gefahr drohe.

Der Geheimdienst war und ist Spielball der Interessen des jeweiligen Präsidenten. Sein Stellenwert hängt davon ab, welchen Ruf der CIA-Chef im Weißen Haus genießt. Die Wünsche aus dem Oval Office bestimmen darüber, in welchem Maß die CIA Schmutzarbeit verrichten muss, vor allem solche, die den weitaus stärkeren Sondereinheiten von Heer, Marine und Luftwaffe aus rechtlichen Gründen verwehrt ist. Außerhalb von Kriegseinsätzen dürfen die Green Berets der Army oder die Navy Seals im Gegensatz zu ihren CIA-Kollegen unliebsame Gegner nicht einfach aus dem Weg räumen.

Und Schmutzarbeit steht der geheimen CIA-Armee reichlich bevor. Präsident Bush hat bereits die Direktiven unterschrieben, mit denen er seine SOG-Truppe gegen solche Länder loslassen will, die dicht davor sind, sich eigene Nuklearwaffen zuzulegen. Spezialisten des Energieministeriums unterrichten die CIA-Trupps darüber, an welchen Schwachstellen eines Atomreaktors ein erfolgreicher Angriff erfolgen könnte. Nächster Einsatz Pjöngjang?

Seine noch immer junge Truppe hatte Tenet vor fünf Jahren wieder belebt, weil er die Analyse einiger seiner besten Agenten teilte, wonach die Agency einen Tiefpunkt ihrer Effektivität erreicht hatte. Robert Baer etwa, einer der wenigen Irak-Experten von Langley, hielt nicht mit seiner Überzeugung hinter dem Berg, dass sich die CIA »eigentlich selbst aus dem Spionagegeschäft herauskatapultiert« hätte. Gerade in der islamischen Welt habe der Geheimdienst seine »menschlichen Quellen« abgezogen und sich immer mehr - wie auch überall sonst - auf die Auswertung elektronisch erworbenen Materials beschränkt. Doch dadurch fehlte der Agency der Zugang zu Moscheen und Universitäten, das Gefühl für die Radikalisierung eines Teils der arabischen Welt.

Tenets Truppe sollte der CIA wieder notwendige Flexibilität vor Ort beibringen, aber auch die Fänge jenes Adlers auf dem CIA-Wappens schärfen, die nach Meinung vieler Experten stumpf geworden waren. »Die CIA wurde durch Political Correctness systematisch zerstört«, schreibt Baer. »Zu einer Zeit, da die Bedrohung durch Terroristen weltweit zunahm, wurde die Organisation, die sie im Auge behalten soll, stattdessen sauber geschrubbt.«

Politisch korrekt sind Tenets Elitekrieger ganz bestimmt nicht. Nur konnte sich der CIA-Chef seine Kämpfer nicht einfach selbst heranziehen. So ging er - zum großen und nachhaltigen Ärger des Pentagon - auf Abwerbetour bei den Militärs. CIA-Rekrutierer lauern mit Vorliebe in den Bars von Fayetteville in North Carolina, wo die Green Berets, eine Spezialeinheit des Heeres, ihr Hauptquartier haben. Die CIA zahlt ihren Sonderkommandos knapp 10 000 Dollar im Jahr mehr Sold als das Pentagon.

Aber auch offiziell wurden Teams der Navy Seals oder der Sondereinheiten der Luftwaffe an die SOG ausgeliehen, um den CIA-Kriegern jenes militärische Know-how zu vermitteln, auf das sie bei ihren Missionen angewiesen sind. Wird ein Soldat von der hochgeheimen Truppe ganz übernommen, dann werden seine Militärpapiere so geändert, dass sie eine ehrenvolle Entlassung ins Zivilleben vorspiegeln.

Über paramilitärische Sondereinheiten hatte die CIA schon seit ihren Gründungszeiten verfügt. Es war Präsident Harry S. Truman, der im Juli 1947 den »National Security Act« unterschrieb und damit die Basis für die CIA schuf. Truman beauftragte eine Hand voll Militärs mit dem Sammeln und Filtern sicherheitsrelevanter Fakten und Beobachtungen, vornehmlich, weil er sich nicht selbst jeden Tag durch Berge von Dossiers quälen wollte.

