Wo die Bahn die größten Verluste macht
Die Finanztricks der Deutschen Bahn (DB) waren der rot-grünen Regierung schon seit anderthalb Jahren bekannt, ohne dass sie dagegen etwas unternommen hat. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofs von 1999. Danach habe das Bundesverkehrsministerium unkritisch Zahlen der Bahn übernommen, die von 1994 bis 1997 einen Gewinnzuwachs um 223 Prozent auf 583 Millionen Mark ausweisen. In Wahrheit, so der Rechnungshof, sei der Gewinn nur um knapp 20 Prozent gestiegen.
Unterdessen sind jetzt die größten Milliardenlöcher im Finanzdesaster der Bahn identifiziert: So entstehen im Signalbau und bei den elektronischen Stellwerken Mehrkosten von je einer Milliarde Mark. Die ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Köln kostet nach aktueller Planung drei Milliarden Mark mehr; 2,7 Milliarden Mark davon soll die Bahn tragen. Auch für die ICE-Strecke Nürnberg-München entstehen Mehrkosten von über einer Milliarde Mark. Auf den Knoten Berlin entfallen zusätzliche Kosten von zwei Milliarden Mark die Hälfte davon soll wahrscheinlich der Bund übernehmen. Für den Abbau von Gleisanlagen fallen überdies 500 Millionen Mark mehr als geplant an.
In ihrer Finanznot müssen die Bahner, so das Magazin, nun alles verkaufen, was sie nicht dringend brauchen. Dazu gehören nicht nur ihre Laubenpieper-Kolonien entlang der Gleise, die die Bahn zum wohl größten Schrebergarten-Besitzer der Republik gemacht haben, sondern auch das zuvor aufwendig sanierte Tagungszentrum Zabeltitz, ein Barockschlösschen in Sachsen. (DER SPIEGEL 46/00, Seite 134)