Schäubles Suche nach neuer Betätigung
Einen Dämpfer hat das Verhältnis zwischen Wolfgang Schäuble und seiner Nachfolgerin im CDU-Vorsitz, Angela Merkel, bekommen. Anlass sind nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL Überlegungen Schäubles, im kommenden Frühjahr den Vorsitz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu übernehmen. Der frühere Parteivorsitzende habe seiner Nachfolgerin Angela Merkel eine Reihe unannehmbarer Bedingungen gestellt, berichten übereinstimmend mehrere Mitglieder des Stiftungsvorstands. So soll Schäuble verlangt haben, dass Vertraute von Altkanzler Helmut Kohl wie der frühere Kanzleramtsminister Anton Pfeifer sowie Kohl selbst aus den Stiftungsgremien verschwinden. Merkel lehnte dies ab. Bedenken gegen Schäuble bestehen außerdem, weil der Ausgang der gerichtlichen Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage im Zusammenhang mit einer 100000-Mark-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber nach wie vor ungewiss ist.
Nachdem er mit seinem Vorstoß bei Merkel gescheitert sei, heißt es in der CDU, strebe Schäuble nun den Vorsitz der Europäischen Volkspartei (EVP) an. Den hat derzeit der frühere belgische Premier Winfried Martens inne. Bei der Neuwahl 2002 könnte Schäuble für den Vorsitz kandidieren, um dann aus dem konservativen Sammlungsbündnis eine echte europäische Partei zu machen. Doch auch hier ist der Konflikt mit seinem Vorgänger und Erzrivalen Kohl programmiert. Wie Schäuble sucht auch Kohl sein politisches Wirkungsfeld vornehmlich auf europäischer Ebene. Erst kürzlich traf er sich mit Martens. (DER SPIEGEL 45/00, Panorama Deutschland)