LEHRZEIT IN HYANNIS PORT - DER SPIEGEL
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KARRIEREN LEHRZEIT IN HYANNIS PORT

ARNOLD SCHWARZENEGGERS ANNÄHERUNG AN DEN KENNEDY-CLAN VON MARC HUJER
• aus DER SPIEGEL 41/2009
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An einem schwülen Spätsommertag im August 1977 steht Arnold Schwarzenegger auf dem Center Court von Forest Hills, wo sonst die U. S. Open der Tennisprofis ausgetragen werden, und gemessen an dem, was im Tennis als anständig gilt, ist Schwarzenegger unverschämt nackt.

Schwarzenegger ist Ehrengast beim »Robert F. Kennedy Pro- Celebrity«-Tennisturnier, einem Spaßturnier, das die Familie Kennedy jedes Jahr zum Andenken an den 1968 ermordeten Robert F. Kennedy veranstaltet. Es ist die Zeit, in der man Tennis noch in Weiß spielt. Tennis ist ein königlicher Sport. Königlich wie die Kennedys, der mächtigste Politikerclan Amerikas.

Schwarzenegger hat sich nach dem ersten Satz das T-Shirt vom Leib gerissen, das ohnehin viel zu eng ist für diesen Brustkorb, und nun kann man seinen Oberkörper sehen und den 51-Zentimeter-Bizeps, bei dessen Anblick seine Fans sonst »flex, flex, flex!« rufen - spann sie an, deine Muskeln. Aber an diesem Tag geht nur ein Raunen durchs Publikum. Teils belustigt, teils beschämt sind die Zuschauer, wie damals, als er in München für die Zeitschrift »Quick« im Slip durch die Fußgängerzone lief.

3000 Leute sind gekommen, Sponsoren und drei Generationen Kennedys. Unter ihnen ist Edward Kennedy, der demokratische Senator von Massachusetts, JFKs Schwester Eunice, ihr Mann Sargent Shriver, deren 21-jährige Tochter Maria sowie Jackie Onassis, die Witwe von JFK, die Schwarzenegger schon aus dem New Yorker Prominentenrestaurant Elaine's und von der Premierenparty für den Bodybuilding-Dokumentarfilm »Pumping Iron« kennt.

Neben ihm steht Roosevelt Grier als Doppelpartner, ehemals Bodyguard von Robert F. Kennedy, auch so ein Gorilla, und auch er mit entblößter Brust. Gerade haben die beiden den ersten Satz gegen zwei Teenager verloren, und nun wollen sie zeigen, dass man besser spielt, wenn man nahezu nackt ist. Auch im Tennis geht es ja am Ende nicht um Eleganz, sondern um den Sieg, so sieht es Schwarzenegger. In seiner Welt gehorcht alles dem archaischen Prinzip, dass der Stärkere den Schwächeren schluckt.

Der Auftritt ist ein amüsantes Schauspiel, aber darin steckt, als Karikatur verpackt, sein ganzes Erfolgsrezept. Die Leute lachen, aber die beiden Männer auf dem Center Court, der Bodybuilder und der Bodyguard, machen nun Ernst. Sie werden gewinnen, Spiel für Spiel und dann das Match.

Es ist der Tag, an dem Maria Shriver ihr späterer Mann zum ersten Mal auffällt. Sie bewundert »seine Eigenständigkeit, seinen starken Willen, seine Energie, seinen Humor«. Es ist für sie, trotz seines ungewöhnlichen Körpers, Liebe auf den ersten Blick. »Ich war mir sicher, dass ich an seiner Seite ein faszinierendes Leben führen würde«, sagt sie, aber ihre Geschichte klingt einstudiert. Während aus ihm immer alles herausbricht, die manchmal einfache, grobe Natur, versteckt sie sich zeitlebens hinter einer undurchdringlichen Maske.

In öffentlichen Äußerungen redet sie nie über den Moment, als sie ihn das erste Mal sah, erwähnt keine Zweifel so wie Schwarzeneggers Ex-Freundin Barbara Outland, verliert kein Wort darüber, was diese ungewöhnliche Erscheinung in ihr auslöst. Sie erzählt die Geschichte wie ein Schulmädchen, das sich das erste Mal verliebt, Frau, gerettet von Mann, nur dass Schwarzenegger keiner ist, der in ein Märchen passt.

