PRODUKTE / ERICOFON Dialog in Rot
Deutsche kennen den Apparat bislang nur aus Skandinavien oder aus Filmen, obwohl er zehn Jahre alt ist und schon anderthalb Millionen Stück davon verkauft wurden. Künftig aber dürfen auch Bundesbürger ein Ericofon im Haus haben.
Es ist ein eigenwillig konstruiertes Telephon der Stockholmer Firma Ericsson, das nur aus einem Stück besteht; die Wählscheibe steckt im Boden, die Spreehoffnung befindet sich da, wo sonst die Wählscheibe ist, und nach oben entwächst dem Gerät der Handgriff mit dem Hörer. Die Deutsche Bundespost ließ jetzt die schwedische Kuriosität, die laut Werbung »in einer reichen Farbskala« von »cool« (hellblau) bis »power-rot« angeboten wird, zum Betrieb für Nebenanschlüsse zu.
Mit ihrem Pop-Apparat wollen die Stockholmer zugleich etwas exportieren, was es in Westdeutschland noch nie gegeben hat: einen Käufermarkt für Telephone. Die mehr als zehn Millionen Fernsprechapparate in der Bundesrepublik sind fast ausnahmslos Einheitstypen in den drei Tönungen Schwarz, Grau oder Elfenbein, und die Post läßt 70 Prozent ihrer Kunden auch keine andere Wahl.
Nur wer neben einem Hauptanschluß noch Nebenstellen einrichtet, darf sie mit Apparaten in Sonderausführung bestücken, und auch da ist die Auswahl nicht groß. Siemens etwa bietet neben dem Normaltelephon Modelle mit längs aufliegendem Hörer. Standard Elektrik Lorenz baut Apparate mit Drucktasten statt der Wählscheibe, bei der Telefonbau und Normalzeit GmbH sind grünlichgraue Telephone die Norm, daneben gibt es Geräte, die in farbiges Leder gehüllt sind.
Telefonbau-Werbeleiter Ernst Uhlig, 60: »Ich glaube nicht, daß die Deutschen weniger farbenfreudig wären als andere Völker, wenn sie farbige Apparate kaufen könnten.« Für die Vermutung sprechen die Beispiele Schwedens und der USA, wo die Fernsprechgesellschaften ihre Kunden mit einer großen Auswahl von Modellen und Farben telephonbewußt gemacht haben.
Von rund vier Millionen schwedischen Fernsprechteilnehmern besitzen schon über 600 000 ein Ericofon. In den USA wird durch massive Werbung dazu verlockt, das Eigenheim vom Keller bis zum Dachstübchen mit Telephonen auszurüsten, und die Gestalter lassen sich ständig neue Formen und Farben einfallen.
Das Ergebnis: Auf jeden zweiten Amerikaner oder Schweden kommt bereits ein Telephon. Das bedeutet Weltrekord und zugleich hohe Gesprächseinnahmen für die Fernsprechgesellschaften, da erfahrungsgemäß um so mehr telephoniert wird, je mehr Apparate herumstehen.
Dagegen liegt Westdeutschland, wo nicht einmal auf jeden fünften Bürger ein Apparat kommt, erst an achter Stelle in Europa. Die Bundespost bremst die Telephonwelle, obwohl der Fernsprechdienst zu den wenigen gewinnbringenden Postsparten gehört. Sie besteht auf dem grauen Einheitstyp, weil er den Reparaturservice und die Lagerhaltung für Ersatzteile verbilligt. Technischem Spieltrieb ihrer Kunden und deren Drang nach Telephon-Prestige will die Post auch weiterhin nur bei Nebenstellen Raum geben.
Die aber sind teuer: Jede zusätzliche Sprechstelle kostet rund 14 Mark Miete und Gebühren im Monat. Die Deutsche Ericsson GmbH in Düsseldorf hofft dennoch, daß sie mit ihrem neuartigen Angebot auch Deutschlands Eigenheimer dazu bringen kann, sich Nebenstellen zu leisten. Außer dem Ericofon offerieren die Schweden noch den Apparat »Dialog«, der den herkömmlichen Telephonen gleicht, aber in acht Farben geliefert wird.
Ericssons Düsseldorfer Geschäftsführer John A. Some, 42, will im ersten Jahr mit 100 000 Mark für die skandinavischen Neuheiten werben. Er sieht nur eine Schwierigkeit: »Die Telephongebühren in Deutschland sind zu hoch, man kann sie auch durch Werbeaufwand nicht vergessen ma-