Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Stasi-Spitzeln
Die Gauck-Behörde rechnet trotz der Übergabe der Stasi-Kartei aus den USA mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Identifizierung bisher unbekannter Spitzel. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, sind oftmals unter einem Decknamen mehrere Personen verzeichnet. Über das Problem habe die Gauck-Behörde in der vergangenen Woche auch eine Delegation des Bundestags-Innenausschusses informiert. Bei früheren Lieferungen des amerikanischen Geheimdienstes CIA habe dieses Problem gelöst werden können: Die Amerikaner hätten nur die Namen der 1988 noch akti-ven Westspitzel geliefert, über die auf einem Sonderblatt zahlreiche weitere persönliche Daten vermerkt waren.
Dies, so der SPIEGEL, gelte bei den jetzt Stück für Stück übergebenen Daten der "Altfälle" allerdings nicht. Als solche gelten Spitzel, die vor 1980 in Westdeutschland aktiv waren. Der Direktor der Stasi-Akten-Behörde, Peter Busse, sagte dem SPIEGEL:"Der Spekulation ist damit Tür und Tor geöffnet. Wir wissen noch nicht, was da auf uns zukommt." Der Berliner Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau warnt: "Wenn jetzt neue Namen auftauchen, werden sich alle große Zurückhaltung auferlegen müssen, statt sinnlose Verdachtsschöpferei zu betreiben."
Wie der SPIEGEL weiter schreibt, steht auch ein ehemaliger Spitzenfunktionär der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Verdacht, zu den Altagenten zu zählen. Er soll kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament unter dem Decknamen "Löwe" die Stasi mit Interna aus der Union versorgt haben. (DER SPIEGEL 47/00, Seite 82)