So teuer und nutzlos sind Restschuldversicherungen - DER SPIEGEL
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Banken-Tricks Restschuldversicherungen können Sie sich sparen

Banken verkaufen ihren Kunden massenhaft Kreditversicherungen, etwa für den Todesfall. Dabei sind diese teuer und häufig komplett nutzlos. Jeder Vierte tappt in die Falle.
Foto: Michael Walter/DER SPIEGEL
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Seinen Humor hat Ludger Altenkamp nicht verloren. "Sie wissen, was ich von Beruf bin?", fragt er selbstironisch, bevor er über seine Erlebnisse mit der Ostsächsischen Sparkasse berichtet. Denn Altenkamp ist Staatsanwalt, und als solcher weiß er eigentlich, dass eine gutbürgerliche Fassade nichts zu bedeuten hat. "Aber nie hätte ich gedacht, dass eine Sparkasse mich so abzieht."

2014 und 2016 nahm Altenkamp zwei Kredite auf - einmal 30.000 und einmal 15.000 Euro. Beide Male schloss er dabei auch sogenannte Restschuldversicherungen ab, die einspringen sollen, wenn ein Kreditnehmer stirbt. Die Policen kosteten knapp 2900 beziehungsweise rund 2000 Euro. "Da habe ich schon gemault", sagt Altenkamp, "aber die Bankberaterin erklärte mir: ohne Versicherung keinen Kredit."

Erst Jahre später, als er eine Sondertilgung vornehmen wollte, las Altenkamp in seinen Vertragsunterlagen, dass der Abschluss angeblich freiwillig war. "Da blieb mir die Luft weg! Meine Frau und ich haben gute Gehälter und ein Eigenheim. Wir brauchen keine Restschuldversicherung."

Vor allem aber: Im Ernstfall helfen viele dieser Policen wenig.

Nur bei 0,3 Prozent aller Verträge tritt laut Statistik überhaupt der Versicherungsfall ein. Dabei sind sie auf dem Papier oft nicht nur für den Todesfall, sondern auch als Hilfe bei plötzlicher Arbeitslosigkeit oder Krankheit gedacht. "Oft aber sind die Verträge voller problematischer Klauseln, etwa mit Blick auf Vorerkrankungen des Versicherungsnehmers", sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Trotzdem kauft einer von vier Kreditnehmern eine Restschuldversicherung gleich mit ein, selbst wenn das Darlehen nur für einen Kühlschrank gedacht und dementsprechend überschaubar ist.

In einer repräsentativen Umfrage, die das Hamburger Forschungsinstitut IFF für die Verbraucherzentrale Sachsen erstellen ließ, wurde teilweise klar, warum. 43 Prozent der Befragten erklärten, ihre Bank habe ihnen schlicht suggeriert, ihr Kredit werde ohne die angebotene Restschuldversicherung nicht ausgezahlt. Auch Autohändler oder Elektronikmärkte, die vermehrt auch Finanzierungen für ihre Kunden anbieten, schwatzen vielen die Versicherung gleich mit auf.

Kein Wunder, denn für die Anbieter handelt es sich um ein lukratives Geschäft. 80 bis 90 Prozent des Versicherungspreises seien Vertriebsprovisionen, "meist für die Bank", heißt es in einer Präsentation der Bank of Scotland.

Das Institut ist eins der wenigen, das Restschuldversicherungen ablehnt. Die Muttergesellschaft der Bank nämlich hat ihren Sitz in Großbritannien, und dort hat man so seine Erfahrung gemacht mit den Produkten. Nach diversen Gerichtsurteilen mussten britische Geldinstitute ihren Kunden seit 2011 umgerechnet über 30 Milliarden Euro für nicht statthafte Restkreditversicherungen zurückzahlen.

Die dortige Finanzaufsicht hat längst verfügt, dass die Policen nur mit sieben Tagen Abstand zum Kreditvertrag verkauft werden dürfen - und das nur ohne Druck auf die Kunden.

In Deutschland nimmt das Geschäft mit den Verträgen dagegen teils absurde Züge an. Ein Leipziger Ehepaar, das einen Ratenkredit über 38.400 Euro aufnehmen wollte, ließ sich 2016 von seiner Bank sogar eine Restschuldversicherung zum Preis von 18.500 Euro andrehen.

Wie willkürlich solche Preise festgelegt werden, zeigt ein Vergleich des Maklerportals Check24. Vertreter der Website fragten bei diversen Anbietern eine Restschuldversicherung mit Komplettschutz an - für ein und denselben Musterkunden mit ein und demselben Musterkredit. Der Preis der Angebote schwankte zwischen 995 Euro und 2838 Euro.

Oft gibt es für die Versicherungen nicht einmal einen eigenen Vertrag, sondern nur ein Kästchen auf dem eigentlichen Darlehenskontrakt, das angekreuzt werden muss. Im Fall von Staatsanwalt Altenkamp wurde der Preis für die Versicherung zudem automatisch zur Kreditsumme addiert, sodass noch Zinsen fällig wurden.

Immer wieder schlagen Verbraucherschützer wegen derartiger Koppelgeschäfte Alarm. Die Grünen-Abgeordnete Nicole Maisch mahnt seit Langem Maßnahmen gegen die "Abzocke" an.

Doch erst jetzt, kurz vor Ende der Legislaturperiode, kommt Bewegung in die Diskussion. Anlass ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Versicherungsvertrieb. Nach der ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag seien Verbraucherschützer "erstmals mit dem Thema an die SPD-Fraktion herangetreten", sagt der Bundestagsabgeordnete Marcus Held. "Ich sehe dringenden Regelungsbedarf."

Auch sein Kollege von der CDU, Klaus-Peter Flosbach, fordert "eine klare Pflicht zur Aufklärung, dass der Kunde die freie Wahl hat, ob oder zumindest welche Restschuldversicherung er abschließt. Auch die Kosten des Produkts müssen offengelegt werden". Wie weitreichend solche Regelungen sein können, soll jetzt erörtert werden.

Jurist Altenkamp werden sie nicht mehr helfen. Er hat Strafanzeige gegen seine Bankberaterin erstattet, wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Auch wenn ihm die Sache vor den Kollegen "etwas peinlich" sei.

Die Ostsächsische Sparkasse hält seine Vorwürfe für "völlig unzutreffend". Es habe eine "umfangreiche und fachgerechte Beratung" gegeben, die intern "lückenlos dokumentiert" sei. "In unserem Hause sind die Kreditvergaben nicht zwingend an Restschuldversicherungen gebunden", heißt es zudem. "Prinzipiell nehmen sich unsere Berater für dieses sehr individuelle Produkt sehr viel Zeit."

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