Probleme beim katholischen Deutschen Orden - DER SPIEGEL
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Probleme beim katholischen Deutschen Orden

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Die Krise um den zahlungsunfähigen katholischen Deutschen Orden, der bundesweit 120 Krankenhäuser, Suchthilfeeinrichtungen und Heime betreibt, entwickelt sich für die Kirche zum Eklat. Ende vergangener Woche kam es nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL bei außerordentlichen Personalversammlungen der 5500 Mitarbeiter zu turbulenten Szenen, da weder Monatsgehälter noch Weihnachtsgelder gezahlt werden können.

Ein geschädigter Betrieb erstattete bei der Münchner Staatsanwaltschaft Strafanzeige "wegen des Verdachts der Untreue, Bilanzfälschung, Betruges und Steuerhinterziehung" gegen den Ordenschef Gottfried Keindl und dessen Geschäftsführer Werner Conrad.

Die Situation in manchen Einrichtungen ist katastrophal: Die Leitung des Suchthilfeheimes im bayerischen Icking kann das Essen für die Bewohner nicht mehr bezahlen. Weil kommunale Kleidungsgelder verschwunden sind, können die Patienten sich "nicht für den Winter einkleiden". In anderen Häusern mussten Kranke mangels Waschlappen mit Bettlaken gewaschen werden. Mitarbeiter klagen über "ein undurchschaubares Sammelkonto mit nicht nachvollziehbaren Kontobewegungen in der bayerischen Zentrale in Weyarn". Ordenssprecher Michael Graf: "Wir müssen nur einen Monat überwinden, im nächsten Jahr erwarten wir wieder Millionenerträge." Versuche der Ordensleitung, Geld vom Freistaat Bayern oder katholischen Bistümern zu erlangen, scheiterten vergangene Woche. Auch der Vatikan lehnte finanzielle Hilfe ab. Kardinal Eduardo Martínez Somalo zitierte stattdessen den obersten Ordensleiter, Hochmeister Bruno Platter, nach Rom. Der soll diese Woche in der deutschen Ordens-zentrale einschreiten. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte mehrfach in Rom um eine Kontrolle von Keindls Orden gebeten, da sie selbst bei einem dem Papst unterstehenden Orden nicht eingreifen kann. (DER SPIEGEL 49/2000, Panorama Deutschland)