Kampf den Kristallen - DER SPIEGEL
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Kampf den Kristallen

• aus DER SPIEGEL 9/1995
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kryotechniker, die sich mit den Eigenschaften der Materie bei extrem niedrigen Temperaturen beschäftigen, haben staunenswerte Fortschritte bei der Nahrungsmittelkonservierung und beim Transport elektrischer Energie erzielt.

Noch weiter reichen die Erfolge der Kryobiologen. Die nahezu unbegrenzte Kälte-Konservierung von Blut, Zellmaterial und menschlichem Samen ist mittlerweile eine Standardprozedur. Ganze Herden von Zuchtrindern werden, in Form von tiefgekühlten Embryonen, im Handgepäck zwischen den Kontinenten transportiert.

Schon heute leben auch Tausende von gesunden Menschen auf der Erde, die - als Embryos - auf minus 196 Grad tiefgefroren waren. Weltweit lagern in Hunderten von Kältebanken Zehntausende eingefrorener Embryonen, die jederzeit zwecks Austragung aufgetaut werden können.

Bei Experimenten mit dem Einfrieren ausgewachsener Tiere erzielten die Kältewissenschaftler bislang jedoch nur bescheidene Erfolge. Spinnen oder Frösche etwa können - dank körpereigener Kühlschutzmittel - einige Tage mit Körpertemperaturen unter Null Grad überleben. Beim Menschen können nur bestimmte, zur Transplantation vorgesehene Organe eingefroren werden: Haut und Augenhornhaut, Blut und Teile der Bauchspeicheldrüse.

Bei größeren, stark durchbluteten Organen stößt die Gefriertechnik an ihre Grenzen. Nieren zum Beispiel lassen sich höchstens zwei bis drei Tage eisgekühlt - aber ungefroren - aufbewahren.

Wissenschaftler vom amerikanischen Roten Kreuz arbeiten derzeit an einer neuartigen Technik, Vitrifikation (Verglasung) genannt. Ziel ist es, die zerstörerische Bildung von Eiskristallen beim Gefrierprozeß zu verhindern. Da jedes Organ jedoch anders auf Kälte reagiert, wird auch die Vitrifikation ein Einfrieren kompletter Menschen, wie es Alcor in Phoenix, TransTime im kalifornischen Oakland und das Cryonics Institute in Michigan betreiben, nur unter starker Beschädigung der Zellstruktur erlauben.

»Der Glaube, Kryonik könne jemanden wiederbeleben, der eingefroren wurde«, sagt Arthur C. Rowe, ehemaliger Direktor des kryobiologischen Rot-Kreuz-Labors in New York, »ist so ziemlich dasselbe wie die Idee, aus einem Hamburger wieder eine Kuh zu machen.«

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