Der fünfte Paragraf der CIA-Richtlinien erweitert die Kompetenz der neuen Geheimgilde: Sie sollte sich auch um Belange kümmern, »welche die nationale Sicherheit betreffen«. Damit ermächtigte Truman die CIA zu verdeckten Operationen, auch zum Töten von Gegnern - falls erforderlich in Eigenregie. Die Amerikaner wollten nie wieder einen Überraschungsangriff erleben wie den der Japaner auf Pearl Harbor 1941 - eben deshalb ist der 11. September 2001 zu einem schweren Trauma geworden, und eben deshalb ist die Bereitschaft wieder groß, den CIA-Rambos freien Lauf zu lassen.

In den Anfangsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Rivalität mit Moskau auf einen Höhepunkt zusteuerte, war das Feindbild klar definiert. Die Methoden der CIA, stets auf der technischen Höhe ihrer Zeit, waren häufig filmreif - ein bisschen Bond, ein bisschen Frankenstein und sehr viel Terminator. Das Biogift Anthrax gehörte von Anfang an zum Repertoire des Geheimdienstes. Und wie die Konkurrenz vom KGB experimentierten auch die Amerikaner mit Wahrsagern, Parapsychologen, Spökenkiekern.

Der »Technische Service« hingegen war spezialisiert auf solche Experimente, wie sie jetzt Colin Powell dem Irak vorwirft: auf Menschenversuche. Dieses Ressort versuchte, Testpersonen zu Tötungsmaschinen umzupolen. Es pumpte Menschen mit LSD, Meskalin und anderen Drogen voll oder operierte Gehirne in der Hoffnung, das Gedächtnis manipulieren zu können. Das »Komitee zur Veränderung des Gesundheitszustandes«, dessen Name von George Orwell stammen könnte, hatte eine ganz altmodische Bestimmung: Attentate.

Berühmt und berüchtigt wurde schon damals das CIA-»Directorate of Operations«, auch heute noch die bürokratische Heimat der SOG. Dort wurden Regimewechsel konzipiert und Anschläge ausgeheckt. »Wenn der Präsident sagt, erledigt diese Regierung, achte ich einen Dreck auf Konsequenzen«, knurrte Richard Helms, CIA-Chef von 1966 bis 1973. Doch zumindest lang- oder mittelfristig waren die Folgen meist verhängnisvoll, wenn die CIA zu militärischen Mitteln griff.

Den ersten Regimewechsel ließ der DDO, der Deputy Director for Operations, 1953 in Iran vornehmen. Premier Mohammed Mossadegh hatte es gewagt, ein britisch-iranisches Ölkonsortium zu verstaatlichen. Die Erdölpreise, schon damals eine Hauptsorge der USA, beruhigten sich erst, nachdem ein von der CIA infiltrierter Mob Schah Mohammed Resa Pahlewi wieder auf den Thron gehievt hatte. 25 Jahre lang betrieb der das Geschäft der USA am Golf, doch dann wurde er selbst von einem eifernden Ajatollah hinweggefegt.

Mit einem rascheren Fiasko endete die Konterrevolution gegen Fidel Castro. »Schlage mich in die Büsche«, musste Kommandeur José Pérez San Román am Nachmittag des 19. April 1961 den CIA-Vorgesetzten melden. Seine Exilkubaner-Brigade 2506, die den Widerstand gegen den siegreichen Revolutionär mobilisieren sollte, war aufgerieben. 114 Mann trieben tot in der Lagune, fast 1500 gerieten in Gefangenschaft. Schlimmer noch: 18 Monate später standen die beiden gegnerischen Supermächte am Rande eines Nuklearkriegs, weil die verpatzte Kuba-Invasion die Sowjets auf den Gedanken gebracht hatte, sie könnten Atomraketen unentdeckt und ungestraft in gut 300 Kilometer Entfernung von Miami aufstellen.

War die CIA nun ein effizientes Werkzeug amerikanischer Außenpolitik? Oder ein »Horrorladen«, wie die »New York Times« lästerte, in dem machtbesessene Einzelgänger unkontrolliert ihrem Größenwahn nachgehen durften?

Häufig genug hat die CIA Recht behalten: Ihre Analytiker hatten beispielweise schon die Suez-Krise 1956 ziemlich genau vorhergesagt. Weil aber das Weiße Haus die Krise im Nahen Osten anders einschätzte und deshalb die Warnungen aus Langley ignorierte, war Präsident Dwight D. Eisenhower am Ende überrascht, als Großbritannien, Frankreich und Israel in Ägypten aufmarschierten.

