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FAMILIE Geheimnis im Wattestäbchen

Bei deutschen Vätern geht die Angst vor »Kuckuckskindern« um: Immer mehr Männer lassen untersuchen, ob ihr Nachwuchs wirklich von ihnen stammt. Jetzt will die Bundesregierung heimliche Tests verbieten. Von Bruno Schrep
• aus DER SPIEGEL 3/2004
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Techniker Gunnar Gosau glaubte bis vor kurzem an die Berechenbarkeit der Welt. Um Probleme zu lösen, so seine Überzeugung, genügten technischer Fortschritt, kühler Verstand und ein hohes Maß an Disziplin.

An seinem Arbeitsplatz, einem Atomkraftwerk, achtet er auf strikte Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Zu Hause im Wohnzimmer hat er seine Modellautos akkurat nach Farbe, Marke und Baujahr sortiert. Die Botschaft ist klar: Jedes Ding gehört an seinen Platz.

Das Foto, das jahrelang auf dem Schreibtisch in Gosaus Büro stand, war Teil dieser Ordnung. Wenn jemand nach dem hübschen Mädchen mit den langen dunklen Haaren, den graublauen Augen und den vollen Lippen fragte, antwortete der Techniker stolz: »Meine Tochter Katharina.«

Inzwischen ist das Foto weggeräumt. Der Techniker sagt auch nicht mehr »Ka-

tharina« oder »meine Tochter«. Er sagt jetzt: »Dieses Kind.«

Ausgerechnet der technische Fortschritt, auf den er so baut, hat in Gosaus Leben jene Unordnung angerichtet, die er so verabscheut: Dank moderner Testmethoden wurde nachgewiesen, dass er nicht der biologische Vater des Mädchens auf dem Foto ist.

»Ich fühle mich, als wenn mir jemand den Boden unter den Füßen fortgezogen hätte«, sagt der Techniker. »Alles, woran ich 18 Jahre lang geglaubt habe, ist plötzlich weg.«

Der Mann steht mit seinen Empfindungen nicht allein. Seit DNA-Analysen routinemäßig erstellt werden, seit der so genannte genetische Fingerabdruck jederzeit mühelos abrufbar ist, nimmt die Zahl von Vaterschaftstests ständig zu. Boris Becker hat es nach seinem flüchtigen Abenteuer in einem Londoner Hotel vorgemacht, Zehntausende sind ihm seitdem gefolgt: Immer mehr Männer wollen wissen, ob ihr Nachwuchs auch wirklich von ihnen stammt.

Eine wahre Testwelle hat Deutschland erfasst: Testpakete für Genanalysen werden bereits in Apotheken angeboten, Gebrauchsanweisung inklusive. Rund ein Dutzend privater DNA-Labore profitieren von einer immens wachsenden Nachfrage.

Kirsten Thelen kam als eine der Ersten die Geschäftsidee. Die promovierte Molekularbiologin schlug sich als Pillenvertreterin durch, als sie zufällig einen Artikel über den Anstieg von Vaterschaftstests las. Mit einer Freundin gründete sie das ID-Labor im Wiesbadener Industriegebiet. Zunächst liefen die Geschäfte schleppend. Inzwischen jedoch gehen jährlich rund 3000 Aufträge ein, 435 Euro kostet ein Test. »Ich kann nicht klagen«, sagt Thelen.

Zufrieden sitzt die 41-Jährige, rothaarig, blauäugig, verschnupft, in Jeans und kariertem Hemd in einem früheren Versuchslabor der Farbwerke Hoechst und philosophiert über die »Ursorge der Männer« vor untergeschobenen »Kuckuckskindern«. Auf dem Eisschrank, in dem die Proben konserviert werden, klebt ein Warnschild: »Vorsicht! Samenraubgefahr!«

Neben der Laborchefin rattert und klackert der »Genetic Analyser 3100«, ein 150 000 Euro teurer Analyse-Automat, der die Ergebnisse der einzelnen DNA-Proben in Kurven darstellt, auf Übereinstimmungen abgleicht und auf DIN-A4-Bögen ausdruckt.

