Neue Finanzaffäre um den 1. FC Saarbrücken
Um den Fußball-Zweitligisten 1. FC Saarbrücken zeichnet sich eine neue Finanzaffäre ab. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Ex-Geschäftsführer der stadteigenen Saarbrücker Entwicklungs- und Sanierungsgesellschaft mbH (ESG), Alfred Kirst, Baufirmen zu Spenden an den Verein genötigt zu haben. Dies berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe.
Wer an ESG-Aufträge kommen wollte, so der Verdacht der Ermittler, habe offenbar ab und zu spenden müssen. Der 1. FC Saarbrücken, dessen teilweise illegale Finanzierung SPD-Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt und den saarländischen CDU-Innenminister Klaus Meiser ihre Ämter kostete, soll laut SPIEGEL allein im Juli 1996 mindestens 200000 Mark von Kirst-Partnern erhalten haben. Die Baufirmen konnten sich laut Staatsanwaltschaft ihre Aufwendungen durch überzogene Rechnungen an die ESG zurückholen.
Zu den Geldgebern gehört nach Angaben des SPIEGEL auch die größte saarländische Baufirma, Peter Gross aus St. Ingbert. Das Unternehmen soll 50000 Mark beigesteuert haben offenbar, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, auf Druck von Kirst. Der wurde Anfang des Monats wegen des Verdachts der Untreue in der Toskana verhaftet. Die Firma Gross schweigt bisher zu den Spenden-Vorwürfen.
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Kirst gerät auch der Saarbrücker SPD-Oberbürgermeister Hajo Hoffmann zwei Monate vor der ersten OB-Direktwahl zunehmend unter Druck. Sozialdemokrat Kirst soll seinem Bekannten Hoffmann beim Bau seiner Privatvilla in Bliesransbach bei Saarbrücken illegal zu finanziellen Vorteilen verholfen haben. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat Kirst die Baufirma Gross eingeschaltet, um Arbeiten an Hoffmanns Haus auszuführen. Mit den Kosten von rund 50000 Mark wurde jedoch eine Baustelle der städtischen ESG in der Jüngststraße in Saarbrücken belastet. Die Baufirma behauptet, sie habe die Summe nur vorübergehend auf das 24-Millionen-Projekt gebucht, um Hoffmann später eine Rechnung zu schicken. Kirst hat sich bisher öffentlich nicht zu den Vorwürfen geäußert.
OB Hoffmann, gegen den ebenfalls ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue läuft, weist alle Anschuldigungen zurück. Er sei mit Einzelaufträgen bei seinem Hausbau nie befasst gewesen und habe erst durch die Ermittlungen im Frühjahr letzten Jahren von dem Gross-Einsatz an seinem Haus erfahren. Ein ehemaliger ESG-Bauleiter sagte laut SPIEGEL jedoch aus, Hoffmann habe Ende 1996 an einer Baustellen-Besprechung teilgenommen, an der auch ein Vertreter der Firma Gross beteiligt gewesen sei. (DER SPIEGEL 52/00, Seite 40)