Die Diskrepanz zwischen Politik und Geheimdienst-Erkenntnissen fiel noch krasser aus, als sich die Vereinigten Staaten tiefer und tiefer in Vietnam verstrickten. Wie die Pentagon Papers - die offizielle, zunächst geheim gehaltene Geschichte des Engagements Amerikas in Indochina - später zeigten, trieften die CIA-Berichte über die Aussichten Südvietnams im Krieg gegen die kommunistische Guerrilla aus dem Norden geradezu vor Pessimismus. Dennoch schickten erst Präsident John F. Kennedy und dann sein Nachfolger Lyndon B. Johnson Hunderttausende US-Soldaten in den südostasiatischen Dschungel.

Und abermals musste die CIA sich als williges Instrument im größten moralischen Desaster der amerikanischen Außenpolitik missbrauchen lassen. Agenten orchestrierten die Ermordung des südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem. Unter tätiger Mithilfe der paramilitärischen Truppen des Geheimdienstes lief das »Phoenix Program« ab - der Versuch, Vietcong aufzuspüren und auszuschalten. Ein CIA-Experte beurteilte den Erfolg der Aktion später mit den Worten: »Sie haben verdammt viele von den falschen Leuten umgebracht.«

Ein Untersuchungsausschuss, bekannt geworden unter dem Namen des vorsitzenden Senators Frank Church, befasste sich 1975/76 mit den Affären der Spionagebehörde und versuchte, dem »bösartigen Elefanten« CIA Zügel anzulegen. Künftig sollten die Agenten den Kongress über Beginn und Ziel jeder verdeckten Operation unterrichten.

Seit 1976 galt ein Erlass, wonach Angehörige der Geheimdienste nicht im Auftrag töten durften. Ein Jahr später stand der ehemalige CIA-Chef Helms vor Gericht und wurde verurteilt, weil er den Senat belogen hatte - für Washingtons Spione galt er fortan als Märtyrer, der sich dem Versuch entgegengestemmt hatte, den Geheimdienst abzurüsten.

Die Republikaner, die mit Ronald Reagan 1981 wieder an die Macht gekommen waren, versuchten, der CIA neuen Biss zu verleihen. Edward Bennett Williams, Helms'' Verteidiger und einer der wichtigsten Strippenzieher der Republikaner, hielt die Behörde für »einen großartigen Hund, der von einem Laster angefahren wurde«. Der neue Agentenchef William Casey wollte den Hund wieder gesund pflegen. Die erste Gelegenheit dazu erhielt er im irakisch-iranischen Krieg.

Casey stabilisierte die wankende Front der Iraker mit hochbrisanten Informationen über die Stärke der Iraner. Im Auftrag von Reagan sprach Ende 1983 der heutige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sogar bei Saddam vor, um ihn Washingtons Wertschätzung zu versichern. »Uns ist es scheißegal, wie lange die Schlächterei anhält, solange das Gleichgewicht der Macht am Golf nicht kippt«, sagte ein hoher US-Diplomat.

Währenddessen orientierte der CIA-Boss seinen Dienst an der Erwartungshaltung des fanatischen Antikommunisten im Weißen Haus: Berichte, die Moskaus Fähigkeit zur technologischen Hochrüstung bezweifelten, wurden eingestampft und durch linientreue Alarmmeldungen über die Rote Gefahr im Hinterhof der USA ersetzt. 1979 hatten die linken Sandinisten die Macht in Nicaragua erobert und waren angeblich dabei, die Revolution bis zur texanischen Grenze auszuweiten.

CIA-Agenten bildeten daraufhin die Contra-Rebellen aus, denen es allerdings nicht gelang, die Sandinisten aus dem Amt zu vertreiben. Um den Contras - am Kongress vorbei - Waffen zukommen zu lassen, fädelte Sicherheitsberater Robert McFarlane eine Intrige ein, die Reagan beinahe aus dem Weißen Haus vertrieben hätte.

Iran, offiziell der Erzfeind Amerikas, das Ajatollah Ruhollah Chomeini als »Großen Satan« geißelte, erhielt Ersatzteile und Waffen für seine noch vom Schah vornehmlich mit US-Material ausgerüsteten Streitkräfte. Aus den Zahlungen dafür zweigte die CIA dann 42 Millionen Dollar ab für die Finanzierung der Contras.