Gewonnen wird der genetische Fingerabdruck aus nicht mehr als einem winzigen Tröpfchen Spucke. Die Testpersonen benetzen mit ihrer Mundschleimhaut ein Wattestäbchen, fertig. Auch Kaugummis, Zahnbürsten oder Kippen taugen als Material, selbst aus Haaren, getragenen Socken oder einem schmutzigen Hemd kann die entscheidende Spur herausgefiltert werden - eine revolutionäre Entwicklung.

Was seit Adam und Eva verschleiert werden konnte, wird jetzt gnadenlos offen gelegt: Keine Mutter kann mehr den Falschen zum Erzeuger ihres Kindes stempeln, kein Vater seinen Nachwuchs verleugnen. Ob das ein Segen ist oder ein Fluch, steht dahin. Sicher ist: So einfach das Verfahren funktioniert, so schwer fällt es vielen, mit dem Ergebnis umzugehen.

Die Wahrheit ist oft bitter: Bei jedem fünften Verdachtsfall kann ausgeschlossen werden, dass der vermeintliche Vater auch der Erzeuger ist. Häufige Folge: Vaterschaftsklagen, endlose Prozesse. Zerstörtes Vertrauen, Enttäuschung, Hass. Und die Erkenntnis, dass Sicherheit oft trügt.

Einer britischen Studie zufolge kommt jedes zehnte Baby als Kuckuckskind zur Welt - eine abenteuerliche Zahl. Doch selbst wenn eher die konservative Schätzung stimmt, wonach nur bei einer von 100 Geburten ein heimlicher Vater im Spiel ist, würden immerhin allein in Deutschland pro Jahr 7000 Kuckuckskinder geboren.

Oft führt nur ein Zufall zur Entdeckung. Ahnungslos lieferte kürzlich ein US-Soldat die Proben von sich und seinen drei Kindern in Wiesbaden ab. Er benötigte die Abstammungsbestätigung für den Einbürgerungsantrag seiner ausländischen Ehefrau in die USA.

Laborchefin Thelen hatte Angst, dem Mann das Ergebnis mitzuteilen: Keines der Kinder stammte von ihm.

Erst verstand der Soldat nicht richtig, fragte zweimal nach. Dann blieb er sitzen wie erstarrt, begann sich die Haare zu raufen und stand plötzlich auf: »Ich muss sofort zu meinem Seelsorger.«

Gutgläubig war auch der Techniker Gosau. Zwar scheiterte die Beziehung zur Mutter seiner vermeintlichen Tochter Katharina noch vor der Geburt. Die Frau schwor jedoch stets, dass kein anderer Mann als Vater in Frage komme.

Obwohl das Kind fern von ihm aufwuchs, entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis. Das Mädchen schilderte ihm am Telefon seine Schulprobleme, klagte über Schwierigkeiten zu Hause, wollte schließlich sogar zu ihm ziehen.

Zweifel säte erst die neue Freundin des Technikers. Die sah Katharinas Foto auf Gosaus Schreibtisch und stichelte: »Also ehrlich, Ähnlichkeit kann ich da nicht erkennen. Bist du dir wirklich sicher?« Gosaus Gewissheit geriet ins Wanken.

Die Tochter, inzwischen 18, machte den Test nur widerwillig mit. »Glaubst du wirklich, Mama hat dich betrogen?«, fragte sie empört.

Das Resultat schockierte beide. »Es tut mir Leid, dass ich nicht dein Vater bin«, bedauerte der Techniker am Telefon. »Kann doch überhaupt nicht sein«, schluchzte das Mädchen am anderen Ende.

Gefühle für die Tochter sind dem Sicherheitsexperten seit dem Test abhanden gekommen, Kontakt besteht nicht mehr. Und Katharinas Mutter, mit der er jahrelang locker umgehen konnte, wird von Gosau inzwischen als Gegnerin betrachtet.

Vor Gericht hat er die Annullierung der Vaterschaft und die Rückzahlung von 18 Jahren Unterhalt durchgesetzt. Inzwischen plant er, seine Freundin zu heiraten. Er will endlich auch biologisch Vater werden.

