Neue Milliardenlöcher bei der Bahn - DER SPIEGEL
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Neue Milliardenlöcher bei der Bahn

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Deutsche Bahn AG wird in den nächsten drei Jahren Verluste von jährlich zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarden Mark schreiben und erst 2004 wieder Gewinne machen. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL unter Berufung auf Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt. Bisher hatte das Unternehmen für diesen Zeitraum einen Profit von insgesamt zehn Milliarden Mark geplant. „Das Ergebnis ist eine Katastrophe“, bestätigte Klimmt.

Im DB-Konzern, der seine Bestandsaufnahme noch nicht abgeschlossen hat, kursieren derzeit noch viel drastischere Zahlen, schreibt das Magazin: Danach entstünde in 2001 ein Defizit von 1,5 Milliarden Mark, das in den beiden Folgejahren auf je zwei Milliarden Mark steigen könnte. In diesem Zusammenhang erwarten bahnnahe Kreise die Ablösung von Finanzvorstand Diethelm Sack und seines Marketingkollegen Klaus Daubertshäuser, der zuvor Nahverkehrschef der Bahn war.

Der für 2004 angestrebte Börsengang ist laut Klimmt „damit vom Tisch“. Stattdessen wird im Verkehrsministerium und im Kanzleramt derzeit ein rascher Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an ausländische Unternehmen diskutiert, um so frisches Kapital zu beschaffen und einen Hebel für harte Sanierungsschnitte zu schaffen.

Schuld an dem Debakel sind schlampige Planungen in der Vergangenheit: Bei der Bahn wurde, rot-grünen Regierungsvertretern zufolge, in der Vergangenheit jahrelang oftmals an der Realität vorbei geplant. „Wir starten jetzt eine Sanierungs-Offensive, um unser Produkt zu verbessern und mehr Verkehr auf die Schiene zu holen“, sagt Bahnchef Hartmut Mehdorn dem SPIEGEL. Mehdorn will nun zusätzlich über zehn Milliarden Mark ins Schienennetz und neue Züge investieren, um so „eine neue Stufe der Bahnreform zu zünden.“ Neben dem Finanzdesaster der Bahn macht Verkehrsminister Klimmt in dieser Woche im Kabinett auch seinen Verkehrsbericht zum Thema. Die von einer Regierungskommission vorgeschlagene allgemeine Straßenbenutzungsgebühr will Klimmt dann endgültig zur Seite legen. „Ein gesamtgesellschaftlicher Konsens“, so der Bericht, „dürfte nur schwer herstellbar sein.“ Nur die Schwerverkehrsabgabe soll ab 2003 kommen und LKW mit zunächst 25 Pfennig pro Kilometer belasten. (DER SPIEGEL 45/00, Seite 22)