Im neuen SPIEGEL Was Menschen Twitter-süchtig macht; der Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit über Massenmörder; junge Menschen entdecken das E-Bike; Skatspiel in der Krise
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Nervt es Sie auch, wenn jemand alle fünf Minuten E-Mails checkt, Facebook-Postings liest oder WhatsApp-Nachrichten tippt? Dann sollten Sie um Menschen, wie sie meine Kollegin Laura Backes in ihrem Text "Immer was zu melden" vorstellt, einen Bogen machen. Bei den Protagonisten handelt es sich nämlich um Hardcore-Twitterer, die jeden Tag bis zu hundert Alltagsbeobachtungen oder Botschaften für ihre Follower absondern. Einer der Schreiber ist ein ehemaliger Journalist und erklärt es so: "Ich kann selbst bestimmen, was ich veröffentliche, und muss mich bei keinem Textchef durchsetzen." Bilden Sie sich am besten selbst ein Urteil darüber, ob der Mann ein Lektorat braucht oder nicht.
Keinen kleinen und entbehrlichen Info-Happen im Twitter-Stil, sondern einen langen, anspruchsvollen Text liefert in dieser Woche mein Kollege Romain Leick. Er hat mit dem Kulturtheoretiker Klaus Theweleit über dessen neues Buch "Das Lachen der Täter" gesprochen. Darin geht es um die Frage, was Menschen zu Massenmördern oder Terroristen macht, die töten, foltern, vergewaltigen. Theweleit liefert einige Antworten, und eine scheint mir in den Tagen des IS- und Boko-Haram-Wahnsinns besonders wichtig zu sein: "Es gibt Leute, die suchen die gewalttätige Auseinandersetzung, weil sie sie körperlich, psychophysisch brauchen. Welches Etikett sie sich dafür aufkleben, ist wirklich schietegal."
An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Guido Kleinhubbert, 42, seit 2006 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Deutschland-Ressort.
Als ich ein junger Kerl war, knatterten etliche meiner Mitschüler noch mit motorisierten Fahrrädern, kurz Mofas, durch die Gegend. Über die Jahre verschwanden die Dinger fast komplett aus den Dörfern und Städten, warum auch immer. Nun könnte das Mofa als fester Bestandteil der Jugendkultur zurückkehren, vermutet mein Kollege Christian Wüst. Er beschreibt, wie die großen Hersteller den E-Bike-Markt aus der "Geriatrieecke" holen wollen - und mit Hochdruck an elektrischen Fahrrädern arbeiten, sogenannten Pedelecs, die auch beim jungen Publikum ankommen. Ein Problem gilt es noch zu lösen, schreibt Wüst: E-Bikes lassen sich nämlich spielend leicht frisieren. Genauso wie die Mofas von früher: Einer meiner Mitschüler konnte deswegen mit Tempo 70 um die Schule brettern.
An meine Kindheit musste ich auch denken, als ich den Text von meinem Kollegen Matthias Schulz übers Skatspielen las. In den Gasthäusern meines westfälischen Heimatdorfes traf man sich fast jeden Abend zum "Kartenkloppen", dazu trank man literweise Bier und qualmte eine Zigarette nach der anderen. Dann kam das Rauchverbot, das laut Deutschem Skatverband einer der Gründe dafür ist, dass der alte Denksport in die Krise geriet. Doch es besteht offenbar Hoffnung - immer mehr Menschen spielen es nun nämlich auf dem Smartphone.
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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Guido Kleinhubbert