Hessen-CDU schont Reischmann
In der hessischen CDU-Affäre strickt Ministerpräsident Roland Koch nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL an einer weiteren Legende. Ihren früheren Finanzreferenten Franz-Josef Reischmann habe die Partei zu konsequentem Schadensersatz herangezogen, behauptet Koch: Wir haben dem Mann das letzte Hemd ausgezogen. Reischmann hatte 1992 ein Schuldanerkenntnis über eine Million Mark unterschrieben, weil er jahrelang in Partei- und Fraktionskassen gegriffen hatte. Tatsächlich aber unterlässt es die Hessen-CDU seit Jahren, auf Reischmanns Einnahmen zuzugreifen. Laut einem Bericht ihres ehemaligen Finanzberaters Horst Weyrauch lag der Schaden sogar bei mehr als 2,2 Millionen Mark. Im Auftrag der Partei sicherte die Weyrauch-Kanzlei aber nur rund 551000 Mark aus Reischmanns Vermögen für die CDU. Weiteren Hinweisen wurde nicht nachgegangen. Nach von uns ungeprüften Angaben soll er als freier Versicherungsvertreter tätig sein, heißt es in einem internen Prüfbericht vom April 1999.
Tatsächlich aber war Reischmann vielfältig in der Immobilienbranche aktiv. So gründete er 1996 im hessischen Limburg die Josef Reischmann Immobilienvermittlung GmbH, die er zwei Jahre später verkaufte. Ebenfalls 1996 erwarb er einen 50000-Mark-Anteil an der Immo-Design Immobiliengesellschaft mbH im saarländischen Püttlingen. Die Immo-Design ging am 20. Januar dieses Jahres in Konkurs. Kurz zuvor waren die schwarzen Kassen der Hessen-CDU aufgeflogen, und auch die Affäre Reischmann wurde erstmals öffentlich bekannt. Die Opposition in Wiesbaden vermutet, Reischmann werde geschont, weil er zu viel über die geheimen Finanzquellen der CDU wisse. (DER SPIEGEL 52/00, Panorama Deutschland)