Lustvoller Lügner - DER SPIEGEL
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Lustvoller Lügner

Der Brite Tim Pears lässt in seinem Roman einen Geschäftsmann ins Grübeln kommen: über die Moral, die Monogamie und den Tod.
• aus DER SPIEGEL 13/2004
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John ist ein Großunternehmer, der gemeinsam mit seinem Bruder ein Vermögen mit der Züchtung von Kartoffeln gemacht hat - und er ist ein nur bedingt sympathischer Zeitgenosse: So vergnügt er sich regelmäßig mit fülligen Huren, weil ihm die »liebevollen Intimitäten« der Ehe »unerträglich geworden« sind, und lässt seine Frau Lily spüren, dass er sie für eine durchgeknallte New-Age-Anhängerin hält.

Erschüttert wird Johns Leben, als bei einem Versuch mit genetisch veränderten Kartoffeln zwei Menschen ums Leben kommen. Um darüber nachzudenken, was nun werden soll, fährt John im Auto umher - und lässt sein Leben an sich vorbeiziehen: den Tod des Vaters, erste Erlebnisse mit Frauen, Heirat, Familienleben mit Baby, wachsende Panik vor Krankheiten und körperlichen Verfallserscheinungen.

Der britische Autor Tim Pears, 47, berühmt geworden mit seiner wunderbaren Familiensaga »Land der Fülle«, wirft in diesem Roman einen unsentimentalen Blick auf die moderne Geld- und Beziehungswelt. Johns Gedanken und Empfindungen - samt seinem Eingeständnis, dass er gelegentlich lustvoll lügt - lassen ein kunstvolles, mitunter surreales Mosaik entstehen: Gentechnik, Geldgier und Moral, Liebe und Verrat, Heimatlosigkeit und Tod sind Probleme, denen Pears nachspürt - klug, mitunter drastisch und zum Glück kein bisschen politisch korrekt. Einziges Manko: Die Geschichte stolpert etwas unvermittelt in ein unbefriedigendes Ende. ANGELA GATTERBURG

Tim Pears

Wach auf!

Aus dem Englischen von Michael Schulte. Berlin Verlag, Berlin;

256 Seiten;

19,90 Euro.

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