Belastende Briefe in der CDU Hessen - DER SPIEGEL
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Belastende Briefe in der CDU Hessen

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Der hessische CDU-Vize Franz Josef Jung gerät nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL in der Finanzaffäre der Partei erneut unter Druck. Hintergrund ist der Fall des früheren CDU-Finanzreferenten Franz-Josef Reischmann, der von 1988 bis 1992 mehr als zwei Millionen Mark aus den Kassen der Partei und der Landtagsfraktion veruntreut hat. Zwar war Jung im Zusammenhang mit dieser Affäre im September von seinem Posten als Minister in der Staatskanzlei zurückgetreten. Der Landtagsabgeordnete bestreitet aber, die Details des Falles Reischmann gekannt zu haben.

Insbesondere will Jung, der damals Geschäftsführer der CDU-Fraktion war, nicht gewusst haben, "dass die Unterschlagungen zu Lasten der CDU-Fraktion bereits im Jahre 1988 begonnen haben". Die Akten der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, die in der Schwarzgeldaffäre gegen den früheren Landesvorsitzenden Manfred Kanther ermittelt, legen jedoch nahe, dass Jung umfassend in die Schadensregulierung des Falls Reischmann eingebunden war.

In einem vertraulichen Brief vom 7. Dezember 1992, den der damalige CDU-Finanzberater Horst Weyrauch an Jung und Kanther adressierte, heißt es: "In Besprechungen mit Herrn Dr. Jung … wurde festgelegt, dass der Schadensbetrag in einer Summe vom Landesverband der CDU an die CDU-Fraktion erstattet wird." Am selben Tag adressierte Weyrauch ausschließlich an Jung einen Brief, in dem er die Untreue Reischmanns bei der Fraktion in die Legende kleidet, der Landesverband habe jahre-lang zu hohe Portokosten in Rechnung gestellt. Jung sagt: "Ich kenne beide Briefe nicht." Der Minister a.D. will "all die Dinge, die jetzt gegen mich sprechen, widerlegen". In der hessischen CDU-Führung gilt es als sicher, dass Jung im nächsten Jahr den Fraktionsvorsitz übernehmen will. (DER SPIEGEL 49/2000, Panorama Deutschland)