Der illegale Deal platzte, Casey wurde in einem Sturm der Entrüstung vor den Kongress zitiert, wo er jede brisante Frage lakonisch mit »Weiß ich nicht« beantwortete. Am Tag nach einer Anhörung brach der CIA-Chef zusammen und starb wenig später. Sein plötzlicher Tod habe Reagan peinliche Fragen erspart und womöglich das Amt gerettet, wird seither vermutet.

Auch Saddams Griff nach Kuweit hatte die CIA nicht rechtzeitig entdeckt. Der Krieg von 1991 und vor allem das Versäumnis von Präsident George Bush senior, die gegen den geschlagenen Despoten revoltierenden Schiiten im Süden und Kurden im Norden wirkungsvoll zu unterstützen, ließen alle CIA-Aktivitäten zwischen Euphrat und Tigris kollabieren.

Reihenweise verließen Irak-Experten im Laufe der nächsten Jahre die Agency, unter ihnen auch Warren Marik, der nach seinem Ausscheiden als CIA-Abteilungsleiter 1997 dem SPIEGEL über die fehlgeschlagene Politik seiner Behörde im Zweistromland berichtete. Hunderte Saddam-Gegner seien dadurch ans Messer geliefert, Putschversuche amateurhaft in den Sand gesetzt worden. Schließlich habe kaum noch ein Iraker mit den Tollpatschen aus Langley zusammenarbeiten wollen.

Afghanistan, schon zweimal Schauplatz groß angelegter CIA-Operationen, diente mehr als jedes andere Land als Rechtfertigung für die CIA-Krieger. Hier kämpfte die »Firma« ihren letzten erfolgreichen Krieg gegen das sowjetische Weltreich. Zu diesem Ziel lotste die CIA »etliche hunderttausend Tonnen Waffen und Munition zur Verteilung an die afghanischen Kämpfer, die der Welt als Mudschahidin bekannt wurden«, berichtete Milton Bearden, damals CIA-Chef in Pakistan.

Er war Augenzeuge, als die Russen 1989 über die »Brücke der Freundschaft« nach Hause abziehen mussten. Doch sofort verlor Amerika das Interesse an dem kargen zentralasiatischen Land. Es gab bald Wichtigeres in der Weltpolitik zu erledigen: Das sowjetische Imperium brach zusammen und löste sich auf. Der große Triumph wollte genossen sein.

In Afghanistan aber braute sich eine neue explosive Mischung aus Fundamenta-

lismus und Terrorismus zusammen. Aus einstigen Freiheitskämpfern wurden Quartiergeber für Terroristen, die frommen

Mudschahidin waren den noch frommeren Kämpfern der Taliban gewichen, und Bin Laden war ihr geehrter Gast. So wie die CIA als Werkzeug für die Außenpolitik herhalten musste, als es galt, die Sowjetunion zu besiegen, so war sie wieder zur Stelle, als es darum ging, die Taliban zu besiegen und Bin Laden zu jagen. In Afghanistan erlebte der Geheimdienst auch seine Rehabilitation.

Lange bevor die B-52-Bomber am Himmel über Kabul und Kandahar auftauchten, war Gary da, ein CIA-Veteran von 59 Jahren, ein Mann der Special Operations Group. Am Vorabend seiner Pensionierung wurde er mit der Mission beauftragt, im Norden Afghanistans die Lage zu sondieren. Er besaß Erfahrung, er sprach, mittlerweile eine absolute Rarität in der CIA, Paschtu und Dari. Vor allem aber verfügte er über drei Millionen Dollar in nicht fortlaufend nummerierten 100-Dollar-Scheinen, verstaut in einem Alukoffer.

Gary versammelte zehn Leute um sich, Agenten und Paramilitärs. Ihr Codewort hieß »Jawbreaker« - Kieferbrecher. Die kleine Schar durchstreifte die Region, um sich ein Bild von der Nordallianz zu verschaffen, die den Taliban militärisch Widerstand leisteten, ohne Fortschritte zu erzielen. Gary schrieb verschlüsselte Berichte an das Hauptquartier, in denen er machtvolle Luftschläge zur Kriegseröffnung empfahl: »In diesem Fall könnten die Taliban rasch zusammenbrechen und auf einen harten Kern um Mullah Omar schrumpfen.«

Aus seiner Kriegskasse bezahlte Gary drei Jeeps, einen Hubschrauber und was sein Team sonst noch brauchte. Er forderte Stiefel, neue Uniformen und warme Kleidung für die abgerissenen Soldaten der Nordallianz an. Deren Pferde bekamen Futter, abgeworfen aus Frachtflugzeugen.