Dies wünscht sich auch Peter Marquardt sehnlichst. Der 40-Jährige, mittelgroß, Brille, unauffällig, ist ein besonderer Testfall: Er hat die Dienste des Wiesbadener Labors in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Anspruch genommen. Und jedes Mal bekam er dieselbe Botschaft: Vaterschaft ausgeschlossen.

Die Post aus Wiesbaden stürzte Marquardt regelmäßig in Selbstzweifel. »Bin ich so naiv?«, fragte er sich, »so weltfremd?« »Wirke ich wie jemand, den man so leicht ausnutzen kann?«

Vor Scham und Verzweiflung fiel er in tiefe Depression. Nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Nicht mehr das Gefühl haben müssen, vom anderen ausgenutzt zu werden.

Das erste Baby, das seines sein sollte, schob er 2002 im Kinderwagen durch einen Frankfurter Vorort, stolz und fröhlich. Die Mutter wollte er heiraten, deren drei andere Kinder adoptieren. Zum Test entschloss er sich erst kurz vor der Hochzeit.

Beim zweiten Baby, erneut von einer Frau mit mehreren Kindern, suchte er gleich Gewissheit. Weil er nicht ertragen konnte, wieder beschummelt worden zu sein, ließ er die negative Untersuchung sogar wiederholen.

Geblieben ist tiefes Misstrauen. Marquardt glaubt an nichts und niemanden mehr, wittert ständig die Gefahr, hintergangen zu werden. Mündlichen Vereinbarungen traut er grundsätzlich nicht, er möchte alles schriftlich.

Inzwischen argwöhnt er sogar, ihm werde ein leiblicher Nachkomme vorenthalten. Eine junge Frau, die nach einer kurzen Liaison mit ihm einen anderen heiratete, kam vor kurzem nieder. »Mit meinem Kind«, vermutet Marquardt, der das Sorgerecht anstrebt. Zum Beweis will er dem Baby heimlich einen Nuckel stibitzen. Der Schnuller soll dann zum Testen ins Labor.

Datenschützer sind über solche Tricksereien entsetzt - nicht nur sie: Um die Zulässigkeit heimlicher Vaterschaftstests ist politischer Streit entbrannt. Es geht, wie so oft, um die unterschiedlichen Interessen von Mann und Frau.

Erst kürzlich lehnte das Landgericht München I ein Testverbot ab. Begründung: Väter hätten ein Grundrecht zu erfahren, »ob ein Kind von ihnen abstammt«. Die rot-grüne Bundesregierung will dagegen in ihrem geplanten Gendiagnostikgesetz heimliche Tests verbieten. Ohne Zustimmung der Mutter und - bei Volljährigkeit - des Kindes soll nichts mehr laufen. Bei der jetzt gängigen Praxis, empörte sich Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), würden »Persönlichkeitsrechte des Kindes und der Mutter verletzt«.

Auch Lisa S. fühlt sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt, aus ganz anderem Grund: Die 39-jährige Frau weiß nicht, wer ihr Vater ist. Verzweifelt versucht sie, das Rätsel mit Hilfe der Biotechnik zu lösen.

In Ungewissheit und Verwirrung stürzte sie ausgerechnet die eigene Mutter. Die schleuderte ihr bei einem Streit entgegen, dass nicht der geliebte Vater, sondern ein anderer Mann ihr Erzeuger sei. »Warum sagst du mir das erst jetzt, um Gottes willen?« »Vergiss es.«

Lisa S. überkam nie gekannte Unsicherheit und Angst. »Als würde ein Gespenst aus dem Schrank springen«, erinnert sie sich. Ihre Kindheit, ihre Jugend mit dem Vater, die tausend Erinnerungen - alles erschien ihr wie eine große Lüge.

Immer wieder suchte sie auf alten Fotos nach Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Vater. Hat die Mutter wirklich die Wahrheit gesagt? Oder ist er es vielleicht doch? Weil der Mann seit elf Jahren tot ist, kramte sie seine vergilbten Briefe heraus, schickte die Marken zwecks Speichelanalyse ins Testlabor. Die Antwort: keine Übereinstimmung im untersuchten Erbgut.

