So Irre - DER SPIEGEL
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KAISER So Irre

Der Herrscher des zweitärmsten afrikanischen Landes läßt sich zum Kaiser krönen.
• aus DER SPIEGEL 50/1977
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Manchmal«, so stöhnte der US-Bot-schafter in Bangui, der Hauptstadt des Zentralafrikanischen Kaiserreichs. »manchmal muß ich mich kneifen, um keine verrückten Nachrichten an meine Regierung zu telegraphieren. Was hier passiert, ist einfach so irre.«

Zuweilen ist es auch peinlich, makaber und anachronistisch. Die Kaiserkrönung im Bokassa-Sportpalast gegenüber der Bokassa-Universität an der Bokassa-Avenue im Schatten des Bokassa-Monuments von Bangui kam, so Peter Enahoro, Chefkolumnist des Nachrichtenmagazins »Africa«, »mit einem Jahrhundert Verspätung«.

Im unabhängigen Afrika. das sich anschickt, mit den letzten Anachronismen im Süden des Kontinents aufzuräumen, ist der Kaiserschmarren von Bangui mit Säuernis registriert worden. Schon Diktator Idi Amin aus Uganda hat mit seinen blutigen Possen dem Ruf Afrikas geschadet. Bokassa I. setzt dem nun die Krone auf.

Der »King of Kongs« (so der »Quotidien de Paris"). Besitzer einer Riviera-Villa, eines Ritterguts im Departement Loir-et-Cher, eines Schlosses in der Sologne und einiger Privatjets. herrscht über das zweitärmste Land des Kontinents.

Außerhalb der Hauptstadt Bangui gibt es keine Ärzte, kaum Schulen und nur eine befestigte Straße -- zu Bokassas Sommerpalast in Berengo. gut 100 Kilometer von Bangui entfernt.

Das Budget des Zwei-Millionen-Einwohner-Staates wird zu gut einem Drittel aus französischer Finanzhilfe gedeckt -- ziemlich genau der Anteil, den der Kaiser im laufenden Finanzjahr für das 50 Millionen Mark teure Krönungsspektakel verbraucht. 32.2 Millionen Mark steuerte im vergangenen Jahr auch die Bundesrepublik bei.

In Afrika hat Bokassa ("Papa Bok") so wenig Freunde, daß er selbst das verfemte Apartheid-Regime um Hilfe angeht. Die Südafrikaner haben ihm ein 250 Millionen Dollar schweres Entwicklungshilfepaket 7ugesagt. Sie wollen am Ubangi-Fluß den Tourismus ankurbeln, Schliff in Bokassas Diamanten-Marketing bringen und eine Eisenbahnlinie von Bangui ins benachbarte Kamerun bauen.

Bokassas beste Freunde aber sind und bleiben die Franzosen. Staatschef Giscard d"Estaing über Bokassa: »Frankreichs bester Freund in Afrika.«

Während der Kolonialzeit diente Bokassa 23 Jahre in der französischen Armee und will, wie er kürzlich in einem Interview bekräftigte, »bis zum Tode Franzose bleiben«.

Wie Karriere. Lebensart und Denkweise wurzelt auch der Cäsarenwahn des »Bauernkaisers« (Bokassa fiber Bokassa) in der französischen Vergangenheit. Sein Vorbild Napoleon Bonaparte, der Korse, ist der unfreiwillige Pate der Zentralafrikanischen Monarchie.

Der bronzene Thron in Form eines Adlers, die mit den 5000 schönsten Diamanten des Landes besetzte Krone und auch des Kaisers neue Kleider sind dem Korsen-Vorbild nachempfunden, wie auch das Zepter, mit dem er im Juli dieses Jahres Michael Goldsmith, den Pariser Korrespondenten der US-Nachrichtenagentur AP, zusammenschlug.

Napoleonischer Pomp, zumeist aus Frankreich bezogen und indirekt von Frankreich bezahlt (verlorene Zuschüsse seit 1960: 1,5 Milliarden Franc), soll die Krönungsfeier begleiten.

Per Flugzeug ließ Bokassa zwei luxuriöse Staatskarossen. den Kaiserthron, 125 Prachtsättel und 5100 Gala-Uniformen herbeischaffen. In weiteren Maschinen kamen 35 Pferde und 100 Tonnen Feuerwerksraketen. Eine DC-8 war nur mit Blumen vollgepfropft. Frachtkosten insgesamt: rund sechs Millionen Mark.

Unterdessen bittet die Welthungerhilfe um Spenden, weil überall im Kaiserreich die Brunnen austrocknen. Wenn nicht schnell geholfen wird, so die Uno-Organisation, droht »eine Katastrophe von äthiopischem Ausmaß«.

Napoleon Bokassa hat derweil -- auf seine Art -- für die Untertanen vorgesorgt. Ebenfalls aus Paris ließ er 1,5 Tonnen Orden für Gäste und Günstlinge einfliegen.

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