Gary gab etliche Dollar für die Umwandlung eines Streifen ebenen Landes in ein Flugfeld aus. Und er spendierte einige hunderttausend Dollar, um die unschlüssigen Warlords und Kommandanten davon zu überzeugen, dass es Amerika ernst war mit der Beseitigung der Taliban und der Jagd auf Bin Laden.

Am 19. Oktober 2001 markierte seine Einheit einen Landeplatz auf der Schomali-Ebene bei Kabul für das erste Team der Special Operations Group. Jedes Mitglied dieses Kommandos hatte 140 Kilogramm Vorräte und Ausrüstung dabei. Dazu gehörte das Lasergerät für die Zielmarkierung. Der Krieg begann.

Die kleine Spezialeinheit der CIA, zu der sich bald andere Teams gesellten, fungierte als Quartiermacher, Kundschafter und Finanzier. Garys Einschätzung der Nordallianz und der Taliban legte die Basis für die Strategie, dass Amerika den Krieg aus der Luft führte und die Nordallianz als ihre Bodentruppen kämpfte.

Damit konnten die Vereinigten Staaten größere Verluste vermeiden. Damit war aber auch der Grundstein gelegt für die erbitterte Rivalität zwischen Pentagon-Chef Donald Rumsfeld und George Tenet um den richtigen Ein s atz ihrer Sondereinheiten. Denn die Kommandotrupps des Pentagon-Chefs waren weitaus stärker, und Rumsfeld verspürte wenig Lust, hinter den CIA-Mannen zurückzustehen. »Ich habe all die Jungs unter Waffen und muss wie ein kleiner Vogel im Nest warten, bis die CIA uns reinlässt«, schimpfte der Verteidigungsminister. Nach seiner festen Überzeugung hätte Bush den CIA-Chef, den letzten Überlebenden der Clinton-Regierung, längst in die Wüste schicken müssen.

Demütigender noch: Weil die CIA knapp an ausgebildeten Einzelkämpfern war, erhielt das Pentagon während des Afghanistan-Kriegs laufend Anforderungen, eigene Sonderkommandos dem CIA-Befehl zu unterstellen. »Die CIA führt Operationen aus, benutzt aber die Mittel des Verteidigungsministeriums«, schimpfte Pentagon-Berater William Schneider.

Es fehlt auch nicht an Mahnern, die auf die lange Liste von Fehlschlägen hinweisen, die immer dann folgten, wenn Langley-Truppen das Weltgeschehen nicht analysierten, sondern gestalteten. »Wie sich geheime Kriege in öffentliche Desaster verwandeln, ist ein Film, den wir alle schon gesehen haben«, warnt John Pike, Chef des Washingtoner Think Tanks »Global Security«. Doch auch bei den derzeit laufenden Einsätzen im Irak sind Rumsfelds Rambos einstweilen den Rivalen von der CIA unterstellt.

Für Rober Baer, den enttäuschten Irak-Experten der CIA, der sich sein Leben lang als Fußsoldat im Krieg des Geheimdienstes verstanden hatte, kommt die neue Begeisterung für die Sondertruppe seines alten Arbeitgebers zu spät. Dass die CIA ihre Leute nun wieder in die Moscheen und Kasbahs schickt, um herauszufinden »welches die Absichten unserer Feinde sind«, hält er immerhin für den richtigen Weg.

Nur Illusionen wie vor einem Vierteljahrhundert, es könne womöglich einen anständigen, sauberen Geheimdienst geben, die soll sich niemand machen, sagt Baer: Das Directorate of Operations, die Heimat der CIA-Armee, sei »die einzige Institution der Bundesregierung, die sich ganz der Aufgabe widmet, Gesetze zu brechen - ausländische Gesetze«.

RÜDIGER FALKSOHN, HANS HOYNG,

SIEGESMUND VON ILSEMANN, GERHARD SPÖRL

* Filmschauspieler Sylvester Stallone in »Rambo II« 1985.* Beim Transport zum US-Marinestützpunkt Guantanamo auf Kuba.

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