Neue Spur im Fall Lockerbie - DER SPIEGEL
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Neue Spur im Fall Lockerbie

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die schottische Staatsanwaltschaft und die Anwälte der beiden Angeklagten im Lockerbie-Prozess haben in den vergangenen Wochen in Norwegen Hinweise überprüft, die auf eine palästinensische Terror-Organisation als Urheber des Anschlags auf einen Jumbo-Jet der Fluggesellschaft Pan American schließen lassen. Dies berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Bei dem Bombenattentat über der schottischen Ortschaft Lockerbie waren am 21. Dezember 1988 alle 259 Insassen der Maschine und 11 Dorfbewohner getötet worden.

Am 9. Oktober hatte der schottische Chefankläger, Lord Advocate Colin Boyd, mitgeteilt, er habe „komplexe und hochsensible“ Informationen erhalten, über die er „zurzeit keine weiteren Angaben machen“ könne. Die Unterlagen seien „aus einem fremden Land“ übersandt worden und für die „Beweisführung im vorliegenden Fall relevant“. Bei den Papieren soll es sich, so DER SPIEGEL, um Aufzeichnungen und Dokumente des Palästinensers Mobdi Goben handeln, die der Polizei dort nach dessen Tod übergeben worden seien.

Goben war Mitglied der „Volksfront für die Befreiung Palästinas – Generalkommando“ (PFLP-GC) und bereits 1988 ins Visier der Ermittler geraten. Damals lebte er in Jugoslawien und galt als Quartiermeister, Waffen- und Sprengstofflieferant für in Europa operierende Terror-Kommandos der PFLP-GC. Bei einer Razzia der jugoslawischen Polizei in seinem Haus in Krucevac waren im Dezember 1988 7,5 Kilo Semtex-Plastiksprengstoff, 2 Kilo TNT, 484 Bombenzünder und meterweise Sprengkabel gefunden worden.

Die Unterlagen sind nach Angaben von William Taylor, dem Verteidiger des Angeklagten Mikrahi, geeignet, Zweifel an der Schuld des Angeklagten zu mehren. Sie enthielten, so Taylor am vergangenen Dienstag vor Gericht, unter anderem Angaben darüber, „wie die Bombe an Bord“ des Pan-Am-Jets „gekommen sei“. (DER SPIEGEL 45/00, Seite 56)