Maria Shriver hat gerade ihren Bachelor in Amerikanistik an der feinen Georgetown University abgelegt, wie es sich für eine gute Kennedy gehört. Sie ist eine Prinzessin des Kennedy-Clans, neben vier Söhnen die einzige Tochter der Shrivers, und die sind sehr wählerisch, wenn es um den künftigen Mann ihrer Tochter geht. Es zählen Stand, Anstand, Vermögen. Männer, die Maria trifft, sind ordentlich, tragen Anzug und Krawatte.

Schwarzenegger ist, aus Sicht der Familie, kein guter Umgang für Maria. Marias ältester Bruder Robert »Bobby« Shriver erinnert sich daran, dass er Schwarzenegger für jemanden hielt, der mit Mühe »ein paar Dollar« zusammenbekommt. Während sich Schwarzenegger wie ein Filmheld fühlt, sehen ihn die Kennedys als besseren »Sportlehrer«. Außer Maria natürlich. Und so geht sie nach dem Tennisspiel zu ihrem Vater Sargent Shriver. Es muss in seinen Ohren wie ein Witz klingen, aber sie meint es ernst. »Daddy«, sagt sie, »wir fliegen doch jetzt gleich mit dem Flugzeug nach Cape Cod. Ist es in Ordnung, wenn wir Arnold Schwarzenegger fragen, ob er dort das Wochenende mit uns verbringt?« An diesem Nachmittag macht sie eine Ausnahme, kommt aus der Deckung und nutzt ihre Chance. Er soll das Projekt ihres Lebens werden.

Hyannis Port auf Cape Cod ist der Sommersitz der Kennedys, ein mythischer Ort der Macht, wo die Großfamilie eine Art Kolonie aufgebaut hat. Schwarzenegger muss wieder Tennis spielen, diesmal mit Marias Mutter Eunice Kennedy Shriver, und danach nehmen Marias Brüder und die anderen Kennedys ihn auf ihr Segelboot mit. Sie wollen wissen, wie er sich schlägt, wie oft er ins Wasser fällt und wie er reagiert, wenn sie sich über ihn lustig machen. Alles ist Wettbewerb für die Kennedys, ein dauernder Ausleseprozess. Sport sehen sie als Generalprobe für das richtige Leben - da sind sich die Weltanschauung der irischstämmigen Polit-Aristokraten und die des steirischen Bodybuilders erstaunlich ähnlich. Schwarzenegger ist nicht der Beste, weder im Tennis noch im Segeln, er fällt dauernd über Bord, erinnert sich Marias Bruder Robert, eine gute Figur jedenfalls macht er nicht. Aber stur kann er sein, taub für den Spott anderer, und das verschafft ihm manchmal mehr Respekt als die perfekte Vorhand beim Tennis oder die gekonnte Wende beim Segeln.

Er wusste natürlich, wer die Kennedys sind, aber was später so kalkuliert, so naheliegend scheint, nämlich dass er sich eine Kennedy angelte, um gesellschaftlich nach oben zu kommen, ja später sogar in der Politik Karriere zu machen, erscheint 1977 als nahezu absurd. Für Politik interessiert sich Schwarzenegger damals noch nicht, er will Filmstar werden, und zu keiner Zeit hat Schwarzenegger mehrere Dinge gleichzeitig geplant.

Was Maria betrifft, so mag Schwarzenegger besonders ihren Hintern, und es gefällt ihr, wie offen er damit umgeht. Marias Figur ist eine ständige Sorge der Mutter, sie findet ihre Tochter solle abnehmen, und dass Schwarzenegger sie nun ausdrücklich für ihre Figur lobt, gibt Maria Selbstbewusstsein. »Je größer der Hintern, desto größer die Freud'«, sagt man in Schwarzeneggers Heimat, und vielleicht war es für ihn deshalb gar nicht so abwegig, zu seiner künftigen Schwiegermutter zu sagen: »Ihre Tochter hat einen tollen Hintern.« Shriver ist jedenfalls stolz auf diesen Satz.

Schwarzenegger hat Respekt vor dieser Familie, vor dem Shriver-Haus, das innen wie ein Museum aussieht, wer hätte das nicht? Aber irgendwie ist es nicht seine Welt, sie ist so fern, er genießt das Wochenende wie ein Pauschaltourist.

