Jedes dritte Mädchen, jeder vierte Junge in Deutschland übergewichtig
Deutschlands Kinder werden immer dicker. Seit 1985 hat sich der Anteil übergewichtiger oder fettleibiger Jungen mehr als verdoppelt auf knapp 26 Prozent. Noch krasser ist der Zuwachs bei den Mädchen: 33 Prozent von ihnen sind zu schwer, vor 15 Jahren waren es nur 10,6 Prozent. Diese Zahlen gehen aus Untersuchungen des Gesundheitsamtes Halle und der Universität Jena hervor, die das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe veröffentlicht. Der Anstieg ist alarmierend, sagt Katrin Kormeyer-Hauschild vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Jena. Sie warnt davor, Übergewichtige als Pummelchen zu verharmlosen. Folgen für die Gesundheit würden oft erst nach Jahrzehnten spürbar. Hauptursache der Besorgnis erregenden Zunahme ist Kormeyer-Hauschild zufolge die zu fettreiche Kost, vor allem aber die Bewegungsarmut. Schon im Kindesalter besteht Handlungsbedarf, sagte sie dem SPIEGEL.
Den Trend bestätigt laut SPIEGEL auch eine bislang noch unveröffentlichte Studie von Forschern aus Marburg, Remagen und Jena mit Daten von Wehrpflichtigen. Danach hat sich der Anteil der Gemusterten mit einem Gewicht von über 90 Kilogramm zwischen 1957 und 1997 von 2 Prozent auf 13 Prozent versechsfacht. (DER SPIEGEL 51/2000, Titelgeschichte)