Schweden-Premier Persson im SPIEGEL: Europa braucht viele Geschwindigkeiten
Schwedens Ministerpräsident Göran Persson warnt davor, den Gesamtprozess der europäischen Einigung mit überstürzten Projekten zu torpedieren. Manchmal sei ein bedächtiges Tempo besser, um Überzeugungsarbeit zu leisten und Ängste abzubauen, sagte Persson, der zum 1. Januar die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.
Als geborener Realist, so Persson, habe ihn das Ergebnis des EU-Gipfels von Nizza nicht enttäuscht. Mit Blick auf die Meinung der Wähler in fast allen Mitgliedsländern müsse man sich fragen, wer denn als Politiker einen so starken Rückhalt hätte, um noch forscher voranzugehen? Die Leute wollen erst mal Europa sich entwickeln und arbeiten sehen, in Münzen und Ergebnissen.
Keinerlei Probleme hat Schwedens Premierminister mit einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Vor allem nach der Ost-Erweiterung werde die Union ziemlich heterogen sein. Manche würden bei der Integration schneller vorangehen können als andere, warum sollten wir sie nicht lassen? Es werde viele unterschiedliche Geschwindigkeiten und Projekte geben.
Persson: Der Reichtum unseres Kontinents ist gerade diese Verschiedenartigkeit, die Vielfalt. Wer die durch Uniformität ablösen will, riskiert Spannungen. Wer Gleichschritt propagiert, provoziert Stillstand. (DER SPIEGEL 51/2000, Seite 168)