Er hat nichts Passendes zum Anziehen dabei, keine Hose, kein Hemd, nichts jedenfalls, was er in der Kirche tragen könnte. Maria bringt ihm eine Hose ihres Bruders, die an den Schenkeln fast platzt, und ein Hawaiihemd, das aufklafft über seiner Brust. Er sieht lächerlich aus, wie in den Komödien, die er später spielt, wie in »Zwillinge« oder »Kindergarten Cop«. Es muss bizarr gewirkt haben, als er in diesem Aufzug zum ersten Mal die Kirche St. Francis Xavier in Hyannis Port betritt. Überhaupt ist das ganze Wochenende eine verrückte Geschichte, und eigentlich hätte man erwartet, dass er sie überall erzählt.

Aber als er zurück nach Los Angeles kommt, redet er nicht davon, nicht einmal sein bester Freund Franco Columbu erinnert sich daran, dass er die Sache groß aufgebauscht hätte. Er tat, als wäre nichts passiert, vielleicht weil er sich nicht viel aus der Sache machte. Vielleicht aber auch, weil es ihm ernster war und er nicht so herumprahlen wollte wie mit den anderen Mädchen.

Er hat zu der Zeit zudem eine Freundin in Los Angeles, Sue Moray, eine Friseurin aus Beverly Hills, die seine Sprache spricht und nicht so abgehoben wie die Kennedys ist. Und Schwarzenegger hat zunächst nicht die Absicht, sich von ihr zu trennen.

Seine Ex-Freundin Barbara Outland, die er noch gelegentlich trifft, erinnert sich, wie ihr Schwarzenegger das erste Mal von Maria Shriver erzählt hat, auch das ganz unaufgeregt, ganz nebenbei. Es ist ein Gespräch über gescheiterte Beziehungen, sie erzählt ihm von einem Verhältnis mit einem Piloten, er von seinem letzten Ärger mit Sue, und plötzlich sagt er: »Ich habe da ein anderes Mädchen getroffen: Maria.« Er sagt nicht, wer diese Maria ist, erst Monate später, als Gerüchte über ein Verhältnis der beiden in der Zeitung stehen, wird Barbara Outland klar, dass Schwarzeneggers Maria die Nichte von John F. Kennedy ist.

Maria Shriver und Arnold Schwarzenegger verreisen zusammen, nach Wien und nach Lech am Arlberg. Er findet, sie sei eine wunderbare Begleiterin, aber er ist nicht bereit für eine feste Beziehung. Er will sich nicht drängen lassen: »Maria sagt immer, es war Liebe auf den ersten Blick«, erinnert er sich später. »Ich bin in diesen Dingen langsamer. Ich springe nicht. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr unterhielt ich mich mit ihr, und nachdem ich sie immer öfter sah, begann ich sie zu lieben.« Distanzierter kann man es eigentlich gar nicht sagen.

Bis heute weiß kein Außenstehender, wie aus der Affäre mit Maria ein ernsthaftes Verhältnis wurde. In einem Interview mit dem »Stern« prahlt er, kurz nachdem er Maria kennengelernt hat: Jetzt habe er, was die Mädchen betreffe, »in jeder Stadt a schöne List'n z'amm«. Die Zeit ist bewegt, die Geschichten sind möglicherweise zu verletzend, als dass einer von beiden sie erzählen will. Es ist der Beginn einer Beziehung, die alles andere ist als ein Schulmädchentraum.

Shriver braucht Schwarzenegger mehr als er sie. Für sie ist er so etwas wie eine Therapie. Sie reizt offenbar, was auch andere Frauen an ihm gereizt hat, das Rohe, Brutale, Unfertige. Schon Barbara Outland hat das angespornt, auch sie fand in Schwarzenegger ein Projekt: aus ihm einen Gentleman zu machen, der anständig Englisch spricht und Tischmanieren beherrscht.

Vielleicht ist es das, was Maria Shriver nicht mehr loslässt: dieser verschobene Blick, etwas im Partner zu sehen, das niemand sonst in ihm sieht. Es ist ein Band, das ein Paar zusammenhalten kann, auch wenn das Verhältnis von außen immer nur wie eine merkwürdige Verirrung wirkt.

Maria Shriver und Arnold Schwarzenegger führen eine Fernbeziehung zwischen Ost- und Westküste. Beide sind ehrgeizig, beide wollen Erfolg, er als Filmstar, sie als Journalistin. Sie sehen sich nur an Wochenenden. Dazwischen lebt jeder sein Leben. Das ist ihnen wichtig, vor allem ihm.

Zunächst aber sind die Zeiten für Schwarzenegger nicht leicht. Der Ruhm von »Pumping Iron« beginnt zu verblassen, ein nennenswertes Filmengagement hat sich daraus nicht entwickelt. Zwar dreht er im Herbst 1978 in Arizona die Westernkomödie »Kaktus Jack«, in der er den Leibwächter eines hübschen Fräuleins spielt, aber eine gute Figur macht er nicht, und der Film ist schnell wieder vergessen.

