US-Präsident Clinton zum SPIEGEL: "Gore hat gewonnen"
In ungewöhnlich offenen Worten hat Präsident Bill Clinton zu der noch immer nicht entschiedenen Wahl seines Nachfolgers Stellung genommen. "Gore hat in Florida gewonnen", versicherte der scheidende Präsident dem SPIEGEL-Korrespondenten Stefan Simons am Rande einer Buchpräsentation in Washington. Für Clinton steht fest, dass Gore die Stimmenmehrheit im Sonnenstaat und damit dessen entscheidende 25 Wahlmännerstimmen gewonnen hat.
Sollte dem Republikaner George W. Bush der Sieg nun ohne vollständige Überprüfung der Ergebnisse in Florida zugesprochen werden, werde diese Fehlentscheidung schon in wenigen Wochen aufgedeckt werden. Denn dank der liberalen Gesetze in Florida könnten schon sehr bald Professoren mit ihren Seminaren damit beginnen, die Wahlzettel nachzuzählen. Dadurch bestätigte Zweifel an seiner Legitimation dürften das Amt eines Präsidenten Bush schwer beschädigen, warnte Clinton.
Das vergebliche Ringen um ein Verbot von Anti-Personen-Minen sowie um eine Friedenslösung für den Nahen Osten empfindet Clinton als die empfindlichsten Niederlagen seiner Amtszeit, die er insgesamt gleichwohl für erfolgreich hält. "Ich war vielleicht nicht der größte Präsident, aber ich hatte acht amüsante Jahre", lautet das persönliche Resümee des Präsidenten. Schade sei, dass das Verbot einer Wiederwahl nach zwei Amtsperioden "für das ganze Leben gilt". (DER SPIEGEL 49/2000, Seite 228)