Arzneimittelbehörde vor dem Kollaps
Die staatliche Kontrolle über den deutsche Arzneimittelmarkt ist derzeit in einem katastrophalen Zustand. Wegen Personalmangel und schlechter technischer Ausrüstung schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe schafft es das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn nicht, Altpräparate zügig zu überprüfen und notfalls zu verbieten. Die Behörde steht vor dem Kollaps, sagt der seit August amtierende BfArM-Chef Harald Schweim dem SPIEGEL.
Ein Drittel der Wissenschaftler, Ärzte und Pharmazeuten der Behörde, die derzeit von Berlin nach Bonn umzieht, hat gekündigt oder sich versetzen lassen. Ein für die Personalverwaltung zuständiges Computersystem hatte zudem den Milleniumswechsel nicht überlebt.
Das Bundesinstitut hat es nach eigenen Angaben bisher versäumt, 12500 Alt-Medikamente zu prüfen. Nach EU-Recht hätte sie deren Nachzulassung bereits im Mai 1990 abschließen müssen. Kritiker monieren außerdem, dass die Zulassung neuer Präparate viel zu lange dauere.
Um der Notlage bei der Bundesbehörde, die für die Zulassung und Kontrolle aller Pharmapräparate zuständig ist, zu begegnen, bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages jüngst 40 neue Stellen und fünf Millionen Mark für neue Computer.
(DER SPIEGEL 48/00, Seite 278)