Als sich Schwarzenegger danach entschließt, als »Conan« einen Barbarenkrieger aus grauer Vorzeit zu spielen, sind viele Freunde überrascht. George Butler, der »Pumping Iron«-Regisseur, hält es sogar für eine krasse Fehlentscheidung. Die Figur passt nicht zu Schwarzeneggers neuem, höherem Anspruch, eine Art Künstler am eigenen Körper zu sein.

Conan ist eine Fabelfigur, die in vorgeschichtlicher Zeit gelebt haben soll, ein Held, der ungeheure Kräfte besitzt und in die zivilisierte Welt hinauszieht. Er beginnt sein Leben als Dieb, wird zum Piraten und schließlich König von Aquilonien. Schöne Frauen umgeben ihn, er führt ein Leben im Überfluss, aber er wird stets von Intrigen und Putschversuchen bedroht und kämpft gegen Zauberer, Drachen und Schlangen.

Der Autor Robert Howard hat sich diese Figur während der Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ausgedacht, mitten in der Cowboywelt von Texas, in der meist das Recht des Stärkeren galt. Die Geschichten erschienen im Magazin »Weird Tales«. Aber Hollywood ist dankbar für »Conan«. Der ewige Frust, die Untergangsstimmung der Vietnamkriegsjahre, die Filme wie »Apocalypse Now« und »Star Wars« hervorgebracht hat, weckten den Wunsch nach Neuem; auch nach einem neuen Männlichkeitsbild. »Wenn es Arnold für ,Conan' nicht gegeben hätte, hätten wir uns einen Arnold schaffen müssen«, erinnert sich »Conan«-Regisseur John Milius. Milius ist damals einer der größten Machos von Hollywood. Wenn es nach ihm geht, sollen Männer wieder männlich wirken, nicht so schwächlich wie Dustin Hoffman.

Für »Conan«, das muss Schwarzenegger klar sein, wird er keine gute Kritik in der »New York Times« bekommen oder dem »Boston Globe«, der Heimatzeitung der Kennedys. Aber darum geht es ihm nicht, er will berühmt werden, Aufsehen erregen, er will auffallen, nicht gefallen. Conan scheint ihm dafür die passende Rolle zu sein.

Maria Shriver versteht, was Outland nie akzeptieren konnte: Schwarzeneggers Ehrgeiz. »Conan« ist seine Chance. Es ist ein Film, der Opfer verlangt, der Spott programmiert. Seine Freunde warnen ihn vor diesem Schritt, sie fürchten, dass er verliert, was er sich mit Mühe aufgebaut hat: das Image eines sanfteren, zivilisierteren Bodybuilders, den Beginn einer ernstzunehmenden Schauspielerkarriere nach dem Gewinn des »Golden Globe«. Aber Maria will all das gar nicht hören.

Sie glaubt an seinen Instinkt. Sie ahnt, was ihre Freundinnen über »Conan« denken, oder dass ihre Familie sie fragen wird, ob sie ihren Freund nicht umstimmen könnte, um ihn vor dem Gespött der Kritiker zu bewahren. Aber sie bestärkt ihn. Gut möglich, dass ihn das langsam immer stärker zu Maria Shriver hinzieht, dieser unverwüstliche Glaube an ihn. Sie rät ihm nie ab wie die anderen, drängelt nicht, dass er zurück auf die Schauspielschule gehen soll, um anspruchsvollere Rollen zu bekommen. Stattdessen unterstützt sie ihn in seinem eher autobiografischen Projekt, erst den rohen Conan, dann den Terminator, die etwas ausgereiftere Brutalo-Maschine zu spielen.

Sie mag nicht jeden Film, den er dreht, genauso wenig wie sie später jede politische Position mit ihm teilt, aber der gemeinsame Nenner zwischen ihnen ist der Erfolg. Wenn Maria überzeugt ist, dass ein Film zum Erfolg werden kann, dann hält sie zu ihm, bedingungslos, selbst wenn ihn alle anderen peinlich finden. Sie interessiert sich für das, was er macht, besucht ihn am Set, liest seine Drehbücher und gibt Kommentare zu Textstellen. »Niemand hat geglaubt, dass er so weit kommen kann«, sagt Maria Shriver, »außer uns beiden.«