Die Mutter nannte als Erzeuger einen Jugendfreund, ihre erste große Liebe. Den überredete Lisa S. zum Test. Ergebnis: Auch er ist nicht ihr Vater. Lisa S. gab nicht auf, forschte weiter bei Verwandten und Bekannten der Mutter nach etwaigen weiteren Testkandidaten, geriet dabei zunehmend in Isolation.

Die Verbindung zu ihrem Freund, der ihre verbissene Spurensuche nicht versteht, ist kaputtgegangen. Mit ihrer Mutter spricht sie kein Wort mehr, sie kann ihr nicht verzeihen. »Warum konnte sie das verdammte Geheimnis nicht für sich behalten?«

Der einzige Mensch, dem Lisa S. noch vertraut, ist ein katholischer Priester. Seine Gewissheit kann ihr kein Labor bieten: »Gott ist doch unser aller Vater!«

Der Ingenieur Georg F. glaubte nie an solche höheren Mächte. »Trotzdem denke ich jetzt manchmal, Gott hat mich für mein Handeln bestraft«, sagt er. Der Mann steht mit einem Stapel Schmutzwäsche im Flur seiner Hochhauswohnung und sucht mit einer Hand nach dem Kellerschlüssel: ein fast 70-Jähriger, gesundheitlich angeschlagen, leicht gebückt, allein erziehender Vater zweier kleiner Kinder - eines davon, das weiß er nun, ist nicht von ihm.

Rückblende: Mitte der achtziger Jahre geht es Georg F. richtig gut. Er verdient glänzend, ist hoch angesehen in seiner Firma. Der Ingenieur baut Stahlwerke in Südafrika und Kraftwerke in Indien, verhandelt mit Ministerpräsidenten, Scheichs und Sultanen. Auch zu Hause läuft alles nach Plan: Die drei Söhne, alle schon über 20, studieren, das Haus ist abbezahlt. Nur die Beziehung zur Ehefrau wird kühler.

Während eines Aufenthalts in Südostasien passiert es: Er lernt eine Sängerin kennen, schwarzhaarig, temperamentvoll, jung. Mit der schönen Asiatin reist er an der Küste entlang, begleitet die 22-Jährige bei jedem Auftritt, bringt sie schließlich nach Deutschland. »Ohne diese Frau kann ich nicht mehr leben«, erklärt er seiner Ehefrau. Es folgt die Scheidung, eine neue Heirat - und der Realitätsschock.

Die junge Frau hat Mühe, Deutsch zu lernen, fühlt sich nur unter Landsleuten richtig wohl. Bei denen klagt sie über Eheprobleme, über den »alten Mann« zu Hause. So oft es geht, fliegt sie in ihre Heimat. Dort wartet eine bitter arme Großfamilie auf Zuwendungen aus Deutschland. Mal muss ein Bruder aus dem Gefängnis freigekauft, mal ein Gemüseladen saniert werden. Der Ingenieur zahlt, so viel er kann.

Zwei Kinder werden geboren, Tochter Kati im Spätsommer 1994, Sohn Rico zwei Jahre später. Georg F. ist jedes Mal im Kreißsaal dabei, er ist ein begeisterter Vater. Vor allem die kleine Tochter, die so besonders asiatisch aussieht, so gar nichts von ihm hat, vergöttert er.

Die Ehe kann das nicht retten. Die fast 30 Jahre jüngere Frau fühlt sich eingesperrt, will mehr erleben, rastet bei jeder Gelegenheit aus. Dazu kommen Geldprobleme. Der Ingenieur hat seinen Job verloren, aus Altersgründen. Und er hat seine private Altersvorsorge, mehr als 700 000 Mark, bei Aktienspekulationen fast vollständig verzockt, kann den Clan seiner Frau nicht länger unterstützen. Das ist das Ende. Die Frau sucht im Internet nach einem neuen Partner.

Seit einem Jahr lebt Georg F. jetzt mit den Kindern allein. Seine Rente beträgt 285,93 Euro, dazu kommen Wohn- und Kindergeld. Morgens steht er vor sechs Uhr auf, bereitet Frühstück, bringt die Kinder zur Schule, wäscht, bügelt, kauft ein, kocht, hilft bei den Hausaufgaben, abends liest er Geschichten vor. »Nie hätte ich mir vorstellen können, einmal so zu leben«, sagt er.

