Im neuen SPIEGEL Streit um die Todesstrafe; NSA späht Smartphones aus; Gesang der Fledermäuse; Interview mit Keith Richards
Pritsche in einer Todeszelle
Foto: Anonymous / APLiebe Leserin,
lieber Leser!
Die Todesstrafe halte ich für den Sündenfall des Rechtsstaats. Auch deshalb hat mich die Rekonstruktion der Hinrichtung des US-Bürgers Clayton Lockett im Staatsgefängnis von Oklahoma besonders berührt. Mein Kollege Markus Feldenkirchen hat Locketts letzte Minuten auf der Todespritsche minutiös nachgezeichnet. Er macht deutlich, wie entsetzlich die bürokratisch ausgeführte Tötung eines Menschen abläuft - in einem Staat, der von sich behauptet, der Welt Freiheit und Sicherheit geben zu wollen.
An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Andreas Ulrich, 51, seit 1999 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Ressort Deutschland II.
Was ich bereits ahnte - jetzt weiß ich es: Der US-Geheimdienst NSA will offenbar direkt auf mein Smartphone schauen, wenn ich damit im Internet surfe. Das belegt auf erschreckende Weise die exzellent recherchierte Geschichte meiner Kollegen Andy Müller-Maguhn, Laura Poitras, Marcel Rosenbach und Michael Sontheimer, die erneut Unterlagen von Whistleblower Edward Snowden ausgewertet haben. Demnach verfügt die NSA über ein Projekt namens Schatzkarte. Damit sollen sämtliche Zugänge in die digitale Welt verzeichnet werden: eine detaillierte Weltkarte des Internets. Was nützt es da, wenn die Deutsche Telekom erklärt, ein Zugriff ausländischer Geheimdienste "auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel"? Die NSA tut, was sie will und kann - weil sie es kann.
Dass Fledermäuse Liebeslieder singen und in dieser Kunst sogar von ihren Eltern unterrichtet werden, gehört zu den Phänomenen, die mir bislang verborgen geblieben waren. Mein Kollege Philip Bethge beschreibt das Liebeswerben der Fledermäuse so anschaulich, dass ich seinen Bericht mit Begeisterung gelesen habe. Jetzt weiß ich sogar, dass Weibchen der Großen Sackflügelfledermaus auf bestimmte Gerüche stehen: eine Mischung aus Urin, Speichel und anderen Sekreten.
Nein, nicht schon wieder, dachte ich, als ich das Interview meines Kollegen Thomas Hüetlin mit dem Ur-Rocker Keith Richards von den Rolling Stones auf den Schreibtisch bekam. Über diesen Dinosaurier des Rock 'n' Roll will ich nun wirklich nichts mehr wissen - weil ich bereits alles zu wissen glaubte. Dann aber hat mich der nette Plauderton des Rockopas über seine Kindheit, den Großvater, seine Kinder und Enkelkinder doch schnell in seinen Bann gezogen. Jetzt weiß ich: Kinder von Popstars haben's auch nicht leicht.
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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Andreas Ulrich