Schwarzenegger lernt viel von den Kennedys, und sicher ist seine spätere politische Karriere kaum denkbar ohne die Lehrzeit in Hyannis Port. Er lernt auch die soziale Ader der Kennedys kennen und wie man untereinander darüber spricht. »Eine Menge ihrer Dialoge daheim drehten sich um die Frage: Was können wir für andere tun? Sport ist eine sehr selbstbezogene Aktivität, denn du denkst nur an dich als Athleten. So gesehen war es ideal für mich, dass ich diese andere Seite sehen konnte, wo man nicht über sich redet, sondern über den 'Nächsten'.«

Er wird deshalb kein Gentleman. Er hört zu, aber er imitiert nicht. Lediglich mit dem Zigarrenrauchen beginnt er, weil Sargent Shriver es so macht. Aber die Sätze in seinen Filmen werden deshalb nicht länger, sie werden nicht intelligenter, weil er Umgang mit Sargent Shriver hat. Und sein Image wird nicht weicher, weil er so viel über Nächstenliebe hört.

Schwarzenegger lernt jetzt Samurai-Schwertkampf, Breitschwertkampf und Kendo, er verbringt Zeit mit den »Hells Angels« in Los Angeles, und er beginnt, mit den Händen zu essen und zu schmatzen, um ein besseres Gefühl zu bekommen »für die Zeit vor dem Beginn der Zivilisation«. Monatelang bereitet er sich auf die Rolle vor. Er sagt, er habe »barbarisches Benehmen« erlernen wollen.

Im Mai 1982 kommt der Film in die Kinos. Wie zu erwarten war, sind die Kritiken nicht sonderlich gut. Die »New York Times« beschreibt »Conan« als eine »Kinderphantasie für Erwachsene«, Schwarzeneggers schauspielerische Leistung vergleicht sie mit »Mister Ed, dem sprechenden Pferd«. Wirtschaftlich aber wird »Conan« ein Erfolg. Am ersten Wochenende nach dem Kinostart spielt der Film 9,6 Millionen Dollar allein in den Vereinigten Staaten ein. Neben »Terminator« wird »Conan der Barbar« zum wichtigsten Film in Schwarzeneggers Karriere.

Gleichzeitig tritt Schwarzenegger eine gesellschaftspolitische Lawine los. Denn sein Auftritt in »Conan der Barbar« entfacht eine Diskussion um Gewalt, die sich von nun an mit seinem Namen verbindet. Kritiker zählen nach, wie viele Gewaltszenen es in Filmen gibt, und in allen Hitlisten führt immer Schwarzenegger als Conan. Das Magazin »Time« regt sich über »eine Art psychopathischer Star Wars« auf, das Magazin »New York« stört sich am »brutalen Realismus«, und je alarmierender der Ton ist, desto mehr nutzt es ihm. Für die einen ist er ein Held, für die anderen die Personifizierung von Dummheit und roher Gewalt.

Sein Instinkt rät ihm weiterzumachen.

»Terminator« heißt sein nächstes großes Filmangebot. Er soll eine mörderische Menschenmaschine spielen, das Cyberdyne Systems Modell 101, das nur in Einzeilern spricht. Es ist die Rolle, die ihn zur Ikone machen wird, aber seine Freunde, ebenso wie die Kennedys, sind sich gar nicht so sicher, ob es eine gute Idee ist, einen Bösewicht zu spielen, noch dazu einen, der eine Frau erledigen will. Der Terminator wird aus der Zukunft geholt, um Sarah Connor zu töten, bevor sie ihren Sohn zur Welt bringt, der später den Kampf der Menschen gegen die Maschinen führen wird. Der Film verfügt nur über ein bescheidenes Budget von 6,5 Millionen Dollar. Aber Schwarzenegger glaubt, er sei wie für ihn gemacht, und er nimmt die Rolle an. Seinem Bodybuilding-Mentor Joe Weider vertraut er den größten Vorteil des Projekts an: »In dem Film muss man nicht schauspielern.«

Zur Vorbereitung verbringt Schwarzenegger drei Monate beim Training mit Waffen: Maschinengewehre, Schrotflinten, Revolver, Handgranaten. Er lernt, nicht mit den Augen zu zwinkern, wenn er schießt. Er lernt, so kühl zu töten, sagt er, wie John Wayne. Und sprechen muss er auch im Terminator nicht viel. Nur ein paar Zeilen Text sind vorgesehen, darunter sein »I'll be back«, das ein Stück amerikanischer Popkultur wird.