Zum Vaterschaftstest entschließt sich Georg F. nach langem Zögern. Entscheidend sei nicht das Gerede über die Untreue seiner Frau gewesen, versichert er. Was dann? »Die Kinder sollen später Klarheit haben.«

An einem Dienstagvormittag führt er Kati und Rico zum Test ins Münchner Labor der Firma Genedia. Den Kindern, die nicht verstehen, warum ihnen Leute in weißen Kitteln Wattestäbchen in den Mund stecken, stellt er die Prozedur als wichtige medizinische Untersuchung dar.

Seit Georg F. weiß, dass Kati - anders als Rico - nicht von ihm stammt, klammert er sich noch enger an das Mädchen, ihn quälen Verlustängste. Er fürchtet, das Testresultat könne herauskommen, ihm als Folge das Sorgerecht entzogen und die geliebte Tochter weggenommen werden.

Deshalb hat er sich geschworen, das Ergebnis geheim zu halten, vor Behörden, vor seiner Noch-Frau, vor den Kindern. Nur Tochter Kati hat er einen langen Brief geschrieben; den soll sie an ihrem 18. Geburtstag lesen. Für ihn, schreibt er darin, spiele die biologische Vaterschaft keine Rolle: »Du bist und bleibst mein Herzstück!« Wenn sie jedoch erfahren wolle, wer der leibliche Vater sei, müsse sie die Mutter fragen, die ihn irgendwann betrogen habe: »Nur sie kann es dir sagen.«

Die meisten Männer fühlen sich als arglistig hintergangene Opfer, wenn sie nach Jahren herausfinden, dass sie nicht die Erzeuger sind. Manchmal kommt es jedoch auch vor, dass ihnen das umgekehrte Ergebnis schwer zu schaffen macht: Wenn nämlich, wie etwa bei Boris Becker, der DNA-Test zweifelsfrei ergibt, dass sie der Vater sind.

Immer wieder hatte Rolf M. seiner Freundin gesagt, dass er noch keine Kinder möchte. Klipp und klar. Dass er sich dazu viel zu jung fühle mit seinen 24 Jahren. Dass er erst mal seinen Installationsmeister machen wolle. »Und dann kam sie plötzlich und erklärte, sie sei schwanger«, empört sich Rolf M. »Es war ein echter Schock.«

»Du hast doch immer behauptet, du nimmst die Pille«, schimpfte er. Antwort: »Ich hab dir doch gesagt, dass ich sie schlecht vertrage.«

Der Handwerker, der sich hereingelegt fühlte, beschloss, sich von der Freundin zu trennen, Schwangerschaft hin, Schwangerschaft her. Er ließ sich durch nichts von seinem Entschluss abbringen: nicht durch die Briefe mit den Ultraschallbildern des ungeborenen Babys, nicht von Mahnungen seiner Freunde.

Überhaupt: Stammt der Nachwuchs wirklich von ihm? Oder hat ihn die Freundin doppelt hintergangen? Bevor er auch nur einen Euro zahlte, wollte er das genau wissen.

Beim Vaterschaftstest in Wiesbaden sah er den Jungen zum ersten Mal; er guckte kaum hin. Die Freundin versuchte, ihm von der Entwicklung des Säuglings zu berichten, vom ersten Lachen, von den ersten Versuchen, sich im Bett aufzurichten, doch er wollte nichts hören. »Lass mich in Ruhe!«

Dass er laut Test zweifelsfrei der Erzeuger ist, ändert an seiner Ablehnung nichts. Rolf M. will kein Vater sein, kein bisschen. Ließe er sich auch nur ein wenig darauf ein, so seine Befürchtung, könnten Emotionen aufkommen, die nicht steuerbar sind: Vatergefühle, womöglich auch wieder Empfindungen für seine Freundin. Beides will er nicht.

Ob sein Sohn später für solche Härte Verständnis aufbringt? »Wenn er was von mir hat, wird er mich verstehen«, glaubt der Vater.

* Mit Foto der angeblichen Tochter Katharina.

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