BSE ist überall - DER SPIEGEL
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BSE ist überall

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach Einschätzung des Rotterdamer Virologen Albert Osterhaus sind in Deutschland schon BSE-Rinder geschlachtet und verzehrt worden. Auf jedes entdeckte BSE-Rind kämen statistisch gesehen zwei kranke Tiere, die unerkannt durch die Kontrollen schlüpften, sagte Osterhaus dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Osterhaus, Mitglied im wissenschaftlichen Lenkungsausschuss der EU-Kommission, zeigte sich außerdem überzeugt, dass auf jedes BSE-Rind zusätzlich zahlreiche infizierte Tiere entfallen, die noch nicht erkrankt sind. Davon sind nach Osterhaus´ Meinung in Deutschland „mehrere Dutzend“ in die Nahrungskette des Menschen gelangt, die anderen stünden noch unerkannt in den Ställen. Für Osterhaus steht mit den ersten beiden aufgefallenen BSE-Fällen fest, dass das BSE-Risiko in Deutschland ebenso groß ist wie in Frankreich. Dort sind bereits Menschen an der durch BSE ausgelösten Sonderform der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben.

Im Fall des mutmaßlichen BSE-Rinds aus Schleswig-Holstein hatten Mitarbeiter eines privaten Labors nach Angaben des SPIEGEL nicht mal eine Woche suchen müssen, um bei Reihentests zum ersten Mal fündig zu werden. Selbst die Wissenschaftler seien schockiert gewesen, wie schnell sie auf BSE-Fleisch gestoßen seien.

Unterdessen mehren sich Befürchtungen, in Würsten aus Deutschland könne trotz eines EU-Verbots, das seit Oktober gilt, noch Hirn verarbeitet werden. Der EU-Verbraucherkommissar David Byrne beklagte sich, er habe in der Frage nach Kontrollen bei der jüngsten Sitzung mit den EU-Landwirtschaftsministern keine befriedigende Antwort bekommen.

(DER SPIEGEL 48/00, Seite 22)