In einem Gespräch im Sommer 2009 erinnert er sich an den Moment, als er das erste Mal »I'll be back« sagen musste. »Ich wollte nicht 'I'll be back' sagen«, so Schwarzenegger. Das klang ihm zunächst nicht cool genug, das satte Doppel-L nach dem I, so unmännlich weich. Er habe lieber »I will be back« sagen wollen, klar, abgehackt, männlich, aber James Cameron bestand darauf: Nur »I'll be back« klinge richtig amerikanisch.

Im Frühjahr 1985, knapp acht Jahre nachdem er Maria Shriver kennengelernt hat, kauft Arnold Schwarzenegger einen Brillantring, den teuersten, den er bekommen kann. Er nimmt sich noch einmal ein wenig Zeit, trägt ihn ein halbes Jahr mit sich herum, weil er auf die richtige Gelegenheit wartet. Dann entschließt er sich, mit ihr nach Österreich zu fahren, zu seinem 38. Geburtstag, der schon deshalb eine besondere Bedeutung hat, weil sein Vater mit 38 Jahren heiratete.

Er zeigt Maria Shriver Graz, den Schlossberg und Thal, sein Geburtshaus sowie den Thalersee. Dann mietet er ein Boot und rudert mit Maria hinaus in die Mitte des Sees. In seiner Erinnerung ist es »ein herrlicher, sonniger Tag. Um uns herum waren überall wunderschöne grüne Berge. Wir ruderten, und ich dachte: 'Das ist der perfekte Augenblick.' Keiner war in der Nähe, der uns stören oder unterbrechen konnte, wie es so oft passiert, wenn ich wo hinkomme. Ich fand es sehr romantisch. Also machte ich ihr einen Antrag«.

Schwarzenegger ist alles andere als ein romantischer Mensch. Seine Ex-Freundin Barbara Outland weiß noch, wie ihr Schwarzenegger von dem Heiratsantrag erzählte. »Du weißt doch, wie Frauen sind«, erinnert sie sich an Schwarzeneggers Worte. »Ich habe ihr den größten Ring gekauft, den ich finden konnte. Dann sind wir zusammen in den Urlaub nach Graz gefahren, ich bin mit ihr auf den See rausgerudert und habe ihr einen Antrag gemacht. Natürlich sagte sie 'Ja'.«

Ein Dreivierteljahr nachdem Schwarzenegger Maria Shriver hinaus auf den Thalersee gerudert hat, am 26. April 1986, heiraten sie in der Kirche St. Francis Xavier in Hyannis Port. In der Kirche, in der Schwarzenegger bei seinem ersten Besuch im Hawaiihemd gesessen hat. Diesmal trägt er einen schwarzen Frack mit einer weißen Einsteckblume. Maria Shriver schleppt einen vier Meter langen Brautschleier von Christian Dior hinter sich her.

450 Gäste sind geladen, darunter Oprah Winfrey, Grace Jones und Andy Warhol, der sich zur Ehe mit dem Satz äußert: »Die wahre Freiheit beginnt, wenn man mit dem Sex durch ist.«

Die Gäste schreiten an den Absperrungen der Polizei vorbei, als gingen sie auf dem roten Teppich zur Oscar-Verleihung. Caroline Kennedy ist da, die einzige Tochter des ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy, die kurz darauf selbst heiraten wird. Sie ist Trauzeugin, ebenso wie Franco Columbu, Schwarzeneggers knorriger Muskelfreund aus Sardinien.

Es wird lange gefeiert. Caroline Kennedy überreicht das Brautjungferngeschenk: Kamm, Bürste, Spiegel aus Sterlingsilber. Und Schwarzenegger schenkt seinen Schwiegereltern ein Porträt von Maria Shriver, das er bei Andy Warhol in Auftrag gegeben hat, und sagt dazu: »Ich bekomme eine Frau, ihr bekommt ein Gemälde.«

Es ist ein lautes Fest, es werden noch viele Reden gehalten, Witze erzählt, und mehrfach beschwört Schwarzenegger seine Liebe zu seiner Braut. Und Andy Warhol, der großen Spaß an dieser »Bilderbuchhochzeit« hat, wird in seinem Tagebuch notieren: »Ich habe noch nie erlebt, wie Liebe so heraustrompetet wird.«

Auszug aus: »Arnold Schwarzenegger. Die Biographie«.SPIEGEL-Buch, Deutsche Verlags-Anstalt, München; 320 Seiten; 19,95Euro.* Mit Steve Smith, Maria Shriver, Caroline Kennedy.

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