Im neuen SPIEGEL Der Friedensforscher - ein Söldner der guten Sache; Rebell für die Fahne Russlands - Interview mit dem Anführer der Aufständischen, Alexander Sachartschenko; Kämpfer gegen die Todesstrafe - der US-amerikanische Anwalt Dale Baich
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Wenn wir in die Welt schauen, erkennen wir: Kriege folgen auf Kriege, Revolutionen auf Revolutionen; eben noch friedliche Städte verwandeln sich in Ruinen. Als Auslandskorrespondent habe ich solche Kriege erlebt und beschrieben, in Tschetschenien, in Afghanistan, im Südkaukasus. Eine große Rolle spielt dabei immer wieder der internationale Waffenhandel. Mein Kollege Ralf Hoppe hat im renommierten Stockholmer Sipri-Institut mit dem Friedensforscher Pieter D. Wezeman gesprochen, der den globalen Waffenhandel wissenschaftlich erforscht. Hoppes Reportage "Söldner für das Gute" sollten Sie lesen! Wezeman sieht "keinen Grund zum Optimismus". Der niederländische Wissenschaftler erkennt Macht und Gier als die "treibenden Kräfte" bewaffneter Konflikte. Es seien, so Wezeman, heute mehr Mächte an globalen Waffendeals beteiligt als noch vor 15 Jahren, darunter auch Länder wie Pakistan, Indien, Bangladesch und Burma.
An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Uwe Klußmann, 54, seit 1990 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Ressort Sonderthemen.
Was geschieht, wenn ein Konflikt nicht zuletzt durch Waffentransfer angeheizt wird, schildert mein Kollege Christian Neef in einem kommentierten Interview mit dem "Oberhaupt" der international nicht anerkannten, von prorussischen Rebellen aber proklamierten "Donezker Volksrepublik", Alexander Sachartschenko. Der frühere Bergwerkselektriker hat Einreiseverbot in der EU und in den USA, in der Ukraine steht er auf der Fahndungsliste. Sein hochgerüsteter De-facto-Staat am Ostrand der Ukraine wird von Russland unterstützt.
Neef kennt sich in diesem Teil der Welt aus wie kaum ein anderer deutscher Journalist. Sein Interview mit dem Chef der Donezker "Volksrepublik" sollten Sie auf jeden Fall dann lesen, wenn Sie wissen wollen, warum es so schwierig ist, für den Konflikt eine politische Lösung zu finden.
"Dass Kiew ihn als Gesprächspartner ignoriert", schreibt Neef über Sachartschenko, "das ist das größte Hindernis für Friedensverhandlungen." Das Interview dokumentiert auch die unversöhnliche Haltung der Rebellen gegenüber der ukrainischen Regierung. Die Rebellen wollen ihr Territorium noch ausdehnen, was zu neuen Kämpfen führen kann. "Wir sind keine Bürger der Ukraine", sagt Sachartschenko - auch weil er weiß, dass in Moskau eine einseitige Anerkennung seiner "Volksrepublik" bereits erwogen wird. Da häuft sich Sprengstoff an.
Eines übrigens verbindet die weithin geächtete "Donezker Volksrepublik" mit den international geachteten Vereinigten Staaten von Amerika: In beiden Gemeinwesen gibt es die Todesstrafe. Näheres darüber können Sie in einem Bericht meines Kollegen Markus Feldenkirchen aus den USA lesen - empfehlenswert! Er beschreibt, wie zum Tode verurteilte Häftlinge durch Giftspritzen bis zu zwei Stunden lang leiden mussten. Feldenkirchen schildert die Bemühungen des Anwalts Dale Baich, eine der verwendeten Substanzen per Gerichtsbeschluss verbieten zu lassen. Das könnte der Anfang vom Ende der Todesstrafe sein, hofft Anwalt Baich. Zunächst freilich, so berichtet Feldenkirchen, werde man im US-Staat Utah "zum Erschießungskommando zurückkehren".
Der Firnis der Humanität, das erfahren wir aus dem neuen SPIEGEL, ist dünn und brüchig.
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Ich wünsche Ihnen eine gute Woche
Uwe Klußmann